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Mit einem Vogel zum Erfolg

  • vonHarald Schuchardt
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Friedberg(har). Cartoonisten aus der ganzen Welt nehmen alljährlich am internationalen Cartoonfestival "Der Goldenen Hut" in der belgischen Stadt Knokke-Heist teil. Die besten 100 von einer Fachjury ausgewählten Karikaturen werden alljährlich in einem Buch veröffentlicht.

In diesem Jahr reichten 1190 Cartoonisten aus 98 Ländern insgesamt 3800 Zeichnungen ein. Einer war der Friedberger Hans Haber, und er schaffte es schon zum zweiten Mal nach 2018 mit seiner Karikatur unter die besten 100 und damit in das aktuelle Buch "Cartoons 2020" des renommierten Festivals.

Auf den Wettbewerb stieß Haber eher zufällig im Internet. Karikaturen zeichnen war schon immer ein Hobby des 79-jährigen und das begann schon während seiner Schulzeit auf dem Gymnasium. "Ich habe immer gerne gemalt und gezeichnet. Manches war damals schon sehr bissig und ich habe dem ein oder anderen Lehrer damit keine Freude bereitet", meint der gebürtige Kasselaner, der seit 1986 mit Ehefrau Dagmar in der Kreisstadt lebt.

"Karikaturen zeichnen hat mich mein Leben lang begleitet", sagte der Journalist, der nach seinem Studium zunächst für die Hildesheimer und die Hannoversche Allgemeine tätig war. Danach war er bis zum Eintritt in den Ruhestand als Redakteur für die Gewerkschaftszeitung "Der Grundstein" bei der IG Bau in Frankfurt tätig.

"Wir haben damals eine Sonderausgabe zum 100-jährigen Bestehen der ältesten Gewerkschaftszeitung überhaupt herausgegeben", erinnert sich der Vater zweier erwachsener Kinder. Wenn es passte, zeichnete Haber eine Karikatur zu den Artikeln.

Seit er im Ruhestand ist, widmet er sich verstärkt seinem Hobby. Etliche Karikaturen erschienen in Tageszeitungen, wie der Neuen Osnabrücker Zeitung oder der Frankenpost Hof. Immer wieder veröffentlicht die Satirezeitschrift "Eulenspiegel" eine Karikatur Habers, so wie in ihrer vorletzten Ausgabe.

Gegen Profis durchgesetzt

Auch dem "Kleinen Friedberger Guckkasten" der Wetterauer Zeitunghat er einige seiner oft durchaus bissigen Karikaturen zur Verfügung gestellt. "Inzwischen sind es bestimmt 800 Karikaturen, die ich gezeichnet habe", erzählt Haber. Politischen Themen nimmt er sich ebenso gerne an wie der breite Facette der zwischenmenschliche Beziehungen oder der Situation im Gesundheitswesen.

Aktuell hat Haber auch eine Karikatur zur Maskenpflicht gezeichnet und zum scheinbar nicht enden wollenden Auszählungsverfahren bei der amerikanischen Präsidentenwahl. "Da werde ich wohl die Bildunterschrift noch ändern", meint der Karikaturist, der zum Wettbewerb in Knokke-Heist meist nur eine Karikatur einsendet, obwohl bis zu fünf Arbeiten pro Cartoonist erlaubt sind.

"Cartoons ohne Worte sind die Königsdisziplin, denn sie müssen auf der ganzen Welt nur durch das Anschauen sofort verstanden werden." Das ist Haber mit seinem Vogel mit einem Wurm im Schnabel, der über singende Männer mit weit geöffnetem Mund fliegt, vortrefflich gelungen. Es bleibt der Fantasie des Betrachters überlassen, was da noch geschieht.

Die Ideen zu seinen Karikaturen hat er oft abends im Bett, daher liegt immer ein Block und ein Stift auf dem Nachttisch. "Da komme ich zur Ruhe, und die brauche ich", sagt Haber, der für eine Zeichnung dann meist nur eine Stunde benötigt.

"Ist die Idee erstmal da, geht es meistens recht schnell", sagt Haber, der sich freut, dass er es als "Amateur" oder "höchstens Halbprofi" zum zweiten Mal geschafft hat, sich gegen professionelle Zeichner durchzusetzen.

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