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Die Hilfe rollt an: Fahrzeuge des Technischen Hilfswerks und der Feuerwehr suchen sich einen Weg nach Ahrweiler.

Wetterauer THW-Helfer packen in Ahrweiler mit an

THW-Helfer über Einsatz im Flutgebiet: »Viele Leute sind traumatisiert«

  • VonHarald Schuchardt
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17 Mitglieder des THW-Ortsverbandes Friedberg waren während der Flutkatastrophe im Einsatz. Dabei erlebten sie dramatische Momente, aber auch Dankbarkeit.

Stefan Wießner ist seit 34 Jahren im Logistikbereich des Technischen Hilfswerks tätig. Auch beim Elbe-Hochwasser 2013 war der Butzbacher vor Ort im Einsatz. Was er aber bei seinen zwei Einsätzen im Ahrtal erlebt und gesehen hat, wird er wohl nie vergessen. »Es war bedrückend. Da standen Leute barfuß vor mir im Schlamm. Sie hatten alles verloren«, erzählt der Projektleiter beim Frankfurter Dienstleistungskonzern WISAG.

Zusammen mit Truppführer Lars Lorenz (33), seit sechs Jahren beim THW aktiv, war der 53-Jährige schon 24 Stunden nach dem Hochwasser im Ahrtal. »Es war für mich sofort klar, da zu helfen. Mein Chef hat ›Ja‹ gesagt und sogar meine Frau fand es toll«, erzählt Wießner.

Vielfältiger Einsatz des THW Friedberg im Ahrtal: Am Spendentelefon Fragen beantwortet

Nicht direkt im Einsatzgebiet, sondern im Zentrallager auf dem Nürburgring war Alexander Krämer fünf Tage lang im Einsatz. Der 39-jährige Fluggerätetechniker ist seit acht Jahren im THW aktiv, noch immer ist er von der Spendenflut überwältigt. »Was da ankam, ist unvorstellbar, war aber auch eine Herausforderung«, erzählt der ehemalige Wöllstädter, der jetzt im niedersächsischen Rinteln lebt, aber weiter beim THW in seiner Heimat aktiv ist.

Neben dem Sortieren der eingegangenen Sachspenden half Krämer bei der Zusammenstellung und Organisation der Transporte vom Zentrallager in die Katstrophengebiete. Auch am Spendentelefon saß Krämer und beantwortete unzählige Fragen.

Den Einsatz der Wetterauer Helfer hat Zugführer Dennis Metzger im THW-Stammsitz des Ortsverbandes in der Friedberger Raiffeisenstraße 14 koordiniert. »Der erste Alarm kam wenige Stunden nach Beginn der Flut«, erzählt der 33-Jährige, der diesmal nicht ins Katastrophengebiet fuhr. »Ich habe im Hintergrund die Fäden gezogen,« sagt Metzger, der nach der Alarmierung Helfer gesucht und die Transporte zusammengestellt hat. »Alle unsere zehn Fahrzeuge und Anhänger waren im Einsatz«, erzählt der Techniker für Automatisierungstechnik.

Bei Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und NRW: THW Friedberg im Einsatz

Dabei kam erstmals der im letzten Jahr in Dienst gestellte Logistik-Container zum Einsatz. »Da ist alles drin, was für solche Einsätze benötigt wird«, erklärt Krämer, während er den Container öffnet. »Der ist wieder vollgepackt und einsatzbereit«, sagt Lorenz. Fest im Container installiert ist ein Kran zum Herausheben der schweren Arbeitsgeräte.

Beim ersten Zwei-Tage-Einsatz Mitte Juli ging es für den Konvoi aus der Kreisstadt zunächst auf das Betriebsgelände von Haribo in Grafschaft unweit der A 61. »Das war der Bereitstellungsraum für den Einsatz in Bad Neuenahr-Ahrweiler«, erklärt Metzger. Von dort ging es weiter nach Ahrweiler, wo der Trupp um Lars Lorenz einen besonderen Auftrag erhielt: »Wir sollten eine demente Frau aus dem zweiten Stock eines Hauses retten, doch sie war nicht mehr da.«

Von Augenzeugen erfuhr der Trupp, dass die Hausbewohnerin schon gerettet worden war. Derweil stand Wießner mit seinem Fahrzeug auf einer der wenigen noch befahrbaren Brücken. Bundeswehr-Hubschrauber setzten hier Bewohner ab, die sie von den Hausdächern gerettet hatten. »Viele waren traumatisiert«, erinnert sich Wießner. Beim zweiten, dann fünftägigen Einsatz ab dem 21. Juli waren die acht Mitglieder aus dem Ortsverband Friedberg noch näher am Geschehen dran.

Kuriose Szenen inmitten des Leids der Flutkatastrophe: Wie kam das Ei in den Schlafsack?

Logistik-Stützpunkt war die Sommerrodelbahn Ahrweiler samt einem kleinen Hotel, in dem die sanitären Anlagen genutzt werden konnten. »Feuerwehren, Polizei, DRK und wir haben Hand in Hand zusammen gearbeitet«, betont Wießner, der eines Abends ein Ei in seinem Schlafsack fand: »Da liefen nach der Flut herrenlose Hühner rum, die haben Plätze gesucht, wo sie Eier legen konnten.«

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Vom Lager aus ging es in Konvois nach Ahrweiler, so nah wie möglich, denn »von drei Straßen waren zwei unbefahrbar,« sagt Lorenz, der mit seinem Trupp und anderen über Feldwege und quer durch Weinberge den sehr stark zerstörten Ort Dernau erreichte. Aktuell ist aus dem Ortsverband der Ortsbeauftragte Christoph Valentin vor Ort, er ist als Fachberater in der technischen Einsatzleitung tätig. »So eine Zerstörung konnte ich mir vorher nicht vorstellen,« sagt Wießner. (Harald Schuchardt)

Weitere Einsatzkräfte aus der Wetterau berichten von ähnlichen Erfahrungen. Das Bild der maximalen Zerstörung vor Ort kann kaum in Worte gefasst werden und die Eindrücke erinnern wirklich an Fotos aus der Kriegszeit«, berichtet einer, der in Erftstadt-Blessem im Einsatz war.

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