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Ex-Leiter sorgt sich um Jugendamt

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Erhebt schwere Vorwürfe gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber: SPD-Vorstand Wolfgang Dittrich.
Erhebt schwere Vorwürfe gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber: SPD-Vorstand Wolfgang Dittrich. © pv

Wetteraukreis (hed). Zwei Jahre lang hat sich Wolfgang Dittrich im Kreishaus um Sorgerechtsfälle, die Belange von Scheidungskindern oder um von heimischer Gewalt bedrohte Kinder gekümmert. Nun erhebt er schwere Vorwürfe gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber.

Der ehemalige Leiter der Fachstelle Allgemeiner Sozialer Dienst (ASD), der mittlerweile bei der Evangelischen Kirche beschäftigt ist, sagt, es gebe zu viele Fälle für zu wenige Mitarbeiter und ständige Personalwechsel. Auch die Haltung von Sozialdezernent Helmut Betschel-Pflügel (Grüne) ist dem SPD-Politiker ein Dorn im Auge.

»Bei manchen Dingen sollte man nicht sparen«, sagt Dittrich. Die Sozialarbeit mit Kindern und Jugendlichen zählt er hierzu. Der radikale Sparkurs des Kreises habe die Jugendhilfe auf einen falschen Kurs gebracht. Es sei ein Fehler gewesen, die ASD-Außenstellen in Nidda und Butzbach aufzugeben. »Jetzt muss unbedingt die Außenstelle in Bad Vilbel erhalten bleiben«, fordert Dittrich. Denn Nähe zu den Hilfesuchenden und ausreichende Beratungszeit seien für eine erfolgreiche (und damit kostenmindernde) Sozialarbeit nötig. Die Rahmenbedingungen in der Behörde seien in dieser Hinsicht sehr schlecht, die Zielsetzungen unrealistisch, es fehle an entsprechendem Personal. Die Sozialarbeiter hätten kaum noch Zeit, sich vor Ort bekannt und vertraut zu machen, die Vernetzung mit Schule, Kitas und sozialen Anbietern leide.

Erfahrene Kräfte hätten keine Lust mehr auf diese Arbeitsbedingungen gehabt und seien gegangen. Derzeit sei es so, dass neue Anfragen von Hilfesuchenden oft nur als weitere Belastung des Etats empfunden würden. »Die zu enge Haushaltsplanung provoziert überplanmäßige Ausgaben, die dann den Mitarbeitern angelastet werden.« Das alles führe zu einer »Kultur der Abwehrhaltung gegenüber Hilfebedürftigen«, glaubt der Ilbenstädter.

Mitarbeiter freiwillig gegangen

Dafür sei in erster Linie Sozialdezernent Betschel-Pflügel verantwortlich. Er habe es unterlassen, sich gegenüber dem Kämmerer, Landrat Joachim Arnold (SPD), für eine qualitativ hochwertige Jugendhilfe stark zu machen. »Er ist als Korrektiv ein Ausfall«, befindet Dittrich. Die Mitglieder der Jugend- und Sozialhilfekommission des Kreises hätten ihn daher bereits als Vorsitzenden infrage gestellt. Dittrich fordert, die deutschlandweit steigenden Jugendhilfekosten »ordentlich zu berücksichtigen«.

»Der Wetteraukreis ist keine Insel der Glückseeligen.« Die Fälle würden von Jahr zu Jahr schwieriger, immer mehr Eltern seien überfordert.

Betschel-Pflügel weist Dittrichs Vorwürfe, der Kreis schiele mehr auf Haushaltszahlen statt wirksam sozialpolitisch zu helfen, scharf zurück. Als ausgewiesener Sozialpolitiker sollte Dittrich wissen, dass es »keine finanzielle Erwägungen« waren, weshalb seine Vorgänger die Außenstellen Nidda und Butzbach schließen ließen. Wegen der Hartz-IV-Gesetzgebung, die viele Bereiche der Sozialhilfe auf die Jobcentern übertrug, hätten die Außenstellen einen Großteil ihrer Aufgaben verloren. Mit einer Umstrukturierung im Fachbereich Jugend und Soziales wolle man Doppelarbeit verhindern und schnelles Eingreifen besser möglich machen. »Wir werden hierfür auch mehr Personal bereitstellen«, sagt Betschel-Pflügel. Die Suche nach qualifiziertem Personal im sozialen Bereich gestalte sich derzeit aber schwierig. Man stelle verstärkt Sozialarbeiter im Anerkennungsjahr ein. Ein »Weiter so – aber mit mehr Personal« sei keine Lösung.

»Wer jetzt über Einschnitte im Sozialsystem klagt, muss sich vergegenwärtigen, dass wir bis dato diese Leistungen über kurzfristige Kredite finanzieren mussten.« Das widerspreche der Generationengerechtigkeit.

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