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Mit Plakaten stehen Kinder, Eltern und Schulvertreter vor dem Kreishaus.

Sparzwang?

Eltern und Kinder demonstrieren für Erhalt der Sozialen Gruppenarbeit an Schulen

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Schüler, Eltern, Fachkräfte sowie Lehrkräfte und Schulleitungen haben am Mittwoch für den Erhalt der Sozialen Gruppenarbeit (SGA) an den Schulen vor dem Kreishaus in Friedberg demonstriert.

Aktuell gibt es für 48 Kinder und Jugendliche Gruppenarbeit mit sechs Gruppenstunden an zwei Nachmittagen an Schulen in Altenstadt, Butzbach, Gedern, Kefenrod und Nidda. Der Wetteraukreis will die Jugendhilfemaßnahme offenbar eindampfen und nur noch »einzelfallbezogen und punktgenau« bewilligen. SGA werde als ein Angebot der ambulanten Erziehungshilfe aber fortgeschrieben, teilen Erste Kreisbeigeordnete Stephanie Becker-Bösch und Jutta Messerschmidt, Leiterin des Fachdienstes Jugendhilfe, mit.

Den Unmut der Demonstranten besänftigte diese Ankündigung nicht. Die knapp 60 Personen aus verschiedenen Schulen hätten lautstark aber friedlich protestiert, »da sie nicht verstehen, warum eine Maßnahme, die dort stattfindet, wo sich die Schüler aufhalten - nämlich in der Schule - gestrichen wird«, wie die Aktionsführende Martha Akyüz, Fachkraft der Sozialen Gruppenarbeit in Butzbach, mitteilt. Zumal die Kosten für den Wetteraukreis gering und die Gruppen voll seien. Dass die Streichung kommentarlos geschehen sei, ärgere besonders.

Der Wunsch nach einer Erklärung und einer »nachvollziehbaren Begründung« durch eine Verantwortliche sei den Demonstranten vor Ort verwährt worden, sagt Akyüz. Obwohl Becker-Bösch von der angekündigten Demonstration gewusst habe, sei angeblich niemand im Hause gewesen, der Rede und Antwort hätte stehen können.

Akyüz: »Eltern haben ein Recht auf Hilfe zur Erziehung.« Dieses Recht scheine der Kreis mit Füßen zu treten. Zwar gebe es das Angebot faktisch noch, doch wenn das Kind aufgrund des Stundenplans oder der Entfernung (teilweise mit komplizierten ÖPNV-Verbindungen) nicht an die Orte komme, an denen SGA noch angeboten werde, dann werde es auch nicht teilnehmen können.

Auch die Lehrkräfte und Schulleitungen fühlen sich laut Akyüz vom Kreis im Stich gelassen. »Auffällige Kinder werden ihre Verhaltensmängel nicht von alleine in den Griff bekommen. Die Mängel, die sie zeigen, müssen ihnen nicht nur sichtbar gemacht werden, es bedarf außerdem etlicher Strategien, die sie erlernen und ausprobieren müssen, um ihre Defizite zu beseitigen.« Vernetzung in und durch die Schulen bedeute kurze Wege, was für rasches Handeln förderlich sei.

Der Bedarf für Soziale Gruppenarbeit steige; weitere Schulen wünschten sich die Etablierung der Maßnahme auch an ihrem Standort, fasst Akyüz zusammen. Hier werde an der falschen Stelle gespart.

Kreis: Angebot nur noch »einzelfallbezogen«

In einer Presseerklärung haben Erste Kreisbeigeordnete Stephanie Becker-Bösch und Jugendamtsleiterin Jutta Messerschmidt betont, dass die Soziale Gruppenarbeit als ein Angebot der ambulanten Erziehungshilfe weiter besteht. Jedoch nicht im Gießkannenprinzip: Das Angebot sei eine freiwillige Leistung und werde aus Steuergeldern finanziert. »Aus diesem Grund kann es nicht sein, dass das System Schule sich wünscht, was es gerne hätte. Es ist zwingend erforderlich, dass Maßnahmen einzelfallbezogen und punktgenau den Kindern und Jugendlichen zur Verfügung gestellt werden, die ihrer Entwicklung zwingend dienlich sind«, heißt es in der Mitteilung. Der Bedarf dafür werde durch die Sozialarbeit in Schule oder durch die Lehrkräfte und Betreuungskräfte an Schulen wie auch den Allgemeinen Sozialen Dienst des Jugendamtes erkannt.

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