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Bei der Ausstellungseröffnung sind anwesend (v. l.): Marcel Pfeffer, Kurator Joachim Albert, Su-Kyoung Yu, Marie-Luise Leonhardt-Feijen, Landrat Jan Weckler und Ralf Klement.

Erinnerungen an die deutsche Teilung

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Friedberg/Wetteraukreis(har). Vor 30 Jahren fiel die Mauer, deren Bau am 13. August 1961 begonnen hatte. Den Mauerfall feiert der Wetteraukreis in den kommenden Wochen mit mehreren Projekten. Den Auftakt bildete am Montagabend die Eröffnung der Ausstellung "Grenzenlos I" im ersten Stock des Kreishauses A.

Bewusst war der Vorabend des Mauerbaus für den Start der Feierlichkeiten zum Mauerfall gewählt worden, denn "beide Ereignisse gehören zusammen", so Landrat Jan Weckler, der unter den überraschend vielen Besuchern auch die vier beteiligten Künstlerinnen und Künstler sowie den Bundestagsabgeordneten Peter Heidt (FDP) begrüßen konnte.

Den Mauerfall und den Mauerbau haben die vier Künstler, zwei aus dem Wetteraukreis und zwei aus dem thüringischen Partnerkreis Unstrut-Hainich, in ihren Werken zum Ausdruck gebracht. Als Kurator des gemeinsamen Kunstprojekts von Wetteraukreis und Kunstverein Friedberg, führte dessen Vorsitzender Joachim Albert in die Ausstellung ein. "Es ist in diesem Jahr und zu dieser Zeit besonders wichtig, die Ereignisse von 1989 anzuschauen, uns zu erinnern und nicht zu vergessen", so Albert, der ausführlich auf die Auseinandersetzung der vier Künstlerinnen und Künstler mit dem Thema einging.

Der Echzeller Marcel Pfeffer, Jahrgang 1987, kennt die Mauer nur aus Erzählungen von Menschen, die im Grenzgebiet wohnten oder noch wohnen. Mit diesen hat er lange Gespräche geführt. Deren Geschichten fanden Eingang in die in Öl gemalten Leinwände. Die Friedbergerin Su-Kyoung Yu legt in ihrem künstlerischen Beitrag ihre eigene Grenzerfahrung in ihrer Heimat Südkorea zugrunde. So wurde in der Schule das Fach "Anti-Kommunismus" unterrichtet. Ihre Kindheits- und Jugenderfahrungen sowie die Novelle "Beim Bau der Chinesischen Mauer" von Franz Kafka dienten als Inspiration für deren Arbeiten.

Krasse Unterschiede

Grenz- und Mauerprojekte sind eine wichtige Position des 1950 in Erfurt geborenen Künstlers Ralf Clement, der in der DDR seine Kunst nicht frei zeigen durfte. Die großformatigen Collagen mit Fotos und begleitenden Texten sind einige seiner Beiträge zu Grenzprojekten, wie zu Point Alpha zwischen Rasdorf und Geisa.

Marie-Louise Leonhardt-Feijen litt persönlich unter dem Mauerbau, der in ihre Pubertät fiel. 1979 verlies sie die DDR illegal, lebte in Brüssel und kehrte 2007 zurück nach Thüringen. Ihre autobiografischen Arbeiten ergänzt sie mit Texten zu unspektakulären Situationen, die den krassen Unterschied zwischen den Wertevorstellungen und der Sozialität der Menschen in der DDR und der BRD aufzeigen. Weckler und Albert wiesen auf die weiteren Veranstaltungen zum Mauerfall hin (siehe Kasten). Albert dankte Cornelia Wenk vom Wetteraukreis für die Unterstützung aus dem Programm "Demokratie leben", das vom Bundesfamilienministerium gefördert wird sowie Heike Bauer, Michael Elsaß und Moriz Kühn vom Wetteraukreis für die Unterstützung des Projekts.

Musikalisch umrahmt wurde die Ausstellungseröffnung mit "passendem fröhlichen Jazz" (Weckler), hervorragend gespielt von Saxofonistin Corinna Danzer und Georg Wolf (Kontrabass) von der Musikschule Friedberg. Warum Jazz passend zur Ausstellung ist erklärte Danzer: "Was passt besser als Jazz, er diente in den USA zur Überwindung der Rassengrenze."

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