Exzellenter Entertainer

  • VonHarald Schuchardt
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Friedberg (har). Als Fernsehmoderator, Sportkommentator, Talkmaster und TV-Produzent ist Reinhold Beckmann einem breiten Publikum bestens bekannt. Mit der Veröffentlichung seiner ersten CD »Bei allem sowieso vielleicht« vor sieben Jahren überraschte er viele als exzellenter Singer-Songwriter.

Im Frühjahr dieses Jahres kam bereits Beckmanns dritte CD »Haltbar bis Ende« auf den Markt. Am Samstag war der 65-Jährige erstmals zu Gast im seit Langem ausverkauften Theater Altes Hallenbad. Begleitet wurde er vom exzellenten Hamburger Gitarristen Johannes Wennrich, mit dem er seit acht Jahren zusammenarbeitet.

»Das ist heute Abend der dritte Anlauf. Es hat endlich geklappt«, meinte Beckmann, der zunächst seinem Gitarristen erklärte, dass Elvis sicher mal im Hallenbad geschwommen sei. »Erst wenn Du hier im Alten Hallenbad gespielt hast, kannst du sagen, Du hast es geschafft«, witzelte Beckmann, bevor er mit »Das hab‹ ich alles schon probiert« seinen zweistündigen Auftritt eröffnete.

»Ich joggte dreimal um die Welt, dabei hab‹ ich mir ein Bein gestellt,« heißt es da. Das ist ein exzellentes Beispiel für die Songs, die der Musiker selbst schreibt und komponiert. Es sind überwiegend Alltagserlebnisse und persönliche Begegnungen, die er oft mit viel Humor beschreibt.

Dabei passen die lyrischen Texte immer zur Musik, die in erster Linie in Richtung Folk und Country geht aber auch schon mal von anderen Stilrichtungen, vom Schlager bis hin zum Jazz, beeinflusst wird.

Beckmann zelebriert seine Lieder, wozu auch Geschichten gehören, die er gerne erzählt. Dabei bezieht er die Besucher ein. So sucht er frisch verliebte Paare, findet aber nur eine Besucherin, die stolze 47 Jahre verheiratet ist. Dazu passt der Song »Der Lack ist ab« ebenso perfekt, wie sein »optimistisches Liebeslied« (Beckmann) »Ich bin der 5. Beatle.« In »Du bist wie die Schweiz« beschreibt er mit viel Augenzwinkern den Streit eines Paares, den er so ähnlich einmal bei einer Busfahrt erlebt hat. Beckmann entpuppt sich als exzellenter Entertainer, der Botschaften hat: So inspirierte ihn der Wirecard-Skandal zu dem Song »Einsame Spitze«, in dem er die eigentliche Einsamkeit von Spitzenmanagern thematisiert. Beckmann: »Da lösten sich 1,9 Milliarden in Luft auf, gepeppt von der Politik.«

Zum stillen, nachdenklichen Moment des Konzerts wurde das Lied »Vier Brüder«, welches er seiner Mutter gewidmet hat. Diese verlor im Zweiten Weltkrieg alle vier Brüder. »Willi, der jüngste, war erst 16 als er in einer Kiste zurückkehrte«, sagt Beckmann.

Zusammen mit seiner Mutter hat er den AfD-Fraktionsvorsitzenden Alexander Gauland nach dessen »Vogelschiss-Ausspruch« wegen Verunglimpfung von Verstorbenen angezeigt, jedoch wurde das Verfahren eingestellt. Beckmann: »Das Morden mit Worten hat längst schon begonnen. Es darf nie wieder Krieg und Faschismus geben.«

Langer Beifall war der Lohn für dieses engagierte Statement von Beckmann, der als Fan des in Europa kaum bekannten amerikanischen Singer-Songwriters John Prian zwei dessen Songs coverte. Aus »Summers‹ End« wurde bei Beckmann die ruhige Ballade »Komm nach Haus«. Immer wieder dürfen die Besucher mitmachen, auch bei seiner Jugenderinnerung an »Merle, Perle aus Braake.« »Wenn ihr nächstes Jahr weiter gebaut habt, kommen wir wieder«, versprach Beckmann, der dem Aha-Vorstand, Horst Weber für Licht und Ton und vor allem Michaela van Blericq von der Kultur-AG für die exzellente Betreuung dankte.

Mit dem gerade geschriebenen Song über seine Yoga-Lehrerin Julia und dem hitverdächtigen »Ich mach alles nur für Dich« hatten Beckmann und Wennrich noch zwei stimmungsvolle Zugaben im Gepäck.

Da entpuppten sich die aufgestandenen Besucher als stimmgewaltiger Chor, das dem Duo mit einem letzten langen Beifall für einen vergnüglichen Abend mit durchaus ernsten Momenten dankte.

Der Hamburger Gitarrist Johannes Wennrich begleitet Beckmann. FOTOS_ LOD
»Haltbar bis Ende« ist bereits Beckmanns drittes Album.

Rubriklistenbild: © Loni Schuchardt

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