Das Idealgewicht der Ponys liegt zwischen 300 und 400 Kilo. Lisbeth hat sich im Bingenheimer Ried gut 150 Kilo Übergewicht angefressen.
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Das Idealgewicht der Ponys liegt zwischen 300 und 400 Kilo. Lisbeth hat sich im Bingenheimer Ried gut 150 Kilo Übergewicht angefressen.

Dick und krank

Zu fett gefressen: Ponys aus dem Bingenheimer Ried müssen auf Diät

Zehn Jahre prägten elf Ponys das Bild des Bingenheimer Rieds, nun mussten sie dieses verlassen. Sie waren zu dick und sind nun auf strenger Diät. Die Veränderungen sind enorm.

Fast zehn Jahre lang lebten elf Exmoor-Ponys im Einklang mit der Natur des Bingenheimer Rieds. Dort grasten sie gemeinsam mit Rindern die gut 85 Hektar große Fläche ab. Pflegten so das Naturschutzgebiet und hielten das Gras vor allem für die am Boden brütenden Vögel kurz. Eine schöne Idee, denn so konnte die Tier- und Pflanzenwelt dort möglichst ungestört bleiben. Viele Jahre über ging dieses Konzept auf - nahm dann aber eine dramatische Wendung.

In den vergangenen Jahren wurden die Winter immer milder, erklärt Sven Schuchmann, Vorsitzender des NABU Bingenheim. Das an sich schon große Futterangebot im Ried habe so auch in der kalten Jahreszeit zur Verfügung gestanden. »Im Winter haben die Ponys sonst immer etwas abgenommen«, sagt Schuchmann. Dazu sei es dann nicht mehr gekommen. Die Tiere wurden immer dicker und steifer. Nach einer tierärztlichen Untersuchung stand fest: Die Ponys müssen das Ried verlassen.

Das Übergewicht der Pferde führte wie bei Michel zu kaputten Hufen.

»Rückblickend hätte man die Ponys nicht ins Ried holen dürfen«, sagt der NABU-Vorsitzende. In seiner Stimme schwingt tiefes Bedauern. Ihm und seinen Kollegen habe es an der erforderlichen Fachkenntnis gefehlt, gesteht er. Dadurch sei die Lage der Ponys falsch eingeschätzt worden. Denn die Ponys waren nicht nur etwas übergewichtig, sondern stark erkrankt. Und das lag nicht nur an den milden Wintern.

Bingenheimer Ried: Zu viel Futter, zu wenig Bewegung

Zu reichhaltige Nahrung, zu wenig Bewegung: Was Menschen nicht gut tut, schadet auch Tieren. »Sehr viel Gras im Bingenheimer Ried ist zu zuckerhaltig und enthält für diese Rasse zu viel Stärke«, erklärt Pferdeexpertin Barbara Kelly. Dazu komme, dass Exmoor-Ponys nicht für die Dauerbeweidung gemacht seien. »Diese Ponys bewegen sich nur, wenn sie es müssen«, sagt sie. Im Bingenheimer Ried hätten sie es nicht nötig gehabt. Futter war immer da.

Das Übergewicht der Pferde im Bingenheimer Ried führte wie bei Michel zu kaputten Hufen.

So kam es, dass die Ponys an einer Stoffwechselstörung erkrankten. »Die ist vergleichbar mit Diabetes Typ zwei beim Menschen«, erklärt Kelly. Die Ponys hätten schließlich gut 150 Kilo Übergewicht gehabt, und dadurch bedingt sei die sogenannte Hufrehe ausgelöst worden. Eine schmerzhafte Krankheit, die bis zum Tod des Tieres führen kann und im Falle dieser Ponys bei einem Hengst die Einschläferung zur Folge hatte.

Etwa zwei Jahre lange habe der NABU in einer nervenaufreibenden Prozedur nach einer alternativen Unterbringung für die Tiere gesucht, sagt Schuchmann. Problem: Die Ponys sind weder an Menschen gewöhnt, noch daran, in Ställen gehalten zu werden. Außerdem sollten sie als Herde möglichst nicht getrennt werden. Mehr durch Zufall kam der Kontakt zu Barbara Kelly und Christina Kuenen von »Team-HUF« zustande.

Das Idealgewicht der Ponys liegt zwischen 300 und 400 Kilo.

Die beiden Frauen sind Hufbearbeiterinnen, auf Hufrehe spezialisiert und betreiben zudem eine kleine Reha-Station für Pferde in Haunetal, Kreis Hersfeld-Rotenburg. »Das war einfach ein richtiger Glückstreffer«, sagt Schuchmann. Nach Begutachtung der Ponys erklärten sich Kelly und Kuenen dazu bereit, insgesamt sechs der Tiere bei sich aufzunehmen.

Die Ponys leben nun schon seit mehreren Monaten auf dem Hof in Haunetal und hätten sich gut eingelebt, erzählt Kelly. »Es macht richtig Freude, ihnen bei der Entwicklung zuzusehen«, sagt sie. In der Reha wurden sie zunächst auf Diät gesetzt. Bekamen vorwiegend fettarmes Heu und viele Bewegungsanreize durch verteilte Futterstellen. Heute hätten sie bereits deutlich abgenommen, seien viel zutraulicher, und in einigen Fällen hätte sich auch die Hufrehe ohne großes Zutun gelegt.

Bingenheimer Ried: In Zukunft keine Ponys mehr zur Beweidung

Kelly und Kuenen wollen die Ponys auch nach ihrer vollständigen Genesung und Gewöhnung behalten. »Sie sind einfach zu niedlich«, sagt Kelly und lacht. Sie könnte sich gut vorstellen, dass die Ponys statt auf einer satten Wiese etwa in einem Steinbruch ihr Wildpferddasein ausleben könnten. Zur Unterstützung der Tiere haben sie den Verein »Rehabilitation HUF« gegründet und streben nun die Vergabe von Patenschaften an.

Das Übergewicht der Pferde führte wie zu kaputten Hufen. Der härtere Boden auf dem Hof in Haunetal hat das wieder ausgeglichen.

Auch die anderen vier Ponys wurden mittlerweile auf einem privaten Hof bei Göttingen untergebracht. Wie die anderen werden sie dort gesundgepflegt. Für den NABU ist aber klar, dass nun keine Ponys mehr ins Bingenheimer Ried kommen. Die Rinder bleiben dort, und man wolle abwarten, wie sich das Naturschutzgebiet verändere.

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