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Broschüre über Friedberger Kaiserstraße

Faltblätterzeigen die Einkaufsmeile auf einen Blick

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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Die Kaiserstraße ist 1,83 Meter lang. Zumindest auf den Leporellos, die der Publikation "Die Friedberger Kaiserstraße" beiliegen, die nun im Wetterau-Museum präsentiert wurde.

Die Kaiserstraße auf einen Blick erfassen: Das war einer der Gedanken, die der Dauerausstellung "Die Friedberger Kaiserstraße" zugrunde lag. Von 2012 an war sie sechs Jahre lang im Wetterau-Museum zu sehen. Damals gab es viele Diskussion um die Einkaufsmeile. 2014 wurde mit dem Elvis-Presley-Platz der erste von drei Bauabschnitten der geplanten Sanierung umgesetzt. Die Abschnitte von dort bis zur Burg und bis zur Ockstädter Straße sollen folgen. Die Ausstellung sollte Orientierung schaffen, Bürger und Politik sollten die Gelegenheit haben, die aktuellen Pläne mit den Entwicklungen der Vergangenheit zu vergleichen.

Vergangenen Freitag präsentierten Bürgermeister Dirk Antkowiak und Museumsleiter Johannes Kögler das (fast) fertige Werk. Ab morgen, rechtzeitig zum Tag des offenen Denkmals an diesem Samstag, ist es für 20 Euro in der Buchhandlung Bindernagel erhältlich. Es kommt zur rechten Zeit. Einerseits dürfte die Diskussion um die Fortführung der Sanierung bald wieder an Fahrt gewinnen. Andererseits bieten der 24 mal 28 Zentimeter große Katalog und die beiden 1,83 Meter langen Leporellos überraschende Einblicke in die Geschichte einer Straße, die einst als langer Marktplatz konzipiert wurde.

Vergleich von früher und heute

Die Leporellos vereinen vier Ebenen auf einen Blick. Sowohl von den Gebäuden der West- wie von jenen der Ostseite hat der Fotograf Reiner Strack 2012 Fotos gemacht. Darunter sind drei Vergleichsebenen angeordnet: Zeichnungen des Künstlers Otto Franz Kutscher von 1966, Fotografien von Werner Stolz von 1965 sowie Fotos von Dr. Rudolf Trapp von 1947.

Wer erinnert sich noch an den "Hessischen Hof" (Kaiserstraße 137, heute "La Sera")? "Feinkost Kaiser", "Schade & Füllgrabe", die "Gaststätte Musch" und das "Café Rosenschon" auf der Westseite sind weitere ehemalige Geschäfte. Auf der Ostseite gab es "Radio Ruppert" (heute Bürobedarf "König plus"), die Buchhandlung Scriba oder das Elektronikhaus Breitenfelder. Die Namensschilder lassen sich auf den alten Fotos und Zeichnungen ablesen.

Dreht man das Faltblatt um, erhält man weitere Informationen über einzelne Häuser. So erfährt man, dass das neue "Café Schirn" der Siebenkorn Integrations gGmbH genau dort eröffnet wurde, wo früher die Brotschirn stand. An diesem Haus "Zur Jungfrau" befand sich einst die "Friedberger Jungfrau", die seit 1976 einen prominenten Platz in der Dauerausstellung des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg hat, als kunsthistorisch bedeutendes Beispiel mittelalterlicher Skulptur in Deutschland. Zwei weitere Fotos erinnern daran, dass die komplette Fassade des Gebäudes am 12. Februar 2000 nach einem Wasserrohrbruch einstürzte. So laden die Leporellos zu einem gedanklichen Spaziergang über die größte Einkaufsmeile der Wetterau ein, mit vielen Eindrücken, Querverweisen und Hintergrundinformationen. Der Katalog selbst versammelt die kompletten Ausstellungstexte samt den Fotos, führt chronologisch von der Gründung Friedbergs bis ins Jahr 2014, als der Elvis-Presley-Platz eingeweiht wurde.

Ohne Autos viel Platz vorhanden

Beim Durchblättern fällt der riesige Platz, der vorhanden ist, ins Auge. In der aktuellen Diskussion über die Umgestaltung wird auch eine Fußgängerzone gefordert. "Autofrei" war die Kaiserstraße schon einmal. Die großformatigen Fotos der vorletzten Jahrhundertwende zeigen, warum sie einst "Breite Straße" hieß. Man sieht einzelne Pferdefuhrwerke, aber weit und breit kein Auto. Und auch kaum Passanten. Ob eine Kaiserstraße ohne Autos genauso leer wäre?

Für geschichtsbewusste Friedberger sind die Broschüre und die Leporellos ein wahres Geschenk. Den Machern ist hier Großes geglückt. Das ist ein Verdienst von Museumsleiter Johannes Kögler sowie dem Kunsthistoriker Dr. Rainer Zuch, der zusammen mit Kögler die Texte verfasste, und es ist auch der leserfreundlichen Grafik von Christine Wigge zu verdanken. Das Heft, zusammengehalten in einer Mappe, kann sich sehen lassen. Der Geschichtsverein Friedberg war von den Leporellos derart begeistert, dass er deren Druckkosten übernahm.

Die 48-seitige Broschüre "Die Friedberger Kaiserstraße - Vom mittelalterlichen Markt zur modernen Einkaufsmeile" mit vielen Fotos, Grafiken und Landkartenausschnitten sowie kurzen, prägnanten Texten ist im Verlag der Buchhandlung Bindernagel in Friedberg erschienen und dort ab morgigen Freitag für 20 Euro erhältlich. Herausgeber ist Johannes Kögler im Auftrag der Wetterauer Museumsgesellschaft.

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