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Eineinhalb Stunden gute Laune

  • vonChristine Fauerbach
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Friedberg(cf). Beim Programm von Hellmut Hattler und seiner Elektronik-Jazz-Band "Hattler" hatte der Herbstblues am Samstagabend keine Chance. Zum Motto "Live Cuts" unterhielt der Bassist gemeinsam mit seiner Band seine Fans im Alten Hallenbad mit einer inspirierenden Mischung seiner Hits.

Mitreißende und tanzbare Rhythmen wechselten sich mit ruhigen Passagen ab, wie bei "So low" aus dem 2006 veröffentlichten Album "The Big Flow". Dazu präsentiert die Band Kompositionen mit komplexen Strukturen und funkigen Bezügen (Marseille). Schnell war zu hören, dass die drei virtuos aufspielenden Musiker und Sängerin Fola Dada ihr Metier beherrschen. Und das live gespielte Stücke trotz ihrer Bekanntheit über ein großes Ohrwurm-Potenzial verfügen.

Zwischen Rock und Jazz

Ob leise oder laut, ob mit Gesang oder instrumental, die 70 Konzertbesucher im großen Saal des Theaters Altes Hallenbad hörten konzentriert zu und waren hingerissen. Bereits nach den ersten Titeln schwärmte ein Zuhörer mit vor Begeisterung leuchtenden Augen: "Ein grandioser Bassist und ein toller Gitarrist stehen da auf der Bühne."

Das zeigte sich vor allem bei den "Zwiegesprächen" von Hellmut Hattlers sattem Bass mit dem Sound der metallisch funkelnden Gitarre von Torsten de Winkel. Da befruchteten sich zwei Instrumentalisten bei den jazz-rockig grundierten Titeln des Programms mit ihrem Können gegenseitig zum Vorteil des Publikums.

Mit Torsten de Winkel hat Bandleader Hattler bereits in den 1980er Jahren zusammengespielt. Nach 15 Jahren in New York kehrte Torsten de Winkel zurück und spielt seit 2006 wieder live wie in Friedberg mit Hellmut Hattler zusammen. Aber auch mit der fantastischen Sängerin Fola Dada versteht sich der Instrumentalist Hattler bei den souligen Popsongs wie "Teaser" bestens. Das Duo sorgt mit Vocal-Bass-Duetten für Gänsehaut-Feeling. Die Sängerin steht mit ihrer warmen Stimme vor allem bei den soulig-beseelten Nummern im Mittelpunkt der Show.

Für ihr Album "No Eats Yes" wurde die Band 2001 mit dem deutschen Schallplattenpreis "ECHO" (Jazz national/international) ausgezeichnet. Gemeinsam mit Hattler versprühten Sängerin Fola Dada, Gitarrist Tosten de Winkel und Schlagzeuger Oli Rubow "der Mann, der alles kann", eineinhalb Stunden lang gute Laune pur. Die hohe Qualität des Spiels, die anhaltende Spielfreude des Quartetts, der eingängige Sound und die erfrischend abwechslungsreiche Livemusik blieben nicht ohne Folgen. Das Publikum sog förmlich die Musik in sich auf.

Einige wiegten sich im Takt der Musik, andere klatschten begeistert mit. Bei temporeichen Titeln wie "Delhi News" ging der Punk ab. Effektvolle Akzente setzte immer wieder Schlagzeuger Oli Rubow. Wie Andrej Seuss von der Kultur-AG des Alten Hallenbades informierte, hat Hellmut Hattler, Mitgründer der legendären Krautrock-Gruppe "Kraan" und dem Zwei-Mann-Projekt "Tab Two" zusammen mit dem Trompeter Joo Kraus, in der Kreisstadt viele Fans. "Hellmut Hattler war bereits öfters in Friedberg. Der vielseitige Musiker und Komponist ist eine Legende in der deutschen Rock-Jazz-Szene. Das Konzert mit ihm war bereits 2019 anberaumt und wurde aufgrund seiner Leukämie-Erkrankung abgesagt. Heute wird es nachgeholt. Freuen dürfen sich seine Fans auf eine Mischung aus Clubsounds, Psychedelic Pop und NU-Jazz in Live-Versionen."

Die Band versprühte großzügig ihre musikalische Energie im Farbenrausch von Scheinwerfern und Video-Show. Mit ihrem unverwechselbaren Sound, ihrem Können und ihrer faszinierenden Show dürfen die vier Ausnahmekünstler einige neue Fans hinzugewonnen haben. Nach den stürmisch geforderten Zugaben entließ die Band ihr Publikum in die vom Vollmond magisch erhellte Herbstnacht.

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