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Schadstoffmobil des Wetteraukreises unterwegs

Die Experten wissen: Wandfarbe ist kein Schadstoff

  • vonPetra Ihm-Fahle
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Was steht denn da im Kellerregal? Waschbenzin? Und diese alten Grillanzünder: Wie wird man so was los? Antworten liefert das Schadstoffmobil des Abfallwirtschaftsbetriebs Wetterau (AWB).

Uwe Schmittberger schaut irritiert, denn der Parkplatz an der Bleiche in Bad Nauheim ist mit Pkw zugestellt. "Die Stadt hat ordnungsgemäß Parkverbots-Schilder aufgestellt", stellt der stellvertretende Leiter des Abfallwirtschaftsbetrieb Wetterau fest. An diesem Ort soll das Schadstoffmobil gleich eine Stunde lang gefährliche Abfälle entgegennehmen, weshalb Schmittberger die Ordnungspolizei ruft. Die kommt denn auch, begleitet das Rangieren des Lkw, der das Schadstoffmobil in einer Lücke zwischen den Falschparkern absetzt. Fachkraft Helmut Padberg und Chemiker Gero Weiland öffnen von innen ein Fenster des farbenfrohen Containers, die ersten Personen nahen mit ihren Abfällen.

Eine Frau ist unter ihnen, die gerade ihr altes Haus in Rosbach ausräumt, da sie nach Bad Nauheim zieht. "Ich habe überwiegend Farbreste, die im Keller standen", sagt sie. Auch Lacke hat sie dabei. Die nehmen ihr Padberg und Weiland ab, aber die Wandfarbe muss die Dame wieder mitnehmen. Sie soll sie eintrocknen lassen, indem sie Straßenkehricht oder Holzwolle beifügt. Sobald die Farbe trocken ist, könne sie sie in den Restmüll geben.

Ursula Vollmers muss ebenfalls den Keller ausräumen, da sie in eine neue Wohnung zieht. "Das sind alles Sachen, die zehn Jahre alt sind", sagt sie. Motoröl, Leinöl. "Wir wollen mal gucken, ob sie mir das abnehmen".

Martin Kmietsch wohnt gleich um die Ecke und sucht regelmäßig das Schadstoffmobil auf, wenn es an der Bleiche anlegt. Frittieröl, Spraydosen und Teppichreiniger hat er dabei. "Ich hebe solche Dinge in einem Eimer auf. Und jedes Mal bringe ich etwas zum Schadstoffmobil." Das Angebot findet er perfekt.

Ein Mann aus Bad Nauheim hat das Auto voll mit Dispersionsfarbe. "Schlecht, die nehmen wir nicht an", sagen ihm die Fachleute. Er erhält den gleichen Tipp wie die erste Anlieferin: Eintrocknen lassen, aus dem Eimer klopfen und in den Restmüll geben. Den Eimer soll er dann ohne Deckel in den gelben Sack geben.

Blaue Fässer mit gefährlicher Fracht

"Ich bin ein bisschen enttäuscht", sagt der Mann. Er sei auf dem Recyclinghof gewesen, um es abzugeben. Wie er dort aber erfahren habe, handle es sich um gefährliche Abfälle für das Schadstoffmobil. Es seien Altlasten aus seinem Haus, die nicht mal von ihm stammten. Schmittberger schaut sich die Mitbringsel noch mal genauer an, nimmt Lacke aus dem Korb. "Das geht ja alles um Kosten", sagt er. Die Kilogrammgebühr für Restmüll liege im mittleren zweistelligen Cent-Bereich. "Wenn wir das aufwendig bei ›Hessen Industriemüll‹ verbrennen lassen, kostet das Kilo drei bis vier Euro."

Zahlreiche blaue Fässer stehen im Schadstoffmobil, 60 und 120 Liter groß. "Hier sortieren wir die verschiedenen Schadstoffe. Wir trennen nach verschiedenen Abfallgruppen, damit ein gesicherter Transport stattfinden kann", erläutert Chemiker Weiland. Säuren würden von Laugen getrennt, festes Chlor von flüssigem. "Dann haben wir lösemittelhaltige Sachen, Tenside, normale Reiniger, Haushaltsreiniger und so was. Dann Ölfilter, Spraydosen, PU-Schäume, dann noch etwas giftigere Sache, beispielsweise Phosphit-haltige Pflanzenschutzmittel und so weiter."

25 Bürger kommen während der Stunde an der Bleiche, Brigitte Wiechmann aus Bad Nauheim ist die letzte. "Ich habe zuviel gekauft und denke, dass ich es jetzt alles entsorge", gesteht sie. Lacke, Insektenspray und Kalk hat sie dabei. Das Angebot des AWB findet sie gut. Sie wohnt in einem alten Fachwerkhaus, in dem immer wieder etwas gemacht werden muss. Alles wird auch sie nicht los, Insektenspray und Lacke aber schon.

Gute Sammelergebnisse

Der Abfallwirtschaftsbetrieb des Wetteraukreises (AWB) führt die Sammlungen gefährlicher Abfälle im gesamten Kreisgebiet durch. Mittlerweile sind die abgegebenen Mengen laut dem stellvertretenden Betriebsleiter Uwe Schmittberger kleiner, dafür gebe es mehr Anlieferungen. Schmittberger nennt Beispiele: "Alles, was man täglich im Haushalt nutzt, nehmen wir an. Dazu gehören Reinigungsmittel und Kosmetika etwa. Die sind lösemittelhaltig, sie enthalten Alkohol." Parfüm beispielsweise sei ein typisches Produkt, das abgegeben wird, etwa, wenn die Oma stirbt und noch volle Flakons dastehen. Leere Spraydosen könnten in den gelben Sack. "Volle Spraydosen dagegen gehören in das Spektrum gefährlicher Abfälle." Eine Abfallgruppe, die immer noch gebracht, aber nicht mehr angenommen werde, seien Dispersionsfarben. "Diese Farben können, wenn sie etwas eingedickt sind, durch Straßenkehricht, Holzwolle oder was auch immer, in die Restmülltonne gegeben werden." Was das Schadstoffmobil alles annimmt, kann auf der Homepage www.awb-wetterau.de/gefährliche-abfälle.html eingesehen werden. Unter dem Stichwort "Schadstoffmobil" finden sich auch die Termine.

Wetteraukreis(pdw) Die Zahl der nachgewiesenen Fälle von Corona-Infektionen im Wet- teraukreis lagt am gestrigen Donnerstag bei 589, acht mehr als am Vortag. Die Neuinfektionen wurden aus Friedberg (1), Gedern (2), Nidda (4) und Ortenberg (1) gemeldet. Die Zahl der aus der Quarantäne entlassenen Menschen liegt bei 524 (plus 6). Die Genesenen kommen aus Bad Nauheim (1), Bad Vilbel (1), Büdingen (1), Gedern (1), Karben (1) und Nidda (1).

In stationärer Behandlung aufgrund der Corona-Infektion befinden sich aktuell zwei Menschen (5), ein Patient wird intensivmedizinisch betreut. Bislang sind mit der Corona-Infektion 13 Menschen im Wetteraukreis gestorben.

Kita in Bleichenbach wird geschlossen

Aktuell gibt es im Wetteraukreis 52 mit Corona infizierte Menschen. Sie befinden sich alle in häuslicher oder klinischer Quarantäne, zu allen hält das Gesundheitsamt engen Kontakt.

Mehrere Personen in der Kita ›Puzzle‹ im Ortenberger Stadtteil Bleichenbach sind am Montag positiv auf das Virus getestet worden. Da die Kontaktpersonennachverfolgung durch das Gesundheitsamt keine Unterdifferenzierung der Kontaktpersonen innerhalb der Einrichtung ergeben hat, wird die Kita in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt bis zum 7. Oktober geschlossen. Kinder und Personal gehen bis dahin in Quarantäne.

Da der Kita-Betrieb im ansteckungsfähigen Zeitraum der Indexpersonen stattgefunden hat, wird das Gesundheitsamt heute alle relevanten Kontaktpersonen innerhalb der Einrichtung vorsorglich abstreichen und auf das SARS-CoV-2-Virus testen."

In den letzten sieben Tagen stieg die Zahl der Infizierten im Wetteraukreis mit seinen 308 000 Einwohnerinnen und Einwohnern um 31. Die Zahl der Neuinfizierten pro 100 000 Einwohner (Inzidenz) liegt im Kreis aktuell bei zehn. FOTO: PRW

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