Frank Behring vom "Fahrradladen Rückenwind" kann sich über mangelnde Nachfrage nicht beklagen.
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Frank Behring vom »Fahrradladen Rückenwind« kann sich über mangelnde Nachfrage nicht beklagen.

Schwungvoll unterwegs

Fahrrad-Boom in der Wetterau

  • vonHarald Schuchardt
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Seit der Öffnung der Geschäfte ist bundesweit von einem Rad-Boom in den Fachgeschäften die Rede. Was sagen Friedberger Radhändler dazu?

Seit unserer Wiedereröffnung am 20. April steigt die Wetterau aufs Rad um, und das in einem Maß, wie wir es noch nicht kannten« sagt Frank Behring, der zusammen mit seiner Frau Regine Grassberger seit 1984 den »Fahrradladen Rückenwind« im Friedberger Gewerbegebiet West betreibt. »Gefühlt ist jetzt jeder Geschäftstag ein Samstag, wir kommen langsam an unsere Grenzen. Das schöne Wetter tut sein Übriges«, ergänzt Grassberger. Wie sehr das Radgeschäft boomt, zeigt sich auch daran, dass zwei Händler auf unsere Anfrage per E-Mail und über deren Internetseite nicht antworteten sowie mehrere Tage telefonisch nicht erreichbar waren.

Fahrrad-Boom in der Wetterau: Werkstatt bei "Rückenwind" voll ausgelastet

Bei »Rückenwind« sind aktuell neben E-Bikes nahezu alle Fahrradtypen gefragt, vom Kinderfahrrad übers Mountainbike und Rennrad bis hin zum Hollandrad. Nach eigenen Aussagen belohnen sich die Kunden mit dem Fahrradkauf für entgangene Aktivitäten, Ausflüge und Urlaube sowie für das wochenlange Homeoffice und Homeschooling.

Auch bei Rückenwind werden die Hygiene-Vorschriften erfüllt. Die Zugangsbeschränkungen werden mittels einer bestimmten Zahl an blauen Einkaufsrollis gesteuert. »Das funktioniert ganz gut, die allermeisten Kunden sind diszipliniert, einige wenige ›Hygieneverweigerer‹ gibt es, die werden dann einfach nicht bedient,« sagt Behring.

Auch die Werkstatt ist seit Wochen voll ausgelastet. Auf einen Inspektionstermin muss der Kunde vier bis sechs Wochen warten. »Kleinere Reparaturen versuchen wir innerhalb einer Woche zu erledigen. Nicht alle haben dafür Verständnis, aber Sicherheit und Sorgfalt darf auch in der Saisonhektik und trotz drängelnder Kunden nicht auf der Strecke bleiben«, sagt Grassberger und fügt hinzu: »Unsere zehn fest angestellten Mitarbeiter geben alles.«

Fahrrad-Boom in der Wetterau: Umsatz ging um 80 Prozent zurück

Das war auch schon während der fünfwöchigen Zwangsschließung der Fall. Da Serviceleistungen erlaubt waren, wurde in der Werkstatt weitergearbeitet. Beratung per E-Mail, Telefon oder kontaktlos per Gegensprechanlage vor der Ladentür wurden gut angenommen. Trotzdem ging der Umsatz in dieser Zeit um 80 Prozent zurück, doch das ist kein Thema mehr. »Das ist die Saison unseres Lebens«, freut sich Grassberger.

Pavel Krepelka, der seit 15 Jahren bei Radsport König in der Werkstatt tätig ist, hat noch nie so viel zu tun gehabt wie jetzt.

Nicht anders sieht dies Wolfgang König, Inhaber von Radsport König in der Leonhardstraße. Ehefrau Sigrid und die drei Mitarbeiter in der Werkstatt tun alles, um die große Nachfrage nach Fahrrädern und Zubehör zu erfüllen sowie die anstehenden Reparaturen so schnell wie möglich zu erledigen:

»In Sachen Reparaturen sind wir sehr gut, wir haben eine gute Woche Wartezeit«, meint König, der das Radgeschäft vor 15 Jahren von Wolfgang Knickel übernommen hat. Der Geschäftsmann hatte das Fachgeschäft 1978 eröffnet, und zwei Jahre später kam König dazu.

Das Angebot an neuen Fahrrädern im Geschäft von Wolfgang König ist übersichtlicher geworden.

»Der Jahresablauf hat sich verschoben, und das Wetter ist für Freizeitaktivitäten im Freien genial, auch wenn das fürs Klima nicht immer so gut ist«, konstatiert König, der allerdings, wie seine Kollegen in der Branche, auch ein Problem hat: »Die Lieferketten stimmen nicht mehr.«

Fahrrad-Boom in der Wetterau: Verwaiste Haken an den Wänden

Was er damit meint, sieht der Kunde beim Betreten des Verkaufsraums, in dem sich maximal fünf Personen aufhalten dürfen. Diese haben viel Platz, denn die Haken an den Wänden, an denen sonst Räder hängen, sind verwaist, und auch am Boden ist das Angebot übersichtlich. »Die Hersteller kommen nicht mehr nach, auch beim Zubehör«, erläutert König. Das gilt auch für Fahrradhelme, von denen der Geschäftsmann so viele verkauft hat wie noch nie in seiner 40-jährigen Tätigkeit in der Radbranche.

»Das liegt auch an denjenigen, die jetzt mit dem Rad zur Arbeit fahren.« Um sein Geschäft macht sich der Händler keine Sorgen. König: »Das ist zwar wichtig, aber viel wichtiger ist doch, dass wir alle gesund bleiben.«

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