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Die Fassade des Kaufhauses Joh: Hier sollen Wohnungen entstehen.

Friedberger Innenstadt

Ex-Kaufhaus Joh: Große Einschnitte geplant

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Die künftige Nutzung des ehemaligen Kaufhauses Joh in Friedberg wird konkreter. Architekt Matthias Kölsch hat die aktuelle Planung im Ausschuss vorgestellt.

Wilde Gerüchte gehen durch die Stadt. Der Joh-Investor wolle gar nicht bauen, sondern verkaufen und Kohle machen. Millionen-Summen werden genannt, hinter mehr oder weniger vorgehaltener Hand. Aber ohne Quellenangabe. "Ich will Ihnen zeigen: Da passiert was", sagte Architekt Matthias Kölsch, als er dem Ausschuss für Stadtentwicklung vergangene Woche die fertige Planung des Gebäudes präsentierte. Mit verblüffender Wirkung.

Natürlich gibt es Zweifel und Vorbehalte auch in den Reihen der Stadtverordneten. Zu lange schon steht das Kaufhaus Joh leer. Immer wieder hört man, es gehe bald los. Dann verzögert sich das Ganze doch wieder, und der Investor beantragt - wie zuletzt - eine Änderung des Bebauungsplans. Da kann man schon mal ungeduldig werden. Aber: "An einer Investitionsruine hat keiner Interesse", sagte Ausschussvorsitzender Patrick Stoll (CDU). Die SPD hatte vorgeschlagen, Kölsch als ausführenden Architekten des Investors 3 V Invest aus Grünwald bei München in den Ausschuss einzuladen. Wie soll die Wohnbebauung aussehen, wie verändert sich das Gebäude durch die neuen Pläne? Wie Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU) klarstellte, handelt es sich bei der Bebauungsplanänderung um zusätzliche Optionen. Die Einrichtung eines Dachcafés ist also nach wie vor möglich - aber unwahrscheinlich. Genauso könnten einige der Wohnungen für Hotel-Zwecke genutzt werden.

Im Keller wird eine Tiefgarage eingerichtet. Das Kellergeschoss war ursprünglich hierfür vorgesehen, während der Kaufhauszeiten war hier ein Lebensmittelmarkt. Der könnte - dieser Wunsch vieler älterer Friedberger wurde im Ausschuss mehrfach genannt - ins Erdgeschoss einziehen. Dort wie auch im ersten Obergeschoss sind Einzelhandel und Büros vorgesehen. Die zweieinhalb Stockwerke darüber würden für Wohnzwecke genutzt, zeigte Kölsch anhand von Plänen, Zeichnungen und 3 D-Animationen.

Weiße Fassade Richtung Elvis-Platz

Die Schwierigkeit bei der Planung seien die Lichtverhältnisse gewesen, sagte Kölsch. Das Kaufhaus ist ein riesiger Klotz, für Wohnzwecke müssen von hinten zwei große Lichthöfe ins Gebäude geschnitten werden. Die Animationen stießen bei vielen Ausschussmitgliedern auf Zustimmung: Viel Licht, viel Luft, viele Balkons, ein fast futuristisch anmutender Wohnkomplex, der nach vorne, zum Elvis-Presley-Platz, eine neue Fassade erhält. Weiß soll sie werden, nicht so düster wie die derzeitige.

Auf dem Dach entstehen zwei Penthouse-Wohnungen. Auch in der Schnurgasse entstehen Wohnungen, allerdings nur in einem Gebäude; bislang waren dort zwei Baukörper vorgesehen. "Das Ziel sind schöne Wohnungen. Und schön ist ein bisschen teuer", sagte Kölsch. Ob Miet- oder Eigentumswohnungen entstehen, konnte er noch nicht sagen. Einziehen dürfte aber eher der Banker aus Frankfurt, der mit der Familie gerne aufs Land zieht und bislang in Bad Nauheim fündig geworden ist. Die schicke Stadtwohnung gibt’s künftig auch in Friedberg.

Wohnungen auch nach vorne

Der Magistrat hatte sich dafür ausgesprochen, nur Wohnungen im hinteren Bereich zu genehmigen, nicht im vorderen. Man befürchtet Lärmklagen der späteren Bewohner bei Musikveranstaltungen auf dem Elvis-Presley-Platz. "Ich habe da keine Bedenken", sagte Stadtverordneter Dieter Olthoff (CDU). "Wir wollen Wohnungen in der Innenstadt und erlauben sie hier nicht? Das kann nicht sein." Evelyn Weiß (SPD) stimmte ihm zu: "Wer da hinzieht, weiß, dass der Elvis-Presley-Platz vor der Tür liegt. Junge Leute wollen solche Wohnungen."

Kölsch bekräftigte, dass bei den nach vorne gehenden Wohnungen Schallschutzfenster eingebaut würden. Sorgen bereitet ihm das keine. Laut Bürgermeister Antkowiak will die Stadtverwaltung bei der nächsten Feier auf dem Elvis-Presley-Platz ein Lärmgutachten erstellen lassen. Einstimmig sprach sich der Ausschuss für Stadtentwicklung dafür aus, auch im vorderen Teil des Gebäudes ab dem 2. Obergeschoss Wohnungen zuzulassen. FDP und Linke haben weiterhin Bedenken gegen das Projekt. Bei zwei Enthaltungen stimmte der Ausschuss für die Änderung des Bebauungsplans.

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