Zum Glück gibt es Internet, Skype und Laptops. So können Autor Andreas Arnold…
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Zum Glück gibt es Internet, Skype und Laptops. So können Autor Andreas Arnold…

Ein etwas anderer Girls’ Day

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Friedberg (aaf). Was macht ein Autor den ganzen Tag und wie entstehen aus den Ideen Geschichten und anschließend Bücher? Das und mehr wollte Zoé Drescher hautnah erleben: Beim Girls’ Day wollte sie Autor Andreas Arnold länger begleiten, sich außerdem eine Buchhandlung und eine Druckerei ansehen. Nur hautnah ging wegen Corona nicht mehr - aber online. Ein etwas anderer Girls’ Day.

Die zwölfjährige Zoé Drescher liebt es zu schreiben. Einfach den Kopfhörer auf, und schon fließen die Geschichten. Für letzten Donnerstag war eigentlich der diesjährige Girls’ Day terminiert, der einmal im Jahr Mädchen und Frauen motivieren soll, noch männerdominierte Berufe zu ergreifen.

Als der diesjährige Aktionstag in ihrer Schule angekündigt wurde, war für die Sechstklässlerin klar, dass sie diesen Tag zusammen mit einer Autorin oder einem Autoren verbringen möchte.

Machos im Literaturbetrieb

Noch im Jahr 1995 waren nur 36 Prozent der in der entsprechenden Sparte in der Künstlersozialkasse Versicherten Frauen. 20 Jahre später lag der Anteil bei 52 Prozent, ist in der Arbeit »Frauen in Kultur und Medien« des Deutschen Kulturrats aus dem Jahr 2016 zu lesen. Also ist die Schriftstellerei gar kein Männerberuf? Nur ein Jahr nach dem Erscheinen liest man in Nina Georges Artikel »Macho Literaturbetrieb«, dass der Fokus der Rezensionsmedien, Feuilletons und Literaturpreisjurys diesen Anteil offenbar nicht ansatzweise abbildet. Eines von vielen ihrer Beispiele: Am 1. November des Vorjahres wurden »Elf Bücher, die du bis zu deinem 30. Geburtstag gelesen haben solltest« in der »Welt« präsentiert; alle von männlichen Autoren.

Zudem erhielten Männer im Schnitt fünfmal häufiger Literaturpreise. Zeit, daran etwas zu ändern, dachte sich Zoé. Sie erinnerte sich an eine Lesung des Friedberger Fantasyautoren Andreas Arnold in der Wetterauhalle in Wölfersheim. Im Januar nahm ihre Mutter Carmen dann Kontakt auf. Arnold, der unter anderem für die Kinderbücher um den Drachen »Fionrir« bekannt ist, nahm die Idee sofort begeistert auf.

Die nächsten Wochen waren von Planungsarbeit bestimmt. Der Autor und der Nachwuchs wollten sich morgens treffen. Eine Einführung in das strukturierte Schreiben war als Beginn von Zoés Girls’ Day geplant. Im Anschluss sollte ein Besuch der Wetterauer Druckerei in Fauerbach folgen, wo Zoé Schritt für Schritt von Inhaber Andreas Kugland gezeigt werden sollte, wie ein Taschenbuch hergestellt wird. Danach hätten die beiden Autorenkollegen den Grundstein für Zoés eigenes Buch legen wollen.

Zuletzt war auch ein Besuch bei Frederike Herrmann geplant, die am Beispiel der Buchhandlung Bindernagel vermitteln wollte, wie ein Buch zum Leser kommt und auf was eine Buchhändlerin bei der Buchauswahl achtet. Dann kam das Coronavirus und mit ihm fiel der Girls’ Day für die meisten Mädchen aus. Warum nicht online, dachte sich Arnold und bot einen digitalen Schnuppertag an. Beide trafen sich per Videochat.

Über den Laptop ihrer Mutter konnte Zoé erfragen, aus welcher Motivation heraus Arnold Schriftsteller wurde und wie er ans Schreiben herangehe. Arnold zeigte aus der Ferne, wie man eine Tabelle gestalten kann, um Figuren, Orte und wieder aufzugreifende Punkte der Kapitel nicht aus den Augen zu verlieren. Er vermittelte den Weg von der Ideenfindung, über die Strukturierung dessen und den Beginn des Schreibens bis hin zum Lektorat, während die Schülerin aufmerksam zuhörte, mitschrieb und Zwischenfragen stellte. Er zeigte auf, welche die Vor- und Nachteile des Selbstverlegens und der Abgabe an einen Verlag sind und gab Tipps, über welche Plattformen die Veröffentlichung des eigenen Werkes besonders einfach gehe. Eineinhalb Stunden dauerte der kleine persönliche Schreibworkshop. In einigen Tagen wolle man erneut videochatten, um das Vermittelte zu vertiefen. Und natürlich sind auch die anderen Programmpunkte nicht aufgehoben, nur aufgeschoben.

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