Tänzerinnen im Mohrengewand warten auf den Auftritt.
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Tänzerinnen im Mohrengewand warten auf den Auftritt.

»Faschistoider Meinungsterror«

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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Friedberg (jw/pm). Meinungsfreiheit und Demonstrationsrecht seien »ein hohes Gut in unserer Republik«, schreibt der UWG-Fraktionsvorsitzende Friedrich Wilhelm Durchdewald als Reaktion auf die Demonstration gegen die Mohren-Apotheke in einer Presseerklärung. »Bedenklich wird es jedoch, wenn es von einer kleinen Gruppe genutzt wird, eine rechtschaffene Apothekerin in widerlicher Weise zu mobben.«

Die Demonstranten störten sich am »Mohren« im Apotheken-Namen, empfänden diesen als rassistisch. Durchdewald: »Wenn man sich der Tortur unterzogen hat, den großenteils agitatorischen Ansprachen zuzuhören, war nicht anderes daraus zu ›lesen‹, als der alte Spruch ›Und willst du nicht mein Bruder sein, dann hau ich dir den Schädel ein.‹ Vulgär, beleidigend und immer wieder gegen die Apothekerin Dr. Kerstin Podszus gerichtet, brachten die aus verschiedenen Städten angereisten ›Betroffenen‹ ihre tiefe Sorge über die schlimmen, rassistischen Strukturen in Deutschland zum Ausdruck. Dass nebenbei insbesondere die ältere, die Rentnergeneration, diesbezüglich ›ihr Fett‹ abbekam, sei nur noch am Rande erwähnt.«

Dieser »Psychoterror« habe sich fortgesetzt, »als junge Frauen, als Mohren verkleidet, versuchten, über den Hintereingang in die Apotheke zu gelangen«, schreibt Durchdewald. »Schade fanden wir, dass seitens der Stadtspitze keine Unterstützung für ›ihre‹ Gewerbetreibende kam. Hier wäre ›Farbe bekennen‹ unbedingt angezeigt gewesen, wichtiger, als das Pressefoto bei irgendeinem Event.« Tatsächlich wurde aus der Gruppe der meist älteren Friedberger immer wieder gefragt, wo denn der Bürgermeister und die Ordnungsdezernentin seien.

Durchdewald weiter: »Wir werden die Apothekerin unterstützen, soweit uns dies möglich ist. Das machen wir auch, weil uns völlig klar ist, was danach kommt, wenn dieser faschistoide Meinungsterror zum Ziel führt. Schaut man in der Namensforschung mal nach, gibt es in Deutschland noch über 13 000 Menschen mit dem Nachnamen ›Mohr‹, etwa 160 mit dem Nachnamen ›Neger‹ und sogar 36 mit dem Nachnamen ›Mohrenstecher‹. Da gibt es noch genug Möglichkeiten, den Verbalkrieg gegen den angeblich rassistischen Hintergrund von Namen fortzusetzen«, schreibt der UWG-Fraktionsvorsitzende »ausdrücklich auch für Winfried Ertl (der ebenfalls vor Ort und empört war), Bernd Messerschmidt, Alfons Janke, Matthias Ertl, Timo Haizmann und Wolfgang Bub«.

FOTO: F. W. DURCHDEWALD

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