Am 21. September 1991 ist in Friedberg der Partnerschaftsvertrag mit Magreglio und der Freundschaftsvertrag mit Barni unterzeichnet worden. Das Foto stammt aus dem Buch von Paolo Ceruti über Henry Benrath. Zu sehen sind (v. l.) Giovanni Cermenati, Bürgermeister von Magreglio, Nino Grassi, Bürgermeister von Barni, Anna Maria Fraboni Maestroni, die Urheberin der Partnerschaft, eine Dolmetscherin, Paolo Ceruti, Präsident der Berggemeinden des Larianischen Dreiecks, Friedbergs Bürgermeister Dr. Ludwig Fuhr und Stadtverordnetenvorsteher Heinrich Binding. 	FOTO: PV
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Am 21. September 1991 ist in Friedberg der Partnerschaftsvertrag mit Magreglio und der Freundschaftsvertrag mit Barni unterzeichnet worden. Das Foto stammt aus dem Buch von Paolo Ceruti über Henry Benrath. Zu sehen sind (v. l.) Giovanni Cermenati, Bürgermeister von Magreglio, Nino Grassi, Bürgermeister von Barni, Anna Maria Fraboni Maestroni, die Urheberin der Partnerschaft, eine Dolmetscherin, Paolo Ceruti, Präsident der Berggemeinden des Larianischen Dreiecks, Friedbergs Bürgermeister Dr. Ludwig Fuhr und Stadtverordnetenvorsteher Heinrich Binding. FOTO: PV

Erinnerungen an Heinrich Binding

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Friedberg . Vor genau zehn Jahren, am 16. Januar 2011, ist Heinrich Binding, ein Urgestein der Friedberger Stadtpolitik, im Alter von 87 Jahren verstorben. Binding war SPD-Stadtverordneter von 1964 bis 1997 und in dieser Zeit von 1981 bis 1997 Stadtverordnetenvorsteher, also 16 Jahre lang Erster Bürger der Stadt Friedberg. Der derzeitige Stadtverordnetenvorsteher Hendrik Hollender erinnert an ihn.

Immer präsent bei Veranstaltungen in Friedberg, habe es Binding gefreut, wenn die Einladenden die Etikette der richtigen Reihenfolge bei der Begrüßung beachtet haben, also zuerst den Ersten Bürger der Stadt und dann erst den jeweiligen Bürgermeister begrüßt haben. In der jeweiligen Partnerstadt in England, Frankreich und Italien, die er regelmäßig im Rahmen der Partnerschaftstreffen besuchte, war das Amt des Stadtverordnetenvorstehers unbekannt. Daher wurde dort immer zuerst der Bürgermeister begrüßt. Doch damit hatte Heinrich Binding kein Problem.

Parteiengezänk störte ihn

Kein Problem hatte er auch mit der Verständigung. »Ich erinnere mich noch an meine erste Fahrt 1994 mit den städtischen Gremien in unsere italienische Partnerstadt nach Magreglio am Comer See. Wir kamen spätabends im Hotel St. Primo an, direkt gegenüber dem Rathaus von Magreglio. Wir alle hatten mächtig Hunger, aber die Küche war schon geschlossen. So gab es nur flüssige Nahrung in Form von Grappa, und Stadtverordnetenvorsteher Heinrich Binding parlierte bald ungezwungen mit Giovanni Cermenati, dem damaligen Bürgermeister von Magreglio - einer auf Hessisch, der andere auf Italienisch, und sie verstanden sich glänzend!«, erinnert sich Hollender.

Als sich Heinrich Binding 2001 aus der Kommunalpolitik zurückzog, schied er auch aus dem Vorstand des Europa-Clubs aus. Der Verschwisterungsidee war er 37 Jahre lang eng verbunden und hat sie stets gefördert. Heinrich Binding habe sein Amt mit großer Ruhe und Souveränität ausgeübt, erinnert Hollender. Nicht ausstehen konnte es Binding, wenn während der Debatten in der Stadtverordnetenversammlung Andersdenkende als Gegner oder Feinde dargestellt wurden.

»Ich erlebte Heinrich Binding als Stadtverordnetenvorsteher ab 1988. Damals wurde noch im Großen Saal des Historischen Rathauses auf der Kaiserstraße getagt. Spätestens nach zwei Stunden war er als Vorsteher am Kopfende des großen ovalen Sitzungstisches oft kaum noch zu erkennen, denn es gab noch kein Rauchverbot. Und da die Fenster (Einfachverglasung!) wegen des Lärmes von der Kaiserstraße geschlossen bleiben mussten, konnte der Qualm der Zigaretten und Zigarren (!) nicht abziehen,« schreibt Hendrik Hollender. Doch das störte den Raucher Heinrich Binding wenig. Was ihn aber störte, war das zunehmende Parteiengezänk in den Sitzungen, und wenn er das Gefühl hatte, dass es in den Debatten nicht mehr um das Wohl der Stadt und ihrer Bürger, sondern nur noch um Selbstdarstellung ging.

Nach seinem Ausscheiden aus dem Amt des Stadtverordnetenvorstehers 1997 war er noch bis zum 26. April 2001 als Stadtrat ehrenamtlich für die Kreisstadt Friedberg tätig. Sein ehrenamtliches Engagement wurde 1979 mit dem Ehrenbrief des Landes Hessen, 1991 mit dem Bundesverdienstkreuz und im Jahre 2001 mit der Ehrenbezeichnung »Ehrenstadtrat« sowie der Medaille der Stadt Friedberg gewürdigt, der höchsten Auszeichnung, die Friedberg an kommunalpolitisch Engagierte zu vergeben hat. Hendrik Hollender

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