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Einen wahren Hörgenuss bieten Katarzyna Mycka an der Marimba und Gitarrist Klaus Kusserow.

Eskimo-Gesänge und Marimba-Klänge

  • VonGerhard Kollmer
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Friedberg (gk). Es ist ein wahrhaft beeindruckendes Instrument: die große Konzertmarimba. Sie besitzt einen bis zu fünfeinhalb Oktaven großen Tonumfang, und die sechzig Holzklangstäbe verleihen ihr, deren Wurzeln in Afrika liegen, einen dunklen, vollen Klang. Spieler bzw. Spielerin können mit zwei bis drei Holzschlegeln in jeder Hand bis zu sechs Töne gleichzeitig zum Klingen bringen.

Wer das enorme Klangspektrum einer Konzertmarimba als Interpretin virtuos ausschöpfen will, muss vor allem über eine perfekte Anschlagtechnik und hochentwickeltes Rhythmusgefühl verfügen. Beides trifft für Katarzyna Mycka zu. Sie gehört zu den Meistern/innen ihres Instruments, ist mit zahlreichen renommierten Orchestern aufgetreten und hat diverse Wettbewerbe gewonnen. Seit vielen Jahren ist sie zudem im Bereich der Nachwuchsförderung aktiv.

Am Sonntagabend ließ die bereits mehrmals in Friedberg aufgetretene Künstlerin das Finale der Sommerkonzerte zu einem lange nachwirkenden Erlebnis werden und wurde ihrem Ruf als eine der weltbesten Marimba-Spielerinnen einmal mehr gerecht.

Mit traumwandlerischer Sicherheit fegte sie in oft schwindelerregendem Tempo über die Klangstäbe. Abgesehen vom Hörgenuss war es eine Lust, ihr beim Spiel zuzuschauen - zum Beispiel bei der virtuosen Darbietung von Manuel de Fallas populärer »primera danza espanola«. Deren Mittelteil »con fuoco« mit seinem stampfenden Flamencorhythmus war nur eines von etlichen Highlights des Abends.

Besonderer Reiz: Töne vom Tonband

Assistiert wurde sie nach der Pause vom Gitarristen Klaus Kusserow, der sowohl im Bereich der barocken wie der modernen Tradition heimisch ist. In der Stadtkirche war er auch für die Tontechnik zuständig. Denn Mycka beließ es nicht bei der Darbietung von Bearbeitungen klassischer Musikwerke wie Johann Sebastian Bachs Präludium Fis-Dur, BWV 858.

Was diesem Abend seine ganz eigene Note verlieh, war die Präsentation von Werken für Marimba und digital audio. Diese ungewohnte Kombination von Tonbandaufnahme und lebendigem Spiel mochte auf das Auditorium zunächst durchaus befremdend gewirkt haben, gewann aber von Minute zu Minute zunehmend an Reiz.

Der 1953 geborene griechische Tonsetzer Christos Hatzis lebt seit 1982 in Kanada. Er entwickelte eine eigene Tonsprache für seine Kompositionen, die oft auf regionale Volksliedtraditionen zurückgreifen.

Katarzyna Mycka hatte zwei Werke dieses Cross-Over-Komponisten auf dem Programm: seine »Fertility Rites« (rituelle Fruchtbarkeitsgesänge der Eskimo) und ein auf dem Rapsong »In the fire of conflict« basierendes Stück.

Die vom Band eingespielten harten Kehlkopfgesänge der Eskimo und die ätherischen Klänge der Marimba gingen im zweiten Akt eine faszinierend-suggestive Verbindung ein. Ähnliches gilt für Hatzis‹ »In the fire of Conflict«. Der brutal zerstückelte düstere Text vom Band steigerte die Intensität der Marimbaklänge.

Nach der Pause brillierte der Gitarrist Klaus Kusserow vor allem mit seiner Interpretation von »Lafave« (Anagramm von Favela) des chilenischen Komponisten Rodrigo Guzman. Es war die Uraufführung eines Werks, das das Leben in den Elendsvierteln der brasilianischen Millionenstädte klangmalerisch evoziert. Auch Kusserows Vortrag von zwei eigenen Werken - vor allem seine »Hommage à Salvador Dali« - stieß auf viel Beifall. Die Künstler verabschiedeten sich mit einer Zugabe nach begeistertem Schlussapplaus.

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