Kurz, aber beeindruckend: So sehen die meisten Stücke aus, die das Geschwisterpaar Marie-Luise und Christoph Dingler im Alten Hallenbad spielt. FOTO: GERHARD KOLLMER
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Kurz, aber beeindruckend: So sehen die meisten Stücke aus, die das Geschwisterpaar Marie-Luise und Christoph Dingler im Alten Hallenbad spielt. FOTO: GERHARD KOLLMER

Exotische Violinenklänge

  • vonGerhard Kollmer
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Friedberg(gk). Der Hörgenuss war kurz, aber dafür umso intensiver: Bereits nach einer Stunde kündigten "The Twiolins" - das seit frühen Jugendjahren auf der Bühne stehende Geschwisterpaar Marie-Luise und Christoph Dingler aus Ilvesheim bei Mannheim - das Ende ihres mit viel Applaus bedachten Violinkonzerts im großen Saal des Theaters Altes Hallenbad an. Die noch folgenden drei Zugaben minderten ein wenig die Enttäuschung des Publikums ob der Kürze des Hauptprogramms.

"Progressive Classical Music": So nennen die "Twiolins" die von ihnen bevorzugte und mit aus der Taufe gehobene Stilrichtung - ein kühner, kontrastreicher Mix aus Klassik, Minimal Music, Pop, Folk, Rock ohne "Berührungsängste". Jedes dritte Jahr treten sie mit einem völlig neuen Crossover-Programm auf, das - sehr ungewöhnlich - aus jeweils fünfminütigen, von ihnen im Rahmen eines Wettbewerbs in Auftrag gegebenen Kompositionen besteht. Im Lauf der letzten zehn Jahre sind, so Marie-Luise Dingler, auf diese Weise über 900 Werke für zwei Violinen entstanden.

Ungewohnte Tonarten

Das aktuelle Programm, mit dem die "Twiolins" am Samstagabend im Alten Hallenbad beeindruckten, trägt den Titel "Secret Places". Die beiden Geigenvirtuosen laden die Hörer auf eine Weltreise durch zahlreiche Länder und Landschaften ein - von den polnischen Karpaten bis an den indischen Ganges. Der besondere Reiz ihres Spiels besteht in der lautmalerischen "Anverwandlung" an fremde Musikwelten. So greifen sie auf der "Mahanada" genannten Exkursion ins ferne Indien auf die zahlreichen "Ragas", dem europäischen Ohr völlig fremde Tonarten zurück. "Durch Laub und Wolken": Diese Klangimpression beschwört eindrucksvoll eine heimatliche Gebirgslandschaft im Herbst.

Plötzliche Stimmungswechsel, verschiedenste Rhythmen, Tonlagen - Kadenzen, Glissandi, Doppelgriffe, Pizzicati - werden auf höchstem technischen Niveau präsentiert. Auf viel Beifall stießen auch die originellen Impressionen "Ich glaub, es gibt Regen" und "Leben und Sterben einer Fliege". Beide Werke glänzen - als Highlights des Abends - durch technische Brillanz und lautmalerische Vergegenwärtigung der uns umgebenden natürlichen Lebenswelt.

Am Ende des offiziellen Programms stand die Invention mit dem seltsamen Titel "Schillers Nachtritt" - eine Hommage an den großen Lyriker und Dramatiker deutscher Zunge. Nach wiederholten "Zugabe"-Rufen begeisterten die "Twiolins" vor allem mit der perfekten Darbietung eines häufig gehörten Ohrwurms - dem grandiosen "Sommergewitter" aus Antonio Vivaldis berühmten "Quattro Stagioni".

Kompositionen mit nur etwa fünfminütiger Dauer können aber auch im besten Fall nicht mehr sein als musikalische Momentaufnahmen. Die meisten der im Alten Hallenbad präsentierten Werke hätten bei längerer Spieldauer - und seien es nur wenige Minuten - bestimmt mehr Wirkung entfalten können.

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