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So hoch stand das Wasser: Dieter Lauer (l.) und Klemes Geyer vor dem Mühlgraben in Bruchenbrücken. Das Auslaufrohr ist defekt.

Hochwasserschutz in Bruchenbrücken

Hochwasser-Gefahr in Teilen Friedbergs: Drei Zentimeter bis zum Chaos

  • Jürgen Wagner
    VonJürgen Wagner
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Die Stadtverordneten von Friedberg beraten am Donnerstagabend über Hochwasserschutz. In Bruchenbrücken ist er theoretisch vorhanden, praktisch nicht, sagen Bewohner der alten Mühle.

Friedberg - Am 11. August 1981 wurde der Friedberger Stadtteil Bruchenbrücken von einem verheerenden Hochwasser heimgesucht. Ein Feuerwehrmann starb beim Einsatz, viele Keller liefen voll Wasser, die Schäden waren immens. Der Wasserverband Nidda plante in der Folge einen Hochwasserschutz für den Stadtteil, der 2008 umgesetzt wurde: Die Wetter erhielt ein neues Bett, Wälle und Spundwände schützen den Ort vor den Fluten.

Seit dieser Zeit habe es keine Probleme mit Überschwemmungen gegeben, sagt Klemes Geyer. Der 77-Jährige ist einer der Bewohner der alten Mühle, lebt seit 41 Jahren in dem denkmalgeschützten Gebäude. Lange gab es keinen Grund zur Beunruhigung. Doch am 29. Januar dieses Jahres stieg der Pegel der Wetter immer weiter an. Tauwetter und viel Regen führten zu Überflutungen an Flüssen und Bächen. Die Büdinger Altstadt wurde überschwemmt. Und in Bruchenbrücken wurde die örtliche Feuerwehr zum Einsatz an der Mühle gerufen.

Laut dem Hochwasserbericht des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie wurde Ende Januar im Einzugsgebiet der Nidda fünf Mal die höchste Hochwasserstufe III überschritten. Am Pegel Bruchenbrücken stieg die Wetter auf 2,80 Meter an.

»Das Wasser stand bis hierher«, sagt Dieter Lauer (82), einer der Eigentümer der Mühle und zeigt auf einen Schuppen im Garten. »Drei Zentimeter höher, dann wäre das Chaos ausgebrochen.«

Hochwasser in Friedberg? Der Zulauf ist dicht, der Ablauf nicht

Hinter der Mühle verläuft der Mühlgraben. Hier gibt es einen Zu- und einen Ablauf sowie ein paar Meter weiter, jenseits des Dammes gelegen, einen Auslauf mit einer Rückschlagklappe, im Fachjargon »Froschklappe« genannt. Der Zulauf sei dicht, sagen Geyer und Lauer. Am Gitter des Ablaufs aber haben sie Strudel beobachtet. Ein deutlicher Hinweis, dass von hier Wasser ins Gebäude eindringt.

Nach einer kurzen Kletterpartie über den Damm stehen wir oberhalb des Austrittskanals des Mühlgrabens und schauen auf die Rückschlagklappe hinunter. Sie steht einen großen Spalt weit offen, lasse sich nicht schließen, sagt Lauer. »Die ist verklemmt.« Er habe das dem Wasserverband gemeldet und von dort die Antwort erhalten, die Klappe funktioniere. »Sie funktioniert aber nicht«, beharrt Lauer.

Geyer weist auf eine andere Sache hin: Der Kanal, der das Wasser vom Mühlgraben zur Wetter leitet, verläuft spitzwinklig gegen die Fließrichtung des Flusses - wie eine Rodelbahn, die den Berg hochführt. Lauer: »Steigt der Wasserpegel, fließt das Wasser hier eher rein als raus.« Würde dies verändert, das Austrittsrohr höher gelegt und statt der Rückschlagklappe ein Schieber eingebaut, wäre das Problem gelöst, sind sich Geyer und Lauer sicher.

Hochwasserschutz in Friedberg: Stadt kündigt Reparatur an

Die Bewohner der alten Mühle hatten Ende Januar viel Glück. »Es hätte nicht viel gefehlt, und die Keller wären überschwemmt worden«, sagt Geyer. »Wir sind der Feuerwehr sehr dankbar und hatten Glück, dass die Einsatzkräfte verfügbar waren.« Die Heizungsanlage im Keller steht auf einem fünf Zentimeter hohen Betonsockel, so weit kam das Wasser nicht. »Wir haben gepumpt und gepumpt und konnten den Keller weitgehend freihalten.« Nicht auszudenken, wenn dies nicht geglückt wäre. Geyer: »Die Mühle ist eine Art Bollwerk für den alten Ortskern. Hätte das Wasser so hochgestanden wie 1981, wäre der Ortskern überflutet worden.«

Geyer und Lauer stehen in Kontakt mit Stadt und Wasserverband. Wer für den Schaden verantwortlich ist, wissen sie nicht. Handelt es sich um einen Konstruktionsfehler? Dann wäre dies eine Sache des Wasserverbandes. Oder wurde die Rückschlagklappe nicht gewartet? Das wäre dann eine Sache der Stadt. Aufklärung liefert Dr. Andreas Stefansky, Leiter des Amtes für Stadtentwicklung: »Für die Unterhaltung der technischen Anlagen ist die Stadt Friedberg zuständig - dazu gehören auch die Froschklappen. Diese werden wir in den nächsten Wochen warten und in funktionsfähigen Zustand versetzen.«

Auch das Wehr muss noch saniert werden

Die defekte Klappe am Mühlgraben ist nicht das einzige Problem, das die Mühlenbewohner beunruhigt. Direkt oberhalb der Bruchenbrückener Mühle (nicht zu verwechseln mit der außerhalb des Ortes gelegenen Görbelheimer Mühle) befindet sich das Wehr. Das ist seit vielen Jahren defekt. Abgebrochene Betonplatten liegen im Flussbett, das Bild gleicht einem Trümmerhaufen. Eigentlich sollte das Wehr saniert werden. Der Wasserverband Nidda ließ eine Fischtreppe anlegen, damit die Fische zu ihren Laichorten wandern können. Das defekte Wehr aber wurde offenbar vergessen. Geyer und Lauer können das nicht verstehen: »Da sind alte Eichenstämme drin verbaut, das Wehr geht nicht kaputt, das muss nicht abgerissen werden. Man müsste halt nur die defekten Betonplatten wegräumen und ein Schotterbett anlegen.«

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