Christina Claussen (l.) und Manuela Schmid sind sich einig: "Wir geben Signale von den Fuß- bis zu den Haarspitzen, ohne etwas zu sagen." FOTO: HMS
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Christina Claussen (l.) und Manuela Schmid sind sich einig: "Wir geben Signale von den Fuß- bis zu den Haarspitzen, ohne etwas zu sagen." 

Arbeiten im Homeoffice

Der erste Eindruck zählt: Zwei Wetterauer Experten verraten, wie es auch von zu Hause klappt

  • vonHanna von Prosch
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Im Schlabberlook an den Rechner? Nicht wenn es nach Modedesignerin Christina Claussen aus Karben und Persönlichkeitscoach Manuela Schmid aus Friedberg geht. Die beiden erklären, wie Kleidung und Ausstrahlung den Erfolg beeinflussen.

Oben "hui, unten pfui" - beim Homeoffice kann das schnell passieren. Man verlässt nicht das Haus und könnte theoretisch im Schlafanzug, ungekämmt und unrasiert arbeiten. "Kleider machen Leute", heißt es. Warum das so ist, damit haben sich die Mode- designerin Christina Claussen aus Karben und Manuela Schmid, Coach für Persönlichkeit, aus Friedberg beschäftigt. Sie fanden sich im Unternehmerinnen-Netzwerk und gründeten das "1:2 Coaching". Sie erklären auch, was nonverbale Kommunikation mit Erfolg zu tun hat.

Mit Mundschutz und Abstand lässt sich in Corona-Zeiten hervorragend kommunizieren. Man sieht zwar das Lächeln nicht und redet auch nicht so viel, aber durch die nonverbale Kommunikation hat man sich bereits eindeutig präsentiert. Manuela Schmid definiert das so: "Wir geben Signale von den Fuß- bis zu den Haarspitzen, ohne etwas zu sagen." Kommt jemand gepflegt, sympathisch, selbstbewusst, respektvoll daher oder eher nachlässig, mürrisch, hochmütig oder geduckt? In Sekundenschnelle werden Menschen in vorhandene Schubladen gesteckt. Man sagt: Der erste Eindruck zählt - und das nicht nur beim Vorstellungs- oder Verkaufsgespräch. Wer nicht authentisch ist, wird schnell entlarvt.

Wetterauer Designerin rät: Kleidung sollte vielseitig kombinierbar sein

"1:2 Coaching" nehmen Firmen und Einzelpersonen in Anspruch. Gerade Unternehmerinnen und viel reisende Führungskräfte bleiben, mangels Zeit, bei der Auswahl ihrer Garderobe und der Accessoires oft unter dem, was sie darstellen könnten.

Claussen achtet darauf, dass ihre Modelle alltagstauglich, jobperfekt und ausgehfein sind, also vielseitig kombinierbar und pflegeleicht. "Ehrliche Meinungen sind leider selten, aber es ist wichtig, sich selbst zu reflektieren", sagt sie.

Vieles in der nonverbalen Kommunikation gehe neben Blick, Geruch, Gestik, Abstand und Statussymbolen über die Kleidung. "Das Outfit muss typgerecht sein: Farbe, Länge, Form, Schnitt, Stoff sollen zum Menschen passen. Man muss sich darin wohlfühlen und wiederfinden."

Wer auf Qualität achtet, unterstreicht schon rein optisch seinen eigenen Wert. Außerdem können grobe Stoffe oder schlecht sitzende Röcke empfindliche Menschen den ganzen Tag irritieren. "Das kann für den Erfolg fatal sein", meint Schmid und macht gleichzeitig Mut, sich auch etwas zu erlauben: "Warum soll ich nicht eine rote Jacke oder einen rosa Rock tragen, wenn ich doch die Persönlichkeit dazu habe? Was mir Kräfte verleiht, stärkt mein Selbstwertgefühl."

Arbeiten im Homeoffice: Professionalität auch zu Hause

So sehen es die beiden Expertinnen auch beim Homeoffice. Noch gebe es eine Schonfrist, was das Auftreten betrifft, aber sobald Homeoffice selbstverständlich werde, müsse auch dort Professionalität einziehen. "Stellen Sie sich vor, man hat zur Online-Konferenz oben eine flotte Jacke, unten aber die Schlabberhose an und muss wider Erwarten aufstehen", gibt Claussen zu bedenken.

"Wichtig ist, dass wir Privates und Berufliches strikt trennen, uns also morgens wie gewohnt stylen und uns abends wieder umziehen", rät Schmid.

Nachgewiesen ist tatsächlich, dass man sich über die Kleidung selbst stimulieren und seine persönliche Haltung gegenüber dem was man tut und demjenigen, dem man begegnet, verändern kann. Dazu soll man in sich hineinhorchen, in welcher Stimmung man ist, um dies oder jenes anzuziehen. Wenn man schlecht aufgestanden sei, sagt sie, könne man sich mit der knalligen Hose durchaus selbst pushen und eine Powerpose einnehmen. Embodiment nennt man das. Also: Selbstbewusst gestylt ins Homeoffice - denn die Maske gehört nur vor den Mund.

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