Fake-Shops kann man laut Verbraucherschützer daran erkennen, dass sie neben den unglaublich günstigen Preisen in der Regel Vorkasse verlangen. Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn
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Augen auf beim Einkauf im Netz: Anlässlich des heutigen „Cyber Monday“ warnt die Polizei vor Fake Shops im Internet. Dort bezahlt man zwar die gewünschte Ware, bekommt sie aber nicht zugeschickt. (Symbolfoto) Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn

„Cyber Monday“

„Cyber Monday“: Vorsicht vor Abzocke! Fake Shops machen Kaufrausch riskant

  • Christoph Agel
    vonChristoph Agel
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Mit dem „Cyber Monday“ läutet der Online-Handel am 30. November den vorweihnachtlichen Kaufrausch ein. Die Wetterauer Polizei warnt vor Fake Shops, Kriminaloberkommissar Ulrich Kaiser im Interview.

  • Der „Cyber Monday“ (30.11.2020) verleitet Kunden, die Schnäppchen machen wollen zum Online-Kaufrausch.
  • Kriminaloberkommissar Ulrich Kaiser gibt im Interview Tipps, wie man Fake Shops ausfindig macht und vermeidet.
  • Außerdem bietet er heute von 13-15 Uhr eine Telefonsprechstunde zum Thema an.

Wegen Corona wird in diesem Jahr noch mehr online eingekauft. Ist dadurch das Problem mit Fake Shops größer geworden?

Wo sich mehr Leute bewegen, wo mehr eingekauft wird, da kommen auch mehr Betrüger und versuchen, ihr Schnäppchen damit zu machen. Deswegen hatten wir in den letzten Jahren immer gerade zur Weihnachtszeit, in der viel eingekauft wird, höhere Fallzahlen. Wegen Corona sind viele daheim, und es wird noch mehr Online-Umsatz gemacht. Deshalb ist zu befürchten, dass die Statistik im nächsten Jahr höhere Zahlen ausweisen wird.

In welchen Bereichen gibt es denn vor allem Fake Shops?

Das ist relativ breit gestreut. Es wird das angeboten, was auch ganz normal in der realen Welt groß nachgefragt wird. Ich habe ein Beispiel: Anfang November hatte ich einen Fall, bei dem eine junge Dame gegoogelt hat, weil sie eine Kaffeemaschine kaufen wollte. Dabei stieß sie auf einen Shop, der seriös aussah, der auch ein Impressum hatte, in dem eine deutsche Telefonnummer und eine deutsche Adresse standen. Aber: Die Bezahlung war per Vorkasse auf ein ausländisches Konto, in dem Fall nach Spanien. Die Dame hatte leider das Geld schon vorab überwiesen. Die Kaffeemaschine kostete, glaube ich, normalerweise 250 Euro, und da gab es sie für circa 120 Euro. Am nächsten Tag recherchierte die Dame zu dem Shop, dabei sah sie relativ schnell, dass sich Leute beschwert hatten und dass da etwas nicht stimmt. Aber wahrscheinlich bekommt sie, dank ihrer schnellen Anzeige und dem schnellen Handeln ihrer Bank, ihr Geld zurück.

Fake Shops: Bezahl-Optionen sollten stutzig machen

Ist Vorkasse bei solchen Shops Standard? Gibt es keine andere Bezahl-Möglichkeit?

Das ist eine Variante bei Fake Shops, aber es könnte auch noch sein, dass zum Beispiel Bargeldtransfer-Systeme wie Moneygram oder Western Union reinkommen. Paypal ist zum Beispiel eher bei Kleinanzeigen der Fall - dass da versucht wird, die Leute zu »Paypal Friends« zu bekommen. Derjenige, der das Geld erhält, muss keine Gebühren zahlen. Wer das Geld bezahlt, hat aber keinen Käuferschutz mehr, kann das Geld nicht mehr zurück holen.

Sollte ich also von vornherein stutzig werden, wenn ich nicht auf Rechnung bezahlen kann?

Genau, es ist für mich die beste Variante, auf Rechnung zu kaufen, weil ich dann sicher bin. Ich bekomme ja erst die Rechnung , wenn die Ware da ist - beziehungsweise mit der Ware. Auf jeden Fall ist die Überweisung ins Ausland brandgefährlich.

Fake Shops: Konten der Betreiber sitzen oft im Ausland

Sitzen die Betreiber von Fake Shops meist im Ausland? Oder sind sie auch oft hier in Deutschland?

Sowohl als auch. Wir haben auch große Fake Shops hier in Deutschland gehabt. Das heißt ja nicht, dass deshalb das Konto nicht im Ausland sein muss. Die Betrüger können physisch hier in Deutschland sitzen, haben aber das Konto im Ausland.

Ist das Bankensystem hierzulande also so sicher, werden die Banken hier eher misstrauisch?

Banken werden schon misstrauisch. Da gibt es auch eine »Black List«. Wenn auf ein bestimmtes Konto Geld fließen soll, dann geht bei vielen Banken eine Warnlampe an. Aber es braucht immer einen Augenblick, bis diese Konten bekannt sind. Es muss immer erst was passieren, damit die Banken es feststellen. Wenn es festgestellt wurde, sind die Banken gut abgesichert und gut vernetzt.

Fake Shops: Betreiber agieren hochprofessionell - Bewertungen und Websiten gefälscht

Kommen wir zu den Waren: Wird da eher gar nichts verschickt oder befindet sich statt dem bestellten Laptop eine Spanplatte im Paket?

Das kann auch vorkommen. Aber was wir auch schon hatten: Ein Shop versendet anfangs tatsächlich die Waren, auch in der versprochenen Qualität. Damit man erstmal gute Bewertungen bekommt. Der nächste Kunde sieht diese Bewertungen dann, auch wenn er danach keine Ware mehr erhält. Das ist dann hochprofessionell, dahinter steckt eine extrem hohe kriminelle Energie.

Stichwort Bewertungen: Da kann natürlich auch viel gefaked sein, oder?

Ja, das ist auch möglich, und da gibt es auch verschiedene Varianten, wie man das macht. Das wird immer ausgeklügelter. Meistens kann man aber trotzdem erkennen, dass bei den letzten Bewertungen - darauf sollte man immer achten - ein Abfall von den anderen Bewertungen festzustellen ist. Das heißt, da kommen dann doch kurzfristig schlechte Bewertungen. Dann sollte man nochmal prüfen, ob man wirklich dort etwas bestellt oder nicht.

Kann ein Shop auch so gefälscht sein, dass man denkt, man wäre bei einem bekannten Angebot, ist aber in Wirklichkeit bei einem Fake Shop gelandet?

Diese Fake Shops können schon extrem gut gefälscht sein. Teilweise werden auch Sachen kopiert, so dass suggeriert wird, man sei auf einem seriösen Shop, den man vielleicht auch kennt. Fälscher versuchen, so nah wie möglich ran zu kommen an etwas, das Vertrauen schafft, das auch bekannt ist. Rein optisch ist ein Fake Shop von einem realen Shop kaum oder gar nicht zu unterscheiden.

Kriminaloberkommissar Kaiser: So unterscheidet man seriöse Seiten und Fake Shops

Woran erkenne ich einen seriösen Shop? Was sollte die Website enthalten?

Fangen wir oben an, bei der Adresse, der URL. Davor sollte »https« stehen - für eine gesicherte Verbindung. Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen, Versandinformationen, Impressum müssen da sein. Das Impressum muss bestimmte Standards erfüllen, so muss eine tatsächliche Erreichbarkeit des Shops gegeben sein. Bei den Zahlungsvarianten sollte ein Kauf auf Rechnung dabei sein. Wenn da nur Vorkasse und Überweisung drauf stehen, und dann auch noch ins Ausland, sollten die Alarmglocken läuten. Und gerade jetzt zum Cyber Monday: Da kommt natürlich ein kleiner Kaufrausch auf, und man denkt, jetzt muss man noch ein Schnäppchen machen. Mit diesen typischen Spontankäufen sollte man vorsichtig sein, denn gerade dadurch werden diese Fake Shops nach oben gespült, weil dann das Gehirn auch ein bisschen ausgeschaltet wird. Der wichtigste Spruch ist: Erst denken, dann klicken.

Also zum Beispiel den Shop einfach mal googeln oder eine Seite aufrufen, auf der Fake Shops aufgelistet sind?

Ja, oder einfach mal die Verbraucherzentrale anrufen und da nachfragen.

Wetterauer Polizei: Das sollte man tun, wenn man auf einen Fake Shop hereingefallen ist

Was tue ich, wenn ich schon bezahlt habe und die Ware nicht bekomme?

Unbedingt Anzeige erstatten. Die Aufklärungsquote bei der Polizei ist richtig gut. Wir sind da seit Jahren bei rund 90 Prozent und auch mal ein bisschen drüber. Jemanden zu ermitteln, dem wir es zuordnen können, das ist schon gegeben. Ob man das Geld wieder bekommt, steht auf einem anderen Blatt.

Glauben Sie, dass es eine hohe Dunkelziffer gibt, weil es den Betrogenen zu peinlich ist?

Auf jeden Fall. Es gibt eine Auswertung, das sogenannte Digitalbarometer, bei dem Leute befragt worden sind, ob sie in den letzten Jahren Opfer von Cyberkriminalität geworden sind. Dabei wurde auch das Anzeigenverhalten bewertet. Nur 25 Prozent erstatteten Anzeige. Das Anzeigenverhalten ist leider sehr gering, weil viele vielleicht auch ein Schamgefühl haben, da sie auf so was reingefallen sind. Und dann denkt man vielleicht noch: Soviel Geld war es ja auch nicht, weil es eine Sache für 20, 25 oder vielleicht 50 Euro war. Da denkt man sich: lernen durch leiden. Aber ich kann nur dazu appellieren, Anzeige zu erstatten, weil die Polizei da auch gut ist.

Warum kommt die Polizei den Tätern so schnell auf die Spur?

Ich sage mal: gut ermitteln. Wie wir ermitteln, will ich Ihnen im Detail nicht verraten. Das wäre kontraproduktiv für uns, dann würden wir die Betrüger auch drauf bringen, wie wir daran kommen. Den Bereich Warenbetrug haben wir gut im Griff, weil es immer eine Beziehung gibt, wenn Geld läuft. Dies kann zum Beispiel ein Ermittlungsansatz sein.

Wetterauer Polizei: Kriminaloberkommissar bietet Telefonsprechstunde zum Thema an

Telefonsprechstunde am 30. November

Am heutigen »Cyber Monday« berät Kriminaloberkommissar Ulrich Kaiser Interessierte von 13 bis 15 Uhr unter der Telefonnummer 06 41/70 06 29 42. Infos gibt es auch im Internet unter watchlist-internet.at. Dort werden Fake Shops aufgelistet. Bezüglich Prävention in unterschiedlichen Bereichen ist die Seite www.polizei-beratung.de hilfreich. Nach Angaben der Polizei entfielen im vergangenen Jahr 32,5 Prozent aller Straftaten im Internet in Deutschland auf den Warenbetrug. Konkret geht es um 95.803 Fälle. Der Warenbetrug machte damit die größte Gruppe bei den Internet-Straftaten in Deutschland aus.

Zur Person: Ulrich Kaiser

Kriminaloberkommissar Ulrich Kaiser aus Ranstadt ist seit dem Jahr 2000 bei der Polizei. Zuletzt arbeitete er rund sieben Jahre als Ermittler im Betrugskommissariat in Friedberg. Dort hatte er es insbesondere mit Straftaten zu tun, die Bezug zum Internet - beispielsweise Warenbetrug, Falschgeld, Urkundenfälschung - hatten. Im August 2019 nahm Kaiser seine Arbeit beim Polizeipräsidium Mittelhessen in Gießen auf, das auch für die Wetterau zuständig ist. Kaiser ist dort Fachberater für Internetkriminalität (Cybercrime). Dort ist er Ansprechpartner für alle Bürger bei Fragen rund um das Thema Sicherheit im Internet.

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