Ex-Freundin belastet Angeklagten

  • vonConstantin Hoppe
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Friedberg(con). Am Dienstag konnte vor der 1. Großen Jugendkammer des Landgerichts Gießen die Beweisaufnahme im Prozess um mutmaßliche Vergewaltigungen einer heute 21-Jährigen in Friedberg beendet werden: Ihrem 23 Jahre alten Ex-Freund wirft sie mehrere sexuelle Übergriffe zwischen 2015 und 2016 vor, darunter auch zwei Fälle von Vergewaltigung.

Zum Schluss der Beweisaufnahme wurden noch einmal Zeugen gehört: Sowohl die Eltern der 21-jährigen Nebenklägerin als auch eine weitere Ex-Freundin des Angeklagten wurden zu den Vorwürfen befragt.

Von den Vorfällen erfuhren die Eltern der jungen Frau erst deutlich nach Ende der Beziehung - ihre Mutter zog sie kurz nach Ende der Beziehung ins Vertrauen, ihr Vater erfuhr nach eigenen Angaben erst Jahre später durch seine Frau davon. Daneben wurde aber auch eine weitere, heute 23-jährige Ex-Partnerin des Angeklagten angehört: Auch sie berichtete von Übergriffen gegen sie während ihrer einmonatigen Beziehung 2012. Deshalb habe sie der 21-Jährigen auch sofort geglaubt, als diese ihr von den sexuellen Übergriffen berichtet habe: "Ich kenne ihn, und es macht keinen Sinn sich dagegen zu wehren, wenn er etwas will - das musste ich selbst erfahren", berichtete die 23-Jährige. Genauer auf die Vorfälle eingehen wollte sie aber nicht: "Ich weiß nicht, ob ich darüber sprechen kann."

Jugendgerichtshilfe rät von Haft ab

Neben den letzten Zeugenaussagen kamen auch die Vorstrafen des Angeklagten zur Sprache: Insgesamt fünf Eintragungen wegen Betrugs, der Erschleichung von Dienstleistung und Diebstahls liegen gegen den 23-Jährigen vor. Die Bewährungszeit der jüngsten Verurteilung läuft derzeit noch. Auch wenn er damit bereits umfangreich strafrechtlich in Erscheinung getreten ist, sieht die Jugendgerichtshilfe derzeit eine positive Sozialprognose: Mittlerweile habe der 21-Jährige einen Sohn, für den er sich das Sorgerecht mit der Kindsmutter teile, er lebe in einer festen Partnerschaft und habe eine feste Arbeitsstelle. "Sein Entwicklungsstand zur Zeit der Vorwürfe kann schwer nachverfolgt werden - sie liegt einfach zu lange zurück. Aber es liegen Hinweise auf Reifeentwicklungsstörungen vor", berichtete die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe vor Gericht. Daher werde im Falle einer Verurteilung eine Inhaftierung des Angeklagten als nicht zielführend angesehen.

Ein von Verteidiger Dr. Christoph Kolb bereits während des jüngsten Sitzungstermins gestellter Beweisantrag über ein Glaubwürdigkeitsgutachten der Nebenklägerin fand jedoch keine Zustimmung: "Die Beurteilung der Glaubwürdigkeit der Zeugen ist grundsätzlich Sache des Gerichts", erklärte der Vorsitzende Richter Andreas Wellenkötter. "Auch hatte die Nebenklägerin damals keine psychischen Probleme, die eventuell die Hinzuziehung eines Gutachters nötig machen würden." Der Prozess wird fortgesetzt.

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