Die JVA Rockenberg versucht, den jungen Insassen einen "normalen" JVA-Alltag zu ermöglichen.	FOTO: NICI MERZ
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Die JVA Rockenberg versucht, den jungen Insassen einen »normalen« JVA-Alltag zu ermöglichen.

Mehr Isolation für Strafgefangene

Eingesperrt in Zeiten der Pandemie

  • VonSophie Mahr
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Die Coronapandemie hinterlässt ihre Spuren auch im Gefängnis. In den Justizvollzuganstalten Butzbach und Rockenberg gab es wenig Infizierte, doch die Regeln bedeuten zum Teil große Einschnitte.

Bisher hat sich das Coronavirus nicht in den Gefängnissen ausgebreitet. So habe es bisher in der JVA Rockenberg keinen positiven Fall bei einem Insassen gegeben, wie Michael Achtert, Sprecher des Hessischen Justizministeriums, auf Anfrage der WZ mitteilt. »Von der Belegschaft waren vier Personen in verschiedenen Zeiträumen infiziert. Aufgrund des umfassenden Hygienekonzepts zogen diese Infektionen keine weiteren nach sich.«

Hoher Druck auf Mitarbeiter

Der Druck auf die JVA-Mitarbeiter sei in diesen Zeiten ohnehin schon hoch, berichten die Seelsorgerinnen Julia Held und Barbara Zöller von der JVA Butzbach. Dazukomme die Sorge, das Virus in die Anstalt zu tragen. Viele nähmen sich daher privat sehr zurück.

»Besonders in diesen Krisenzeiten sind die Mitarbeiter gefragt, denn sie kommunizieren die Regeln, und sind oft auch eine Art Puffer zwischen den Sorgen der Männer und dem, was das Virus uns gesellschaftlich abverlangt.«

Gleiche Hygieneregeln wie draußen

Auch im Knast gelten die gleichen Regeln wie draußen: Mitarbeiter, Externe und auch Gefangene müssen in bestimmten Bereichen Mund-Nasen-Bedeckungen tragen. Desinfektionsmittel steht bereit, der Abstand soll eingehalten werden - was bei rund 400 Mitinhaftierten wie in Butzbach nicht immer leicht ist. Und die Kontakte sollen auf ein Mindestmaß beschränkt werden.

Während des ersten Lockdowns im Frühjahr durften soziale Kontakte nur noch per Brief, Telefon oder Videoanruf gepflegt werden. Gleichzeitig wurden die Behandlungsmaßnahmen zur Resozialisierung ausgesetzt und auch die Arbeitseinsätze der Gefangenen ei ngeschränkt.

Kontingente zum Telefonieren erhöht

Es habe Unruhe gegeben, da die Gefangenen erst von dem Besuchsverbot erfahren hätten, als es bereits in Kraft war, berichtet Manuel Matzke, Sprecher der Gefangenengewerkschaft GGBO. »Die Betroffenen sollten in die Entscheidungen miteinbezogen werden«, findet er.

Es sei »schön und gut«, dass die Kontingente zum Telefonieren erhöht sowie die Videotelefonie ermöglicht worden seien. Jedoch koste das Telefonieren in vielen Anstalten Geld. Dadurch, dass einige Gefangene nicht mehr arbeiten gehen könnten und es keine Lohnvorauszahlungen gebe, sei es für manche schwierig, die Telefonate bezahlen zu können.

Skype-Plätze und längere Telefonzeiten

»Die errichteten Skype-Plätze und die verlängerten Telefonzeiten - von zwei auf vier Stunden im Monat - bieten ein zusätzliches Angebot. Aber sind selbstverständlich kein Ersatz für die Nähe zur Familie und zu Freunden«, sagen die Seelsorgerinnen Held und Zöller.

Es werde versucht, trotz der Maßnahmen zum Infektionsschutz so wenige Einschränkungen wie möglich im Justizalltag zu machen, sagt Ministeriumssprecher Achtert. »Deshalb laufen in der JVA Rockenberg Ausbildung, Arbeit, Schule, Sport, Behandlungsmaßnahmen und Ähnliches fast uneingeschränkt weiter.«

Engmaschige Überwachung

In Butzbach sei das ähnlich. Beim Arbeitseinsatz sei dagegen noch keine Vollbeschäftigung möglich. Die Frage, wann es Lockerungen gibt oder ob weitere Einschränkungen folgen, beschäftige die Gefangenen sehr, wie die Seelsorgerinnen berichten.

Auch für die Aufnahme neuer Insassen gibt es zusätzliche Regelungen. So nimmt Butzbach auch Häftlinge der JVA Gießen und Limburg auf.

»Die Neuzugänge werden für zehn Tage einzeln in gesonderten Bereichen untergebracht, ärztlich untersucht und engmaschig auf Infektionsanzeichen hin überwacht. Nach Ablauf der potenziellen Inkubationszeit werden die Gefangenen - nach Rücksprache mit dem medizinischen Dienst und sofern zwischenzeitlich keine Krankheitsanzeichen aufgetreten sind - in die für sie zuständigen Haftbereiche oder Anstalten verlegt«, erklärt Achtert.

Tägliche Freistunde mit Abstand

Einer der Neuzugänge sei positiv getestet worden. »Dieser wurde von anderen Gefangenen vollständig isoliert. Er zeigte keinerlei Symptome, wurde aber täglich vom anstaltsärztlichen Dienst aufgesucht.«

Auch bereits Inhaftierte, die von Außenterminen oder aus vollzugsöffnenden Maßnahmen zu rückkehren, werden getestet. Die tägliche Freistunde fände - unter Wahrung des Abstands - auch während der getrennten Unterbringung statt.

Kein Besuch von Kindern

Besuche in den JVA Rockenberg und Butzbach sind derzeit nur unter Einschränkungen möglich. Die veränderten Besuchsregeln träfen die Gefangenen hart, wie die Seelsorgerinnen Julia Held und Barbara Zöller von der JVA Butzbach berichten.

Es gebe momentan nur zwei Besuchstage - und diese auch nur für sehr nahe Angehörige aus einem Hausstand. »Kinder dürfen in dieser Situation gar nicht zu Besuch kommen und Jugendliche werden erst ab einem Alter von 14 Jahren zugelassen. Vielen Vätern fehlt die Umarmung der Kinder, der Ehefrau, die Nähe und Vertrautheit«, sagen Held und Zöller.

Sorge um Beziehungen

Wegen der fehlende Nähe sorgten sich viele Insassen um ihre Beziehungen. Zudem müsse man bedenken, dass nicht alle Gefangenen eine Familie hätten. Daher bekämen einige gar keine Besuche.

»Es ist gut und wichtig, dass Besuche weiterhin stattfinden können. Daran sollte auch in Zukunft festgehalten werden«, sagt Manuel Matzke, Sprecher der Gefangenengewerkschaft. Diese seien für eine effektive Resozialisierung notwendig. »Zur Not sollte man Schnelltests einsetzen, bevor die Besuche wieder verboten werden.«

Angehörige leiden ebenfalls

Doch nicht nur für die Gefangenen sei die Situation schwer, auch die Angehörigen litten darunter. »Wiederkehrende Fragen sind: Wie geht es meinem Mann? Ist er dort gut vor dem Virus geschützt? Gibt es Infizierte in der Anstalt?«, berichten Held und Zöller.

Hier versuchen die Seelsorgerinnen zu beruhigen, können aber keine direkten Aussagen machen. »Um die fehlenden Kontakte etwas aufzufangen, bietet die Seelsorge den Vätern, die es möchten, die Möglichkeit zum Basteln für ihre Kinder an.« Zudem gebe es das Angebot, zu Weihnachten eine von den Vätern eingesprochene CD mit Geschichten aufzunehmen.

Besuche in den JVA Rockenberg und Butzbach sind derzeit nur unter Einschränkungen möglich. Die veränderten Besuchsregeln träfen die Gefangenen hart, wie die Seelsorgerinnen Julia Held und Barbara Zöller von der JVA Butzbach berichten. Es gebe momentan nur zwei Besuchstage - und diese auch nur für sehr nahe Angehörige aus einem Hausstand. »Kinder dürfen in dieser Situation gar nicht zu Besuch kommen und Jugendliche werden erst ab einem Alter von 14 Jahren zugelassen. Vielen Vätern fehlt die Umarmung der Kinder, der Ehefrau, die Nähe und Vertrautheit«, sagen Held und Zöller. Wegen der fehlende Nähe sorgten sich viele Insassen um ihre Beziehungen. Zudem müsse man bedenken, dass nicht alle Gefangenen eine Familie hätten. Daher bekämen einige gar keine Besuche. »Es ist gut und wichtig, dass Besuche weiterhin stattfinden können. Daran sollte auch in Zukunft festgehalten werden«, sagt Manuel Matzke, Sprecher der Gefangenengewerkschaft. Diese seien für eine effektive Resozialisierung notwendig. »Zur Not sollte man Schnelltests einsetzen, bevor die Besuche wieder verboten werden.« Doch nicht nur für die Gefangenen sei die Situation schwer, auch die Angehörigen litten darunter. »Wiederkehrende Fragen sind: Wie geht es meinem Mann? Ist er dort gut vor dem Virus geschützt? Gibt es Infizierte in der Anstalt?«, berichten Held und Zöller. Hier versuchen die Seelsorgerinnen zu beruhigen, können aber keine direkten Aussagen machen. »Um die fehlenden Kontakte etwas aufzufangen, bietet die Seelsorge den Vätern, die es möchten, die Möglichkeit zum Basteln für ihre Kinder an.« Zudem gebe es das Angebot, zu Weihnachten eine von den Vätern eingesprochene CD mit Geschichten aufzunehmen. smf

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