Birgit Lenthe (l.) und Mitarbeiterin Manu Neunert haben Spaß beim Binden von Blumensträußen.
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Birgit Lenthe (l.) und Mitarbeiterin Manu Neunert haben Spaß beim Binden von Blumensträußen.

Erleichterung nach dem Hin und Her

  • vonHarald Schuchardt
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Friedberg (har). Kaum ein Geschäft auf der Kaiserstraße hat noch geöffnet. Zu den wenigen, denen es gestattet ist, ihre Waren zu verkaufen, gehören das Blumenhaus Koch und die Blumen-Galerie Lenthe. Allerdings hatten beide Geschäfte Ende vorletzter Woche schon zu. »Wir haben, wie alle anderen Geschäfte auch, bereits am 18. März zugemacht«, sagt Birgit Lenthe, Inhaberin der Blumen-Galerie. Zwei Tage später kam dann die Mitteilung, dass Blumenhandlungen in Hessen weiter öffnen dürfen, während dies in anderen Bundesländern - wie Bayern oder Baden-Württemberg - nicht gestattet ist. »Das war schon ein heilloses Durcheinander«, erinnert sich Ute Nagel vom Blumenhaus Koch, das Ehemann Manfred zum Jahreswechsel an Sohn Steve - und somit an die vierte Generation - übergeben hat.

Die Nagels hatten ihr Geschäft erst an besagtem Freitagmittag geschlossen, da es zunächst geheißen hatte, sie dürften auflassen. »Am Spätnachmittag hieß es dann: Wir dürften ab dem 23. öffnen«, sagt Ute Nagel.

Ihr Geschäft hat sie der aktuellen Situation angepasst. So gelangen die Kunden nur noch zur ersten der beiden Theken in dem langgezogenen, recht schmalen Laden. Einige Behälter voller Zweige und Blumen verhindern den Durchgang.

»Vorne bediene ich oder meine Mitarbeiterin Nadine die Kunden, die hintere Theke nutzen wir zum Arbeiten.« Natürlich wird auch auf den nötigen Mindestabstand geachtet.

Mitarbeiterin Nadine Burggraf trägt nicht nur Handschuhe sondern auch einen Mundschutz. Sie gehört als Asthmatikerin zur Risikogruppe. »Ich bin trotzdem sehr froh, dass ich arbeiten darf«, sagt sie.

Der Umsatz ist zurückgegangen, doch es gibt noch genug zu tun. So werden Fleurop-Bestellungen ausgefahren, und Sohn Steve kümmert sich um die Dauergrabpflege. Hier werden aktuell Pflanzen gesetzt. Durch das zweite Standbein der Familie, den Garten- und Landschaftsbaubetrieb von Sohn Steve, sind sich die Nagels sicher, dass sie diese besondere Zeit überstehen werden.

»Es kommen Alleinstehende, die sich Blumen holen, damit sie nicht depressiv werden. Das hat mir gerade gestern eine ältere Friedbergerin erzählt«, berichtet Ute Nagel. Ähnliche Erfahrungen hat Birgit Lenthe gemacht. »In dieser Situation muss man sich neu erfinden«, sagt die Floristin und erzählt von »vier Omas«, die gleichzeitig ins Geschäft gekommen seien, um Blumen zu kaufen. »Bei denen war Mindestabstand kein Thema.«

Ostern und die Blumen-Frage

Nach der »Wiedereröffnung« hat Lenthe für zwei Angestellte Kurzarbeit beantragt, und ihr Ladengeschäft ist jetzt an allen sechs Werktagen nur noch von 9 bis 14 Uhr geöffnet. »Momentan ist jeder Euro wichtig« sagt Lenthe, die sich auch sicher ist, diese außergewöhnliche Zeit zu überstehen.

»In einem Blumengeschäft gibt es immer genug zu tun« sagt die Chefin, die oft unterwegs ist, um Aufträge zu erfüllen, während Mitarbeiterin Manu Neunert im Laden die Stellung hält. Gerade kam Lenthe vom Ossenheimer Friedhof zurück, zu dem sie Kränze und Gestecke für eine Beerdigung gebracht hatte.

Inzwischen bietet sie ihre Dienste auch im Internet auf der www.wetterau-bringts.de an. »Die erste Bestellung über die Plattform hatte ich schon«, freut sich die Geschäftsfrau, die mit ihrer österlichen Außendekoration ebenso für einen besonderen Farbtupfer sorgt wie das Blumenhaus Koch auf der gegenüberliegenden Seite der Kaiserstraße.

Aktuell plagt Lenthe ein besonderes Problem: »Ich überlege schon die ganze Zeit, wie viele Blumen und Pflanzen ich für Ostern bestellen muss. Entweder wird es zu viel oder zu wenig sein, richtig werde ich es wohl nicht treffen,«

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