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Wochenlang hat es keinen Präsenzunterricht wegen Corona gegeben - und auch keine Nachmittagsbetreuung. Trotzdem sollen die Eltern dafür zahlen. SYMBOLFOTO: DPA

»Eltern werden ungleich behandelt«

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Wetteraukreis (pm). Warum müssen Eltern für die ausgefallene Kita-Betreuung während des Lockdowns nicht zahlen, für die Schulbetreuung am Nachmittag aber schon? Das fragen drei SPD-Politikerinnen aus der Wetterau und fordern das Land auf, etwas gegen diese Ungleichbehandlung zu unternehmen.

Landtagsabgeordnete Lisa Gnadl, Ranstadts Bürgermeisterin Cäcilia Reichert-Dietzel und Ortenbergs SPD-Vorsitzende Ute Arendt-Söhngen fordern vom Land, Eltern von den Gebühren für die Schulbetreuung zu entlasten. Aus dem Corona-Sondervermögen sollten Gelder bereitgestellt werden, um Eltern die Beiträge für ausgefallene Nachmittags-Schulbetreuung im Lockdown erstatten zu können.

»Mich sprechen viele Eltern an, warum Beiträge für die im Lockdown weggefallene Betreuung in den Kitas erlassen oder zurückgezahlt werden, die Gebühren für die Schulbetreuung aber nicht«, sagt Reichert-Dietzel. Man dürfe nicht vergessen, dass auch viele Eltern von Kurzarbeit oder anderen coronabedingten Einnahmeausfällen betroffen seien.

Das sieht Arendt-Söhngen, früher Rektorin der Ortenberger Grundschule, ähnlich: Die Landesregierung lade das Problem bei den Kommunen und den Betreuungsvereinen ab. Die Einrichtungen könnten die Einnahmeausfälle nicht hinnehmen. Schließlich müssten sie das Personal halten und die Fixkosten decken. »Aber natürlich kann jeder die Eltern verstehen, die nicht für eine Leistung zahlen wollen, die wegen der Pandemie nicht erbracht werden konnte.«

Gudrun Herche leitet den Trägerverein der Nachmittagsbetreuung an der Laisbachschule Ranstadt. Sie rechnet vor, dass der Verein die Elternbeiträge aus den regulären Zuschüssen von Land und Kreis nicht erstatten könne: »Für das Schuljahr 2020/21 bekommen wir einen Zuschuss von 9319 Euro. Dem stehen monatliche Elternbeiträge von 6000 bis 7000 Euro entgegen. Um die Elternbeiträge für den Lockdown zurückzahlen zu können, brauchen wir wesentlich höhere Zuschüsse.«

Gnadl sieht hier »große Versäumnisse« auf Landesebene: Die SPD-Fraktion im Landtag habe mehrfach gefordert, dass aus dem 12-Milliarden-Corona-Sondervermögen auch ein Fonds für die Gebührenerstattung bei der Schulbetreuung geschaffen werden müsse. »Die Landesregierung sollte endlich handeln«, sagt Gnadl. Die Eltern seien schließlich der Aufforderung gefolgt, ihre Kinder zu Hause zu betreuen, um das Infektionsgeschehen einzudämmen. »Sie dürfen nicht die Leidtragenden sein.«

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