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Die »Time Bandits« sind auf dem Vereinsgelände der Turngemeinde Friedberg aufgetreten und haben Hits von Elvis, Jerry Lee Lewis oder Fats Domino gespielt.

Endlich wieder Rock’n’Roll

  • VonHarald Schuchardt
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Friedberg (har). Nach 16 Monaten Unterbrechung standen am Freitagabend die »Time Bandits« endlich wieder einmal auf einer Bühne. Die Freude über den ersten Auftritt nach der Corona-Zwangspause war den sechs Musikern förmlich anzusehen.

Nicht anders war dies bei den Besuchern auf dem Vereinsgelände der Turngemeinde Friedberg an der Ockstädter Straße der Fall. Hier findet derzeit Public-Viewing zur Fußball-Europameisterschaft statt, organisiert von TG-Vereinsmitglied Jens Heuser, der Inhaber der Veranstaltungstechnikfirma »music & lights« ist.

Am Vorabend des zweiten Spiels der deutschen Mannschaft gegen Portugal hatte Heuser einen Oldie-Abend mit der bekannten Oldie-Band, die auch Mitglied im Oldies-Club Wetterau (OCW) ist, organisiert. So waren denn auch die OCW-Vorsitzende Monika Seyfarth sowie Jazz-Club-Vorsitzender Herbert Knihs gekommen.

Ein paar Besucher hätten es schon mehr sein können, gab es doch etliche Lücken auf dem mit 150 Stühlen ausgestatteten Hartplatz. Die Hitze war wohl nur ein Grund, dass die Oldie-Fans nicht ganz so zahlreich gekommen waren, wie erwartet. Den zweiten Grund formulierte Gitarrist Reinhold »Ray« Müller im Verlauf des Abends so: »Es ist ja heute nicht so einfach, auf Konzerte zu gehen«.

Diejenigen, die gekommen waren, feierten trotz Temperaturen um 30 Grad ein fröhliches Oldie-Fest. So mancher »bewegte« sich bei den Rock’n’Roll-Klassikern stehend vor seinem Platz. Tanzen ist bekanntlich nicht gestattet. Auch Mitklatschen und -singen klappte bestens.

Mit den Elvis-Klassikern »That’s alright Mama« und »Blue Moon« eröffnete das Sextett aus dem Rhein-Main-Gebiet ihr Programm, bevor Frontmann Kai von Kajdacsy die Besucher begrüßte. »Wir haben jetzt zweimal geprobt, um uns die Songs in Erinnerung zu rufen«, verkündete der Sänger, der als Elvis-Interpret in der Wetterau bestens bekannt ist.

Seit neun Jahren ist von Kajdacsy Frontsänger der Time Bandits und in dieser Funktion zeigt er, dass er weit mehr drauf hat, als die Songs des King möglichst originalgetreu samt Hüftschwung und der typischen Elvis-Frisur zu interpretieren.

Ob »The Twist« von Chubby Checker oder Bill Haleys »Rock around the clock« bis hin zu den Klassikern von Jerry Lee Lewis, Fats Domino oder Carl Perkins - von Kajdascy begeistert dabei die Fans ebenso wie die fünf Instrumentalisten, allen voran Saxofonist Mike Schulz, der mit seinen Soli ein ums andere Mal brillierte. Beim Klassiker »The Wanderer« von Dion and the Belmonts spazierte er durch die Zuschauerreihen. Dabei hielt er den nötigen Abstand ein, denn »sonst wird Mike zum Superspreader«, meinte Kai von Kaidascy.

Für Begeisterung sorgten auch Gitarrist Reinhold »Ray« Miller, der bei einem seiner tollen Soli die Gitarre über Kopf spielte, während Armin Gregori am klassischen E-Piano bei den Songs von Jerry Lee Lewis sein Können unter Beweis stellte. Schlagzeuger Christoph »Ray« Miller kam - trotz »leichter Bekleidung« (von Kajdascy) - ebenso ganz schön ins Schwitzen, wie Bassist Mick Volland, den von Kajdascy als »unseren Brummbär« bezeichnete.

»Unsere Konzerte haben immer etwas Sessioncharakter«, sagte Reinhold Müller und genau das zeichnet die »Time Bandits« aus. Sie spielen die Songs, darunter auch einige Beat-Klassiker und Lieder aus den 1980er Jahren, nicht einfach nach. Mal überraschen sie mit Rhythmus-Wechsel, mal mit nicht zu erwartenden Soloeinlagen. Gegen Ende des Auftritts wird die Liebe zum Blues immer deutlicher. Da greift von Kajdascy mehrmals zur Blues-Harp, wie bei der fetzigen Version des Bluesklassikers »Sweet Home Chicago.«

»Das war heute schon crazy, es hat so viel Spaß gemacht, endlich wieder auf der Bühne zu stehen«, meinte Müller nach zwei schweißtreibenden Stunden, die die Band mit »Crazy little thing called love« beendete. Und mit dem verrückten kleinen Ding war nicht das Coronavirus gemeint.

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