Seit der coronabedingten Schulschließungen müssen Eltern ihre Kinder von zu Hause aus unterrichten. Eine Umfrage des Kreiselternbeirats zeigt nun, dass sich viele Eltern damit allein gelassen fühlen.	FOTO: DPA
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Seit der coronabedingten Schulschließungen müssen Eltern ihre Kinder von zu Hause aus unterrichten. Eine Umfrage des Kreiselternbeirats zeigt nun, dass sich viele Eltern damit allein gelassen fühlen. FOTO: DPA

»Eltern fühlen sich allein gelassen«

  • vonMarion Müller
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Wetteraukreis (mmf/pm). Die Schulen in Hessen sollen nach und nach wieder geöffnet werden - ab dem 2. Juni sollen alle schulpflichtigen Kinder wieder die Schule besuchen dürfen. Seitdem die Schulen geschlossen sind, müssen Eltern Beruf und Kinder noch besser unter einen Hut bekommen - und zu Hause unterrichten. Wie erleben sie diese Situation? Vom 21. April bis zum 5. Mai hat der Kreiselternbeirat des Wetteraukreises eine Elternumfrage zu den Erfahrungen durch die coronabedingten Schulschließungen durchgeführt. Eins wird dabei klar: Viele Eltern fühlen sich von der Schule allein gelassen.

Die Resonanz war nach Angaben des Kreiselternbeirats groß: 6058 ausgefüllte Onlineformulare und etwa 2000 Kommentare. Allein 48 Prozent der Rückmeldungen stammten aus dem Grundschulbereich. Es handele sich nicht um eine repräsentative Befragung, doch »aufgrund der hohen Teilnehmerzahl, der über die Laufzeit recht konstanten Werte bei der Beantwortung der einzelnen Fragen und der vielen persönlichen Kommentare halten wir die Ergebnisse aber durchaus für belastbar«, sagt der Vorsitzende Thomas Seeling.

Qualität Fernbeschulung: Hier gebe es große Unterschiede, die stark geprägt seien von den einzelnen Lehrern. 70 Prozent gaben demnach an, die Fernbeschulung folge auch innerhalb einer Schule keinem einheitlichen Konzept (76 Prozent bei Grundschulen). Die Unterschiede zeigten sich besonders in der Art der Interaktion mit den Schülern. Fehlende Rückmeldungen zu den erledigten Aufgaben und Unterstützung bei der Erarbeitung von Inhalten seien auch in den Kommentaren häufig bemängelt worden. Die Eltern fühlten sich überfordert, von der Schule allein gelassen und unter Druck gesetzt, die Rolle der Lehrer ersetzen zu müssen. 20 Prozent der Teilnehmer gaben die Interaktion mit »ohne Feedback« (Grundschulen: 55 Prozent) an. »Interaktion mit Feedback in allen Fächern« nannten elf Prozent (17 Prozent). Die übrigen 69 Prozent gaben »Interaktion mit Feedback in manchen Fächern« an (28 Prozent). Es gebe allerdings auch Schilderungen von sehr guter Betreuung durch Lehrer etwa in Form von Videokonferenzen. Zur Frage der Fortsetzung der Fernbeschulung geben 29 Prozent an, »es kann so weitergehen« (Grundschulen: 39 Prozent), 46 Prozent »kann so weitergehen, wenn es Verbesserungen gibt« (33 Prozent) und 25 Prozent halten »grundsätzliche Änderungen« für nötig (28 Prozent).

Schulöffnung: Das Umfrageergebnis zeige ein gespaltenes Meinungsbild: 49 Prozent seien für die Schließung (Grundschulen: 42 Prozent), 39 Prozent gegen Schließung (45 Prozent) und zwölf Prozent ohne Meinung (13 Prozent). Auf der einen Seite stünden die vielfältigen Schwierigkeiten mit dem Fernunterricht, der Betreuung zu Hause und die Tatsache, dass nicht alle Schüler die notwendige Unterstützung im Elternhaus bekommen könnten. Für viele Eltern sei es unmöglich, ihre Berufstätigkeit und die Kinderbetreuung zu vereinbaren. Ein großes Problem bei vielen Schülern sei die geringe Motivation im Fernunterricht.

Auf der anderen Seite stehe die Sorge über die Realisierbarkeit der Abstands- und Hygieneregeln im Schulbetrieb und die Qualität des angebotenen Präsenzunterrichts unter den gegebenen Einschränkungen. Diese Befürchtungen seien durch die Schulöffnungen für die Abschlussklassen bestätigt worden: Die Hygieneregeln würden vielfach nicht eingehalten und nicht kontrolliert. Viele Lehrer fehlten, da sie zu Risikogruppen gehörten. Die Verbindung von Präsenz- und Fernunterricht sei nicht ausreichend koordiniert.

Fazit: Das Schulöffnungskonzept werde viele der aktuellen Probleme nicht lösen. Der Kreiselternbeirat befürchtet eher eine Verschärfung, da ein Großteil der Lehrer im Präsenzunterricht gebunden sei. Dieser werde aber nur einen eingeschränkten Fächer- und Stundenumfang an einzelnen Tagen abdecken. Der Fernunterricht und die Notwendigkeit der Betreuung zu Hause bleibe mit allen beschriebenen Problemen bestehen.

Seeling: Mängel spitzen sich zu

Der Kreiselternbeirat fordert, dass Homeschooling weiterzuentwickeln. Viele der jetzt auftretenden Probleme seien eine Zuspitzung bereits vorher vorhandener Mängel. »Die verpasste Digitalisierung rächt sich in der jetzigen Situation. Mangelhafte Raum- und Personalausstattung, die Vernachlässigung der Hygiene in den Sanitäranlagen, eine Schülerbeförderung in überfüllten Linienbussen - all dies erschwert die Rückkehr zum Normalbetrieb.« Die »verschärft im Fernunterricht zutage tretende Chancenungleichheit« sowie die starke Abhängigkeit des Bildungserfolges vom Elternhaus waren laut Kreiselternbeirat auch vorher schon Probleme im Schulsystem.

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