500 Milliliter werden bei einer Blutspende aus dem Körper entnommen. Der Prozess an sich dauert nur wenige Minuten, kann aber bis zu drei Menschen das Leben retten. SYMBOLBILD: DPA
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500 Milliliter werden bei einer Blutspende aus dem Körper entnommen. Der Prozess an sich dauert nur wenige Minuten, kann aber bis zu drei Menschen das Leben retten. SYMBOLBILD: DPA

Auf zur Spende!

Engpass auch in der Wetterau: Blutspende im Sommer besonders wichtig

  • vonKatharina Gerung
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Hoher Blutbedarf und wenig Spender: Dieser Sommer reißt ein Loch in die Vorräte. Wie läuft die Entnahme ab? Wir testen es und verraten, warum auch ein Besuch in der Nachbarschaft sinnvoll ist.

Langsam fließt das Blut meinen Arm hinunter. Wie ein warmer, roter Wurm schlängelt sich der dünne Schlauch von meiner Vene bis in den Beutel. Das erste und letzte Mal, dass ich auf einer blauen Liege wie dieser hier lag, ist mehr als fünf Jahre her. Ich habe keine gute Erinnerung an diesen Tag. Damals musste die Blutspende abgebrochen werden, weil ich ohnmächtig wurde. Seitdem habe ich mich nicht wieder getraut.

Während sich die Blutkonserve füllt, frage ich mich, ob es vielleicht vielen Menschen ähnlich geht. Warum sonst wird ständig dazu aufgerufen, Blut zu spenden? Aktuell aus zwei Gründen. Zum einen wurden durch die Corona-Krise vielfach Operationen aufgeschoben, die nun nachgeholt werden. Heißt: Es herrscht ein akuter Mehrbedarf.

Blutspende im Sommer: Sperrzeit nach Reisen

Zum anderen stehen Kliniken, Blutspendedienste des DRK und private Blutspendezentren wie jedes Jahr im Sommer vor dem gleichen Problem: Viele Menschen verreisen - und das unter anderem in Länder, die eine Sperre für Blutspenden nach sich ziehen. So zumindest erklärt es Britta Domschke-Kreuder, Teamleiterin im Blut- und Plasmaspendezentrum (TMD) in Gießen. Außerdem wurden wegen der Pandemie zahlreiche Termine zur Blutspende abgesagt. Etwa solche des DRK - auch in der Wetterau.

All das betrifft aber nur die Menschen, die sowieso schon Spenden, beziehungsweise eine Spendebereitschaft zeigen. Doch was ist mit den anderen? Der DRK-Blutspendedienst Baden-Württemberg/Hessen hat ermittelt, dass allein in Hessen täglich bis zu 900 Blutkonserven benötigt werden. Dennoch spenden laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung nur zwei bis drei Prozent der Deutschen regelmäßig Blut - obwohl theoretisch 33 Prozent geeignet wären.

Blutspende im Sommer: Eine Spende kann drei Leben retten

Ich gehöre zu diesem Drittel, war trotzdem nie spenden und bin damit nicht alleine. Das ergibt auch eine Befragung in meinem Bekanntenkreis. Wie es scheint, haben wir alle etwas gemeinsam: Man nimmt sich die Spende fest vor und schiebt einen Termin dann doch vor sich her. Findet Ausreden wie "keine Zeit" oder "mangelnde Information". Ein Desinteresse liegt selten vor, doch oft fühlt sich die Problematik weit entfernt an. Domschke-Kreuder bestätigt, was ich denke: "Vielen fehlt das Gespür dafür, wie wichtig eine Spende wirklich ist", sagt sie. "An dieser Stelle muss immer noch viel Aufklärung betrieben werden."

Was ich nicht wusste: Eine Vollblutspende, wie ich sie gebe, kann drei Menschenleben retten. Später, so erklärt mir Domschke-Kreuder, wird das Blut in seine drei Hauptbestandteile aufgeteilt: Rote Blutkörperchen, Blutplättchen und Blutplasma. Alle Bestandteile erfüllen ihren Zweck und sind lebenswichtig. Letzteres kann auch gezielt in einem gesonderten Verfahren gespendet werden, doch nicht überall. Die nächste Anlaufstelle für Wetterauer wäre Frankfurt oder das TMD in Gießen.

Blutspende im Sommer: Bei Hitze mehr trinken

Das Gerät, das mein Blut aufnimmt, gibt nach nicht einmal neun Minuten ein schrilles Signal. "Das wars", sagt Domschke-Kreuder. Zehn Minuten solle ich mich noch ausruhen. Ich hatte Bedenken, dass es mir so ergehen würde wie vor fünf Jahren, sage ich ihr. Vor allem, weil es sehr heiß ist an diesem Tag. Sie nickt: "So geht es vielen." Sind die Sorgen berechtigt?

"Wir nennen es auch das Kollaps-Wetter", sagt die Krankenschwester. Hohe Temperaturen können sich auf den Blutdruck auswirken, erklärt sie. Darum könne es sein, dass Menschen mit einem niedrigen Blutdruck anfälliger für einen Kreislaufkollaps sind. "Das ist aber kein Problem, wenn man vorher ausreichend trinkt", fügt sie hinzu.

Blutspende im Sommer: "Spende-Check" im Internet machen

Bei einer Blutspende ist viel zu beachten. Vor allem beim ersten Mal kann einen der Fragebogen erschlagen, der vorab vor Ort auszufüllen ist. Wer sich sicherer fühlen will, kann im Internet, etwa beim DRK-Blutspendedienst, den "Spende-Check" machen. Im ebenfalls erforderlichen Arztgespräch können eventuelle Fragen dann geklärt werden.

Die Anforderungen an Spender haben mir verdeutlicht, wie wichtig es ist, dass geeignete Menschen auch zur Spende gehen. "Und nicht nur, wenn dazu aufgerufen wird", sagt Domschke-Kreuder. "Es ist wichtig, dass man regelmäßig geht." Wie lange ich im TMD war, kann ich gar nicht sagen. Unterm Strich sollte man - vor allem beim ersten Mal - etwa eine Stunde Zeit mitbringen. Dieses Mal lief alles gut. Wenn sich mein Blut als geeignet herausstellt, will ich regelmäßig gehen - auch zur Plasmaspende. Denn die paar Minuten sind es wert. Es sind Minuten, die Leben retten.

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