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Erinnern an den großen Freiheitsmoment

  • vonHarald Schuchardt
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Friedberg(har). Zum vierten Mal hat die evangelische Allianz Friedberg und Bad Nauheim am Samstag ein Fest rund um den St.-Georgs-Brunnen in der Burg veranstaltet. Die Allianz besteht aus der Evangelischen Stadtmission, der Freien evangelischen Gemeinde (beide Friedberg) und aus dem Jesus-Zentrum und der Gemeinde am Park (beide Bad Nauheim). An der Organisation waren zudem die evangelischen und katholischen Kirchengemeinden Friedbergs beteiligt. Die Feier war ein Danke-Burgfest anlässlich des 30. Jahrestages der Wiedervereinigung.

Wegen der Corona-Bedingungen war das Gelände abgesperrt, die maximal 250 zugelassenen Besucher mussten sich am Eingang registrieren lassen und die Hände desinfizieren. Die Stühle standen weit auseinander.

"Unser Anliegen ist, ein dickes Dankeschön an Gott zu sagen, dass wir in einem Land in Freiheit leben und 30 Jahre Wiedervereinigung feiern können", sagte Pastor Markus Orth in seiner Begrüßung der vielen Besucher.

Plädoyer für politische Christen

Einen gehörigen Anteil am Fest-Programm hatte die Marvin Dorfler Big Band unter der Leitung von Hans Eckhardt - allerdings in etwas kleinerer "Corona-Besetzung" mit elf Instrumentalisten und dem hervorragenden Gesangstrio Bettina Skottke, Helena Finatzer und Erik Borner. Mit ihrem Mix aus Swing und Soul bis hin zur Hymne "Music" und einem Gospel-Medley begeisterte die Band die Besucher.

Dazwischen überraschte Zauberkünstler "Mäd Schick" zunächst mit seiner "fränkischen Apfelsaftschleuder", dann als skeptischer "Hausmeister der Kirchengemeinde", der Gott und Kirche kritisch und dabei zaubernd hinterfragte. Viel Beifall gab es für die christliche Zauberei von "Mäd Schick" alias Klaus Hasselbacher.

Zwischendurch sprach Pastor Orth unter anderem mit Bürgermeister Dirk Antkowiak über den Mauerfall. "Meine Mutter und ich saßen vorm Fernseher und haben geweint", sagte der Friedberger Rathauschef, der in Berlin aufgewachsen war.

"Wir waren alle völlig aus dem Häuschen", erinnerte sich Dekan Volkhard Guth an die Maueröffnung. Er plädierte dafür, "dass Christen politisch aktiv sind. Die Montagsgebete in der Leipziger Nikolaikirche waren politisch."

Dass es ohne die Kirchen in der DDR die friedliche Revolution nicht gegeben hätte, erläuterte Christoph Gaukel von der evangelischen Kirchengemeinde. Er las das letzte Fürbittengebet am Montag vor der Maueröffnung in der Nikolaikirche vor. Darin hieß es: "Die Menschen wollen nur das, was ihnen zusteht: Freiheit." Weitere Redebeiträge gab es von Diakon Bernd Gaube (katholische Kirchengemeinde) und vom evangelischen Pfarrer Paul-Gerhardt Künzel.

Den Abschluss des Festes bildete die Teilnahme an der bundesweiten Aktion "Deutschland singt". Zur gleichen Zeit sangen an vielen Orten Menschen zehn Lieder von "Die Gedanken sind frei" über "Wind of change" bis hin zur National- und zur Europahymne. Unterstützt von einem kleinen Chor leitete Kantor Ulrich Seeger das gemeinsame Singen im Burghof, bei dem die Besucher nicht nur das Liedblatt, sondern auch kleine Lichter in den Händen hielten.

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