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Eine Stadt wird zum »Escape Room«

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Von: red Redaktion

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Die Elvis-Ampel ist eine markante Stelle in Friedberg: Bei einer neuen Rallye kann man die Stadt auf besondere Weise erkunden. Dabei darf es ruhig knifflig werden. © pv

Friedberg (pm). Wie wäre es, wenn man sich (fast) beliebig in der Zeit nach vorne und zurück bewegen könnte? Große Science-Fiction-Romane und -Filme sind zu diesem Thema immer wieder entstanden. Zuletzt die Netflix-Serie »Dark«, die in einer gewöhnlichen deutschen Kleinstadt spielte. Eine gewöhnliche Kleinstadt ist Friedberg auch, oder vielleicht doch nicht?

Wer mit Julia Siegfrieden, der Hauptprotagonistin der neuen Friedberger Stadtrallye, unterwegs ist, kann sich die Frage am Ende selbst beantworten.

Die Idee dazu, so die Leiterin des Friedberger Kulturservices Sigrid Bartsch, ist in der Corona-Zeit entstanden. »Einerseits wollten wir etwas anbieten, das an der frischen Luft stattfinden kann, andererseits ging es aber auch darum, einer jüngeren Zielgruppe etwas anzubieten. Sprich jungen Menschen, die jetzt nicht unbedingt auf eine mehr oder weniger klassische Stadtführung Lust haben oder diese schon als Pflichtveranstaltung ihrer Schule durchlaufen haben.«

Doch wie plant man eine solche Rallye? Schnell war klar. Da braucht es Profis, die in der Lage sind, die Aufgaben so zu stellen, dass man beim Lösen Kreativität, Logik und Wissen braucht. Den Profi fanden Sigrid Bartsch und Christina Hahner in Simon Zimpfer.

Tief in die Historie eingetaucht

Der Spieleentwickler gehört zum Team der Berliner Spielarchitekten, die sich zu den Pionieren der Entwicklung von »Escape Rooms« zählen dürfen. Pionier ist die Stadt Friedberg hier auch. »Escape Rooms«, Räume, aus denen man wieder herauskommt, indem man Rätsel löst, gibt es bisher fast nur in Großstädten, bei Kleinstädten ist die Kreisstadt der Wetterau ganz vorne mit dabei.

Der Spiele-Designer musste zunächst Pionierarbeit leisten und tief in Friedbergs Geschichte eintauchen. Nach einem ersten Gespräch mit dem Friedberger Kulturservice, in dem die Eckdaten wie durchschnittliche Länge der Tour, analog oder digital und so weiter geklärt waren, ging es vor Ort. Einen Tag lang war Zimpfer mit dem Friedberger Stadtführer Roland Reichl unterwegs. Am Ende hatte er die bedeutendsten Personen und Ereignisse erfasst, Orte fotografisch festgehalten und auf einem eigenen Stadtplan verortet. Diese Vorbereitungen, erläutert Simon Zimpfer, seien die Basis für die Entwicklung einer gelungenen Rallye.

Denn jetzt begann die eigentliche Arbeit: Über 80 Stunden, und da sind die Besuche und Testläufe in Friedberg nicht mitgerechnet, hat das Spielarchitekten-Team für die Friedberg-Rallye investiert. »Sind die Wege zwischen den einzelnen Orten kurz genug, ist klar und verständlich, wie ich von A nach B komme, sind die zu entdeckenden Orte oder Sachen visuell schnell erkennbar, passen die Geschichte und die dafür zu lösenden Rätsel/Aufgaben zusammen, welche Infos bauen wir in die Geschichte ein?« All das sind Fragen, die sich Zimpfer und sein Team immer wieder stellen, damit die Rallye nicht nur rund wird, sondern die Teilnehmer auch ein beglückendes Gefühl erleben können. »Das ist der Idealzustand. Und den bekommen wir nur hin, wenn die Rallye nicht überfordert, aber auch nicht unterfordert«, sagt Zimpfer.

»Escape Rooms« sind schon seit einigen Jahren sehr bekannt. Diese auf den öffentlichen Raum auszudehnen, ist eine Weiterentwicklung der Grundidee. Der Vorteil liegt auf der Hand: Städte können sich auf eine neue spannende Art darstellen, die Teilnehmer können jederzeit starten und auch unterbrechen, wenn die Wettervorhersage nicht hält, was sie verspricht. Aber, sagt Sigrid Bartsch, das Schönste sei doch, dass diese Rallye eine gemeinschaftliche Aktion ist. Ob mit Familie, Freunden, Arbeitskollegen - immer geht es darum, unterschiedliche Fähigkeiten der Teammitglieder einzusetzen, um gemeinsam zum Ziel zu kommen.

»Für mich ist besonders wichtig, dass es ein besonderes Ende gibt«, verrät Simon Zimpfer. In Friedberg sei dies auf jeden Fall gelungen. Noch eine kleine Vorankündigung. Die zweite Route steht auch schon. Die Geschichte kann also weitergehen.

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