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„Es ist die Hölle zu tun“: Fahrlehrer über Arbeit in Corona-Zeiten

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Von: Sophie Röder

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Erst desinfizieren, dann lüften: Seit Beginn der Corona-Pandemie sind Desinfektionsmittel ein fester Bestandteil in Alexander Luckners Fahrschulauto.
Erst desinfizieren, dann lüften: Seit Beginn der Corona-Pandemie sind Desinfektionsmittel ein fester Bestandteil in Alexander Luckners Fahrschulauto. © Nicole Merz

Damit Fahrschüler auch während Corona ihren Führerschein erwerben können, haben sich Wetterauer Fahrschulen verschiedene Lösungen überlegt.

Wetteraukreis – „Der Wille, einen Führerschein zu machen, ist ungebrochen“, sagt Alexander Luckner, Inhaber der Fahrschule Rösner. Wie in anderen Branchen hat die Pandemie auch hier Spuren hinterlassen. Doch statt eines befürchteten Einbruchs sei die Zahl der Fahrschüler bei Luckner angestiegen: „Seit dem Lockdown schieben wir eine Welle vor uns her.“

Wie für den normalen Schulunterricht gelten in der Fahrschule Corona-Verordnungen. Derzeit gilt sowohl für Fahrstunde als auch Theorieunterricht eine Maskenpflicht sowie die 3G-Regel. Hinzu kommt, dass nach jeder Fahrstunde das Auto gelüftet und Flächen wie Lenkrad, Schaltknüppel, Blinker, Handbremse - alles, was der Fahrer berührt - desinfiziert werden müssen.

Fahrstunden in der Wetterau: Coronabedingt nur ein Schüler im Auto

„Das läuft alles relativ reibungslos«, sagt Luckner. Desinfektionsmittel habe er immer im Auto, um vor Ort desinfizieren und anschließend lüften zu können. So könne man die Fahrschüler wieder zu Hause oder an einem Sammelpunkt abholen. Die Fahrschule Rösner deckt den Raum um Butzbach, Münzenberg, Gambach und Rockenberg ab. »Die Stunde immer an der Fahrschule zu beginnen, hat für den Einzelnen Probleme mitgebracht“, sagt Luckner.

Malte Obertrifter, Inhaber der gleichnamigen Fahrschule in Friedberg, sieht das ähnlich: „Wir lüften und desinfizieren nach jedem Fahrschüler. Trotzdem kann man sie von zu Hause abholen.“ Es mache keinen Unterschied, wo man lüftet oder desinfiziert. Ein Unterschied zurzeit vor Corona liegt darin, dass immer nur ein Fahrschüler im Auto sei. Sich gegenseitig nach Hause zu fahren ist nicht möglich.

So sei es auch bei der Fahrschule Dreier in Bad Nauheim, sagt Frank Dreier. »Doch in Ausnahmefällen sitzen auch mal drei Personen im Auto. Zum Beispiel ein zweiter Fahrlehrer, um eine Prüfungssituation zu simulieren.«

Corona: Wetterauer Fahrschule bietet Theorieunterricht im Kurssystem

Bei der Fahrschule Selim mit Standorten in Bad Vilbel und Karben fangen die Fahrstunden immer an der Fahrschule an und werden dort auch beendet. Während Luckner und Obertrifter versuchen, Theorie und Praxis miteinander zu verzahnen, bietet die Fahrschule Selim seit Pandemiebeginn ein anderes Konzept: „Sobald die Fahrschüler ihre Theorieprüfung bestanden haben, bieten wir ihnen zwei- bis dreimal die Woche Fahrstunden à 90 Minuten an“, sagt Inhaber Selim Varlioglu. So sei es möglich, dass die Fahrschüler rund einen Monat nach der ersten Fahrstunde ihren Führerschein bekämen. „Dafür sind wir auch ein bisschen teurer.“

Ein anderes Konzept gibt es in der Fahrschule Haas mit Standorten in Nidda und Gedern. „Seit knapp zwei Jahren bieten wir den Theorieunterricht nicht mehr zweimal die Woche an, sondern in einem Kurssystem“, sagt René Haas. So dauere der Unterricht keine sieben Wochen, sondern sieben Tage. Anstelle von zwei Lektionen pro Woche werden zwei pro Tag durchgenommen. „Dafür müssen sich die Fahrschüler anmelden. Somit sitzen immer dieselben Leute im Raum.“

Corona-Pandemie: Führerschein Theorieunterricht in der Wetterau in Präsenz und Online

Für die einzelnen Unterrichtsstunden anmelden müsse man sich auch bei der Fahrschule Dreier. Im Gegensatz zu den anderen befragten Fahrschulen bietet sie die Theorie nicht nur in Präsenz, sondern auch online an. Die Präsenzkurse seien jedoch schneller ausgebucht. „Ich denke, dass die meisten Fahrschüler Präsenz bevorzugen, da hat man auch mehr Möglichkeiten“, sagt Dreier. „Die 17- oder 18-Jährigen sind sehr fit und den Onlineunterricht aus der Schule gewohnt. Schwieriger ist es bei Kunden, die zum Beispiel keine geeignete Technik haben.“

Insgesamt laufe es trotz Corona relativ gut. „Es ist natürlich anstrengender, den ganzen Tag Maske zu tragen“, sagt Dreier. Keine der befragten Fahrschulen konnte einen Einbruch verzeichnen. „Im Gegenteil. Es ist die Hölle zu tun“, sagt Varlioglu. „Und wir finden keine Fahrlehrer.“ Doch da sind sich alle einig: Das sei auch vor Corona so gewesen.

Wetteraukreis: Führerscheinerwerb dauert zwischen drei und sechs Monaten

Bei der Mehrheit der befragten Fahrschulen dauert ein Führerschein zurzeit von der Anmeldung zur Prüfung zwischen drei und sechs Monate. Ein Grund dafür liege auch in einer langen Bearbeitungszeit durch die Ämter, sagt Obertrifter. „Die dauert im Schnitt zwei Monate.“ Haas berichtet, eine seiner Fahrschülerinnen habe bei der Führerscheinstelle Mitte Januar einen Termin für Mitte Februar bekommen. Den Antrag sollte man daher frühzeitig stellen.

Doch wie lange ein Fahrschüler für den Führerschein braucht, hängt von individuellen Faktoren ab. Manch einer braucht die Mindestanzahl an Fahrstunden, jemand anders länger. Der eine lernt die Theorie schneller, der andere langsamer. Doch auch in Corona-Zeiten kann man Fahrstunden nehmen und die Theorie lernen, wenn auch - wie bei fast allem - mit Maske, Test und Abstand. (smf)

Führerscheinerwerb im Wetteraukreis in Zahlen

Die Zahlen aus der Führerscheinstelle des Wetteraukreises bestätigen, was einzelne Fahrlehrer wahrgenommen haben: 2021 sind mehr Führerscheine beantragt und erteilt worden als in den Jahren davor:

2018: 4273 beantragt, davon 3061 (71,64 Prozent) erteilt

2019: 4121 beantragt, davon 3068 (74,45 Prozent) erteilt

2020: 3839 beantragt, davon 2862 (74,55 Prozent) erteilt

2021: 4418 beantragt, davon 3230 (73,11 Prozent) erteilt

Nicht alle, die den Führerschein beantragt, aber nicht erhalten haben, seien durch die Prüfungen gefallen, sagt Kreispressesprecher Michael Elsaß. »Es sind auch Anträge zurückgenommen worden - aus allen möglichen Gründen -, oder die Frist ist abgelaufen, oder der Antrag wurde beispielsweise in 2020 gestellt, und im Jahre 2021 wurde erst die Fahrerlaubnis erteilt.«

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