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Ein Bild aus dem Herbst: Große Teile des Waldes auf dem Wintersteinkamm sind durch Dürre, Stürme und Borkenkäfer zerstört. Ein Ergebnis des Klimawandels. Naturschützer fordern, die Lücken mit Windrädern zu füllen. Andere halten das für Naturfrevel. ARCHIVFOTO: NICI MERZ

Geplanter Windpark Winterstein

Emotionales Pro und Contra im Friedberger Stadtparlament

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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»Nur« drei Windräder auf dem Winterstein oder gleich ein ganzer Windpark? Die Debatte im Stadtparlament wurde erwartungsgemäß emotional geführt, die Meinungen gehen konträr auseinander.

Noch ist der »Windpark Winterstein« nur ein Name, ein Arbeitstitel. Vier Anliegerkommunen des Wintersteinwaldes haben einen gemeinsamen Bebauungsplan aufgestellt, der neben Maßnahmen zum Naturschutz oder etwa zur Freizeitgestaltung auch drei Windkraftanlagen vorsieht. Noch ist das Papier in der Mache, so steht die Stellungnahme der Deutschen Flugsicherung noch aus.

Die Linke wollte in der letzten Sitzung der Stadtverordnetenversammlung vor der Kommunalwahl am 14. März Nägel mit Köpfen machen und forderte die Gründung eines interkommunalen Energieparks. Wie der Linken-Fraktionsvorsitzende Sven Weiberg sagte, soll eine zweistellige Zahl an Windrädern den Großteil des Strombedarfs in Friedberg, Rosbach, Ober-Mörlen und Wehrheim erzeugen; die Wertschöpfung des Windparks solle weitgehend den Kommunen zugute kommen.

UWG und FDP lehnen Windräder auf dem Winterstein kategorisch ab. UWG-Fraktionsvorsitzender Friedrich Wilhelm Durchdewald begründete dies mit dem Zustand des Waldes. »Der Natur geht’s schlecht dort oben«, der Bau eines Windparks sei ein gewaltiger Eingriff. Durchdewald rechnete vor, wie viele tausend Tonnen Beton alleine für die Fundamente der Windräder auf den Winterstein gefahren werden müssten - Zahlen, die Florian Uebelacker später als falsch bezeichnete.

Erholt sich der Wald von alleine?

Auch die FDP lehnt Windräder am Winterstein ab. Achim Güssgen-Ackva schimpfte gegen eine »Industrielandschaft im Wald«. Von einem Rundgang mit dem Forstamt hat er die »überraschende Erkenntnisse« mitgebracht, dass sich der durch Klimawandel, Stürme und Borkenkäfer zerstörte Wald mittels Selbstheilungskräften schon wieder erhole.

Aber nicht in zwei oder drei Jahren, konterte Florian Uebelacker (Grüne). »Die Grundwasserstände gehen aufgrund der drei letzten regenarmen Winter zurück, da muss sehr viel aufgeforstet werden.« Gleichzeitig müsse die Politik auf lokaler Ebene ihren Beitrag zur Lösung globaler Probleme leisten. Heißt: Windräder bauen, vorzugsweise im Vorranggebiet Winterstein. Das habe eine »riesengroße Windhöfigkeit«. Bei einer Nabenhöhe von über 140 Metern ergebe sich ein Jahresmittelwert zwischen 5,6 und 6,7 Meter pro Sekunde: »Das findet man im westlichen Wetteraukreis nur hier.« Die Grünen hätten diesen Antrag aber nicht so kurz vor der Kommunalwahl gestellt, kritisierte Uebelacker. Dies führe nur zur Polarisierung im Stadtparlament.

Olaf Beisel (CDU) machte es kurz: »Wir beteiligen uns nicht an Diskussionen über Windgeschwindigkeiten, das ist Wahlkampf.« Die CDU habe für den B-Plan Winterstein gestimmt, in dem seien Windräder enthalten. Den Linken-Antrag lehne man ab.

Dr. Klaus-Dieter Rack (SPD) forderte eine »verbale Abrüstung«. Das B-Planverfahren sei leider immer noch nicht abgeschlossen, kritisierte er. Solange dies der Fall sei, stimme man dem Antrag nicht zu. Gebe es keine rechtlichen Bedenken (etwa durch die Flugsicherung), würden auf dem vom Land ausgewiesenen Vorranggebiet Windräder gebaut, die SPD könne sich auch mehr als nur drei vorstellen. Windkraft sei wichtig, um den Klimawandel zu stoppen, sagte Rack.

Der Antrag der Linken wurde mit großer Mehrheit abgelehnt. Wie geht es weiter? Uebelacker erinnerte daran, dass die zweijährige Veränderungssperre in dem Gebiet im Dezember abgelaufen ist. »Wenn heute ein Investor kommt, kann er beim Regierungspräsidium einen Bauantrag stellen, und es gibt keinerlei rechtliche Handhabe der Stadt, in die Planung einzugreifen.«

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