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Sie wollen mit dem Sinfonieorchester Cuenca Anton Bruckners späte Sinfonien aufführen: Chefdirigent Michael Meissner (l.), mit dem Wagnertubenquartett (v. l.) Kai Hennig von Lange, Andrea Lässig, Bernd Sensenschmidt und Volker Michel in der Alten Kathedrale Cuenca. Dort haben sie Ende Januar noch geprobt. FOTO: PV

In einem Jahr soll es klappen

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Wetteraukreis(pm). Reisen und Urlaub machen stehen momentan in weiter Ferne. Dennoch gibt es ein engagiertes musikalische Projekt mit Musikern aus der Wetterau, das in Ecuador in genau einem Jahr stattfinden soll. Vier Hornisten, zwei davon aus der Wetterau, und weitere deutsche Musiker wollen in der Osterwoche 2021 in Cuenca gemeinsam mit den ecuadorianschen Kollegen proben und Anton Bruckners Sinfonie Nr. 9 d-Moll aufführen. Mit dabei ist Volker Michel aus Friedberg.

Die deutsche Diplom-Geographin Inga Sensenschmidt hatte die Idee, Ecuador mit einer Musikgruppe zu bereisen und gemeinsam mit Einheimischen zu musizieren. Sie betreibt eine in Ecuador ansässige Reiseagentur "Pakay Tours" und sammelt seit 2012 Erfahrungen. Sie bietet bei Rundreisen optional die Vermittlung von Unterkunft bei indigenen Familien an, die von indigenen Ökotourismus-Unternehmen organisiert werden.

Finanzierung ist schwierig

2019 war es schließlich mit dem musikalischen Projekt so weit: Eine Gruppe deutscher Bläserinnen und Bläser aus NRW, Hessen, Rheinland-Pfalz, Niedersachsen und Sachsen reiste durch Ecuador, gab fünf eigene Konzert und erarbeitete zusammen mit dem Städtischen Sinfonieorchester Riobamba im zentralen Andenhochland ein Konzertprogramm und brachte es zur Aufführung.

Dabei entstanden Kontakte mit weiteren Musikerinnen und Musikern in Ecuador. Vor allem in Ecuadors drittgrößter Stadt Cuenca erwachte Kooperationsinteresse beim dortigen staatlichen professionellen Sinfonieorchester. Das leitet seit 2016 der aus Lauenburg an der Elbe stammende Michael Meissner. Als Liebhaber der späten Sinfonien von Anton Bruckner vermisste Meissner in Ecuador die für deren Aufführung erforderlichen vier Wagnertuben, die von Hornisten zu blasen sind. Gemeinsam mit den deutschen Partnern begannen 2019 Bemühungen, vier dieser Instrumente in Ecuador verfügbar zu machen.

Doch weder für Reisen von Projektensembles noch die Beschaffung von Instrumenten zeichneten sich Finanzierungsmöglichkeiten ab. Vier Hornisten, darunter Volker Michel aus Friedberg, finanzierten den Kauf von vier Wagnertuben vor, und der deutsche Honorarkonsul in Cuenca fand einen Weg der Refinanzierung durch den deutschen Kulturverbund in Ecuador. Mit den auf den Wagnertuben unter Volker Michels Leitung gut vorbereiteten Hornisten reisten weitere drei Musiker und fünf Begleitpersonen im Januar nach Ecuador. An vier Vormittagen probten in Cuenca sieben deutsche Musiker gemeinsam mit ihren dortigen Sinfonieorchesterkollegen unter Leitung von Michael Meissner und führten zweimal Anton Bruckners Sinfonie Nr. 7 E-Dur in Cuencas Alter Kathedrale auf.

Bereits drei Wochen später wurden die vier zurückgelassenen Wagnertuben vom Nationalen Sinfonieorchester Ecuadors in der Hauptstadt Quito bei einer Aufführung von Bruckners 7. Sinfonie genutzt.

Unterstützung für Orchester

Die deutschen Kooperationspartner leisten seither unermüdlich Unterstützung für die Orchesterarbeit in einem Land, das unter dem anhaltend niedrigen - und zuletzt vor wenigen Wochen nochmals gefallenen - Rohölpreis stark leidet und seine vier staatlichen Sinfonierorchester "kurzhalten" muss.

Teil zwei des "Bruckner-Projekts" des Sinfonieorchesters Cuenca ist schon verabredet: Vier Hornisten, zwei davon aus der Wetterau, und weitere Musiker wollen in der Osterwoche 2021 in Cuenca gemeinsam mit den ecuadorianschen Kollegen proben und Bruckners Sinfonie Nr. 9 d-Moll aufführen. Eingebettet sein wird das wiederum in eine für alle (auch Nichtmusizierenden) offene dreiwöchige Ecuador-Rundreise. In Cuenca wie hier herrscht bereits Vorfreude und die Hoffnung, dass die Corona-Pandemie das Vorhaben nicht vereiteln wird.

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