Seit Beginn der Corona-Pandemie waren (im Uhrzeigersinn von links oben) Alexander Hitz, Michael Pimeisl, der verstorbene Ralf Schiffner und Patricia Probst jede Woche die Stimmen des DARC-Deutschlandrundspruchs. FOTO: ALEXANDER HITZ
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Seit Beginn der Corona-Pandemie waren (im Uhrzeigersinn von links oben) Alexander Hitz, Michael Pimeisl, der verstorbene Ralf Schiffner und Patricia Probst jede Woche die Stimmen des DARC-Deutschlandrundspruchs. FOTO: ALEXANDER HITZ

NACHRUF

Emotionale Trauerfeier on air

  • vonred Redaktion
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Wetteraukreis(pm). Ein junger Funkamateur drückt die Sendetaste: "Mein herzliches Beileid an die Familie. Ralf war mein Prüfer bei der Amateurfunkprüfung in Eschborn. Er hat das sehr gut gemacht und ich habe bestanden." Seine Stimme wird zittrig. "Mehr kann ich nicht sagen."

Der Mann ist einer von 44 Funkamateuren, die an diesem Abend eine Rundspruchsendung über die Funkrelaisstation auf dem Hoherodskopf bestätigen. Dort werden jeden Freitagabend Neuigkeiten aus der Welt des Amateurfunks bekannt gegeben. Diesmal wurden die wöchentlichen Nachrichten um eine traurige Mitteilung ergänzt: Ralf Schiffner, der Vorsitzende der Wetterauer Funkamateure, war ganz plötzlich verstorben. Die Rundspruchsendung wurde unerwartet eine emotionale Trauerfeier "on the air".

Der Deutschlandrundspruch des Deutschen Amateur Radio Clubs (DARC) wird jede Woche über viele Medien verbreitet. In Mittelhessen wird er - gespickt mit lokalen Meldungen aus Hessen - freitags um 19 Uhr über die Funkrelaisstation auf dem Hoherodskopf verlesen. Damit erreicht die Aussendung viele Funkamateure in fast ganz Hessen und den benachbarten Bundesländern.

Ein vierköpfiges Sprecherteam verliest die Nachrichten normalerweise wöchentlich im Wechsel. Das Besondere seit Beginn der Corona-Pandemie: Alle Sprecher lesen den Rundspruch absatzweise gemeinsam. Das Team, dem auch Schiffner angehörte, besteht außerdem aus Michael Pimeisl (Laubach), Patricia Probst (Grünberg) und Alexander Hitz (Reichelsheim).

Der Rundspruch am 6. November sollte ein ganz besonderer werden, allerdings in trauriger Art und Weise. Am 2. November verstarb der Kopf und Koordinator des Sprecherteams, Schiffner (Rufzeichen: DK8FA), ganz plötzlich im Alter von nur 60 Jahren. Die Meldung traf Funkamateure in Deutschland und auf der ganzen Welt völlig unerwartet, machte sie sprachlos. Manche wollten es nicht glauben, zumal sie Schiffner gerade noch über Funk gesprochen hatten. Für die Rundspruchsprecher war es eine schwierige Aufgabe, den Nachruf für Schiffner von Heinz Mölleken, dem Vorsitzenden des DARC-Distriktes Hessen, zu verlesen. Alle Sprecher waren mit Schiffner befreundet und tief betroffen durch den plötzlichen Verlust.

Hitz erklärte sich bereit, den Nachruf zu verlesen. Kurz vor Beginn des Rundspruches erfuhr das Team, dass auch Schiffners Familie der Sendung folgen würde. Ein emotionaler Abend bahnte sich an.

Nach den Meldungen, die von Pimeisl und Probst verlesen wurden, leitete Hitz mit einem Kloß im Hals den Nachruf für Schiffner ein: "Du warst im Äther zu Hause, standest in Kontakt mit der Welt. Nun hast du Mikrofon und Taste für immer aus der Hand gelegt." Im Anschluss folgten hörbar bewegt noch einige persönliche Worte zum Tode Schiffners aus dem Kreise des Sprecherteams.

Große Anteilnahme

Nach jeder Rundspruchsendung haben Funkamateure die Möglichkeit, deren Empfang zu bestätigen. Doch dieses Mal begann der Bestätigungsverkehr zögerlich. Zahlreiche Funkfreunde waren tief betroffen. Aber dann fassten sich viele ein Herz. 44 Stationen meldeten sich und hatten so die Möglichkeit, auch Schiffners Familie ihre persönliche Anteilnahme auszusprechen.

Schiffners Tochter Lina Kaschmieder, selbst lizenzierte Funkerin, bedankte sich auch im Namen ihrer Familie für die große Anteilnahme. "Dieser erste Rundspruch ohne Ralf hat uns so viel gegeben. Da merkt man, welche Präsenz er überall hatte." Das Sprecherteam war überrascht, welch große Anteilnahme der Beitrag ausgelöst hatte. "Es war gut, dass wir es genauso gemacht haben", meinte Hitz.

"Mit dem plötzlichen Tod von Ralf Schiffner verlieren die Wetterauer Funkamateure nicht nur einen guten Freund, sondern auch einen hilfsbereiten, loyalen und hervorragend organisierten Funkamateur, Ideengeber, Innovator und Macher", schreibt der Verband in einem Nachruf. "Sein Tun und Handeln war immer darauf ausgerichtet, seinen Mitgliedern im Ortsverband Wetterau (F17) des Deutschen Amateur Radio Clubs (DARC) ein attraktives Vereinsleben zu bieten."

Schiffner war seit 1987 mit wenigen Jahren Unterbrechung Vorsitzender des Ortsverbandes. Seit vielen Jahren war er den hessischen Funkamateuren als Stimme des freitäglichen Deutschland- und Hessenrundspruchs bekannt. Auch als langjähriger Beisitzer bei Amateurfunkprüfungen der Bundesnetzagentur in der Außenstelle Eschborn war Schiffner vielen neuen Funkamateuren bekannt.

Im DARC, aber auch anderen Vereinigungen wie der Diplom-Interessengruppe oder den Marinefunkern, engagierte sich Schiffner mit viel Herzblut. Im sogenannten Runden Tisch Amateurfunk setzte er sich für die Zukunft und die Entwicklung des Amateurfunks in Deutschland ein. Außerdem lag Schiffner die Präsentation des Amateurfunks auf dem Hessentag 2020 in Bad Vilbel am Herzen. "Leider fand der Hessentag aufgrund der Corona-Pandemie nicht statt", so der Verband.

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