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Marvin Dorfler Big Band und Makia im Friedberger Burggarten

Endlich wieder Live-Musik: Wenn die Sonne am Abend aufgeht

  • Jürgen Wagner
    VonJürgen Wagner
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Endlich wieder Live-Musik! Gut 300 Fans verfolgten den Auftritt von Makia und der Marvin Dorfler Big Band im Friedberger Burggarten. Und je später es wurde, desto mehr ging die Sonne auf.

Makia ist ein hawaiianisches Wort und bedeutet Sonnenaufgang. Wer die siebenköpfige Latino-Band schon einmal gehört hat, weiß: Der Name passt. Wenn der aus Kuba stammende Sänger Raidel Bandera die Menge anfeuert und zu Salsa, Reggae und Funk mit wilden Tanzschritten über die Bühne fegt, überträgt sich das schnell aufs Publikum. So war es auch am Freitagabend im Friedberger Burggarten, dem schönsten Freilicht-Theater der Wetterau. Als die Marvin Dorfler Big Band um 21 Uhr ihr erstes Set beendete und die letzten Sonnenstrahlen sanft am Hang der Naturbühne leckten, war auf der Tanzfläche kein Halten mehr.

Das erste Live-Konzert, endlich wieder auf oder auch vor der Bühne stehen - für die Musikerinnen und Musiker war der Abend genauso aufregend wie für die Fans. Nachdem das Konzert eine Woche zuvor wegen Gewitter abgesagt werden musste, verbreitete sich der neue Termin in Windeseile über die neuen Medien; schnell waren die (kostenlosen) Eintrittskarten vergeben.

Die Marvin Dorfler Big Band konnte im Lockdown nur wenige Male proben. Bandleader Hans Eckhardt machte aus der Not eine Tugend und stellte ein reines Gesangsprogramm auf die Beine. »Das geht am schnellsten.« Und so wechselten sich Bettina Skottke, Helena Finatzer, Eric und Luca Borner sowie Stefan Spielberger reihum am Mikrofon ab oder sangen mit- und herzzerreißende Duette oder im Trio.

Es passte ins Programm, dass Spielberger den Abend mit dem Song »Feeling Good« eröffnete. Hans Eckhardt (und sicher auch viele Fans) erinnerte daran, wie Luca Borner als kleiner Knirps bei seinem ersten Auftritt mit der Band auf seinen Schultern saß. Auf diese akrobatische Einlage verzichteten die beiden diesmal. Dafür sorgte Luca mit Eric Borner für den ersten Gänsehaut-Moment, als beide »Me an my shadow« von Frank Sinatra und Sammy Davis Jr. sangen. »Skyfall«, »Sittin on the Dock of the Bay« oder »I’m a Soulman«: Ein Klassiker reihte sich an den anderen, wobei mehrere Solisten der Marvin Dorfler Big Band ihr Können zeigten und man sich spätestens bei Spielbergers Version von »My way« fragen durfte, ob diese TV-Sendung eigentlich nach ihm benannt wurde: The Voice of Germany.

Käsehäppchen und Salsa-Rhythmen

Das Publikum der Marvin Dorfler Big Band hatte es sich in der Naturbühne gemütlich gemacht. Vor mir saßen zwei Damen, die im Laufe des Abends ihre Kühltasche leerten. Darin steckten (u. a.!) eine Flasche Sekt, ein passender Camping-Kühlpack, Salami, Käsehäppchen, Chips, Kartoffelsalat, Brot und Schokopudding. Nach einer Stunde war die erste Flasche Sekt geköpft und die zweite geöffnet, passend dazu startete Makia ihr Programm, das sich über die Naturbühne ergoss wie eine luftig-leichte Karibik-Brise. Campingstühle sind verdammt gemütlich, aber jetzt riss es viele Zuhörer aus den Sitzen, und nicht wenige strömten vor die Bühne, um zu den lateinamerikanischen Rhythmen zu tanzen.

Die Musik von Makia wirkt ansteckend. Da kann man selbst sitzend nicht ruhig bleiben, schnippt und wippt mit. Das macht die Lebensfreude, die in dieser Musik steckt, dieser treibende Rhythmus, die pulsierenden Beats, die karbische Leichtigkeit. Aber was sich so leicht anhört, ist bei näherem Hinhören ein raffinierter Spaß. Wie die Musiker immer wieder Sounds und Riffs aus den verschiedensten Musikrichtungen mischen, wie die Bläser wie Wildkatzen fauchen und selbst Dixieland-Anklänge in ihr Spiel integrieren, das ist große Klasse.

Sänger Raidel Bandera absolviert bei jedem Auftritt ungefähr sieben bis acht Workouts, den Besuch im Fitnessstudio kann er sich sparen. Diese Energie, diese Lebensfreude ging schnell aufs Publikum über, das sich im dritten und letzten Teil auf weitere Swing-und Big Band-Klassiker wie »Old Man River« oder »Papa was a rolling stone« freuen durften.

Es war ein wunderbarer Sommerabend, der die lange Wartezeit auf Konzerte vergessen ließ. Übrigens kam dieser Konzertbericht ganz ohne das doofe C-Wort aus. Man kann’s schon nicht mehr hören.

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