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In den Werkstätten, wie bei »Rückenwind« in Friedberg, kann unabhängig vom Lockdown gearbeitet werden. Dass es zu Wartezeiten bei Reparaturaufträgen kommt, liegt nicht unbedingt an der Kapazität in den heimischen Fahrradwerkstätten - oft fehlen die erforderlichen Ersatzteile, die aus der ganzen Welt geliefert werden.

Umweltschutz

Fahrrad-Boom in Gießen reißt nicht ab

  • Sabrina Dämon
    vonSabrina Dämon
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Seit Beginn der Pandemie ist die Auftragslage in den Fahrradläden hoch. Kunden müssen deswegen mit Wartezeiten rechnen.

Für den momentanen Fahrradtrend gibt es eine ganze Reihe von Gründen: Viele andere Freizeitangebote sind in der Corona-Pandemie weggefallen, aber Radfahren geht. Der öffentliche Nahverkehr wird von manchen gemieden, und das Fahrrad stellt eine Alternative dar. Durch gestrichene Urlaube ist bei manchen der Geldbeutel etwas voller als sonst. Die Folge: Das Geschäft läuft gut für Fahrradhändler. Seit Pandemie-Beginn vergangenes Jahr berichten Händler, dass die Nachfrage nach Zweirädern gestiegen ist. Kam es im Mai 2020 wegen des hohen Kundenandrangs bereits zu Wartezeiten bei Händlern und Reparaturwerkstätten, gibt es dieses Jahr ein zusätzliches Problem, das die Situation verschärft: Sowohl Fahrräder als auch Ersatzteile sind knapp.

Von der großen Nachfrage nach Fahrrädern berichtet auch Frank Bering, der Geschäftsführer von »Rückenwind« in der Straßheimer Straße in Friedberg. Fahrräder seien in den vergangenen Jahren ohnehin schon stärker nachgefragt gewesen, und Corona, sagt Bering, »hat vergangenes Jahr den Fahrradverkauf beflügelt«. Vor allem weil das Fahrradfahren, entweder als Freizeitbeschäftigung oder als Sportart, durchgehend möglich gewesen sei. »Da gab es nie Einschränkungen. Im Gegenteil: Viele haben öffentliche Verkehrsmittel gemieden. Und mangels Urlaub ist das Fahrrad mehr ins Blickfeld geraten.«

Zudem macht sich der Frühlingsanfang alljährlich bei Fahrradhändlern bemerkbar. Schon im Februar, berichtet Bering, als das Wetter sich gebessert habe, sei der Werkstattandrang innerhalb einer Woche so groß gewesen, dass Termine für sechs Wochen im Voraus gemacht worden seien. Nun, durch den Kälteeinbruch, sei viel abgearbeitet worden, Aufträge, die nun reinkämen, könnten rasch erledigt werden. Zumindest was die Kapazität in der Werkstatt angehe. Zu Wartezeiten kann es dennoch kommen - sowohl bei Werkstattaufträgen als auch bei Neukäufen. Das habe wenig mit den heimischen Werkstätten zu tun, sondern eher mit nicht lieferbaren Ersatzteilen, erklärt Bering.

Produktionsstätten weltweit betroffen

»Ein Beschaffungsproblem haben wir in unserer Branche schon seit über einem Jahr. Jetzt hat sich das noch mal zugespitzt.« Das liege nicht nur an dem coronabedingten Fahrrad-Boom. »Fahrräder sind komplexe Produkte mit mehreren Hundert Bauteilen, die in aller Herren Länder gefertigt werden«, erklärt Bering. Wenn also ein Teil fehle, könne es vorkommen, dass ein zu 99 Prozent fertiges Fahrrad nicht fahrbereit sei - je nach Teil. Klar, sagt Bering, wenn ein grauer Sattel nicht lieferbar ist, kann der Lieferant auf einen schwarzen ausweichen. Bei relevanten Bauteilen - etwa einer Scheibenbremse oder einem Elektro-Teil für das E-Bike - sieht es aber schon anders aus. »Die Problematik steigt mit zunehmender Komplexität. Das sind Flaschenhälse, die dann zugehen, sobald eine Krise auftritt wie letztes Jahr.« Gerade durch die Pandemie seien Produktionsstätten in der ganzen Welt betroffen gewesen. Das macht sich nun bemerkbar. »Es gibt Werkstattaufträge, die sind mehrere Wochen in der Warteschleife - nicht mangels Kapazität, sondern weil Teile fehlen.«

,, Ein Beschaffungsproblem haben wir in unserer Branche schon seit über einem Jahr. Jetzt hat sich das noch mal zugespitzt.

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