Eltern und Kinder: ›Rudis Rabenteuerland" soll bleiben

Friedberg-Ockstadt (pwz). Rasseln, Trommeln, Tambourine, Pfeifen, Luftballoons und unzählige Plakate auf dem Schulhof der Grundschule am Freitag haben Eltern, Betreuerinnen und Schüler gegen das Aus der Betreuungsschule "Rudis Rabenteuerland" protestiert.

Zuvor unterschrieben alle Demonstranten eine Petition, auf der ein Gesprächstermin mit der bislang wenig kooperationsbereiten Schulleiterin Anja Wall gefordert wird. Am Ende ohne Erfolg.

"Frau Wall hat uns bisher keine Gründe genannt, weshalb sie das Gespräch verweigert. Nach den Ferien sind wir nicht mehr da, die Eltern werden über keine Bedingungen informiert", empört sich Betreuerin Michaela Schmidt. So geht es offenbar nicht nur den Betreuerinnen. Der Vorsitzende des Pfarrgemeinderats Uli Henritzi erklärt gegenüber der WZ, nicht nur die bisherigen Räume der Betreuungsschule, sondern auch das Jugendheim seien nur frei für die alten Betreuerinnen. Aus verlässlichen Quellen sei zu den Demonstrierenden die Information durchgesickert, die Schulleiterin plane bereits Verträge mit der FAB (Frauen-Arbeit-Bildung) für die Übernahme der Betreuungsschule. Ein Unding, wie der Pfarrgemeinderat findet: "Sie hat uns falsche Infos gegeben, und die Eltern wissen nicht einmal, was los ist. Sie soll endlich Farbe bekennen", fordert Henritzi.

Pünktlich zum Schulschluss stimmen die Schüler einen Chor an: "Wir protestieren, auf allen Vieren." Rund 80 Betroffene laufen mit Krachmachern und Plakaten auf: "Never change a winning team", "Wir wollen ernst genommen werden", "Rudis Rabenteuerland soll bleiben" steht drauf. Alle Mühe umsonst. Bereits eine Viertelstunde später fällt die Eingangstür der Schule mit einem Schlag ins Schloss und Ortsvorsteher Günther Weil kommt kopfschüttelnd auf die Demonstrierenden zu: "Heute kommt es zu keiner Verhandlung mehr." Er habe am Vortag bereits das Gespräch mit der Schulleiterin gesucht, die in einer Mail den Eltern ein Gespräch zugesagt hatte. Im Augenblick aber könne sie keine Einzelheiten preisgeben, ein Gespräch heute würde lediglich "ins Blaue laufen".

Dann bricht die Hölle los

Wall habe auf Bürgermeister Michael Keller verwiesen, der über die Planung informiert sei. Nach diesen Worten des Ortsvorstehers bricht auf dem Schulhof die Hölle los: Schüler, Eltern und Betreuerinnen schreien durcheinander, wollen alle zu Wort kommen. "Seit drei Wochen hat sie ein Gespräch mit uns abgelehnt. Die Mail, von der sie spricht, haben wir nie bekommen. Welche Meinungsbildung ist da vorhanden?", will Benita von Schulenburg, Vorsitzende des Fördervereins, wissen. Alle im kommenden Jahr angemeldeten 56 Kinder würden eine Betreuung erhalten, versucht Weil die Menge zu beschwichtigen. "Wir fordern Ockstädter Betreuer für Ockstädter Kinder", sagt Henritzi.

Gabi Henritzi, eine der Betreuerinnen, fordert die Vorlage eines Konzepts, "wenn schon keine Verträge vorhanden sind". Die Schulleiterin habe lediglich versprochen, die Betreuerinnen zu gegebener Zeit zu informieren und stelle die Gemeinde vor vollendete Tatsachen: "Da haben wir schon verloren."

Weil erklärt sich dazu bereit, einen zweiten Gesprächsversuch zu unternehmen. Doch wieder hoffen die Anwesenden vergebens. Sie dürfe nicht ins Unreine reden, habe Wall ihn abgewiesen. Die Gemeinde "kenne sie ja", das versprochene Gespräch würde es auf jeden Fall geben. Nur wann? Das ist die Frage, die sich die Anwesenden nun stellen. "Sie will nicht mit uns reden", hört man aus allen Richtungen. Der zehnjährige Schüler Tom kommentiert die Situation aus seiner Sicht: "Wir sind doch heute hier, um zu reden. Was will sie mehr?" Er ist nicht der Einzige, der an dieser Frage verzweifelt.

Nachtrag: Nur drei Stunden hingen die Plakate, dann machte die Rektorin von ihrem Hausrecht Gebrauch. Eine Betreuerin sollte die Plakate abhängen. Das lehnte diese ab, da sie nichts damit zu habe; es handele sich um eine Aktion der Eltern. Am Ende mussten die Kinder die Schilder abhängen.

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