Inge und Bernd Glaum verabschieden sich nach über 25 Jahren vom Friedberger Wochenmarkt. Am letzten Öffnungstag sind die beiden mit ihrem Stand noch mal umgezogen.	FOTO: LOD
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Inge und Bernd Glaum verabschieden sich nach über 25 Jahren vom Friedberger Wochenmarkt. Am letzten Öffnungstag sind die beiden mit ihrem Stand noch mal umgezogen. FOTO: LOD

Eine Ära geht zu Ende

  • vonHarald Schuchardt
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Friedberg (har). Mehr als 25 Jahre lang haben Inge und Bernd Glaum auf dem samstäglichen Wochenmarkt in Friedberg Handkäse, Eier, Brot und Butter verkauft. Damit ist jetzt Schluss. Am Samstag verabschiedete sich das Ehepaar aus Hüttenberg von ihren vielen Stammkunden. Mit der Corona-Krise hat der für viele doch überraschende Abschied aber nichts zu tun. »Wir hatten es dieses Jahr ohnehin vor und gemerkt, dass heute der richtige Zeitpunkt ist«, erläutert Bernd Glaum und nennt auch den Grund dafür: »Ich bin 79, meine Frau ist zwei Jahre jünger. Irgendwann muss mal Schluss ein.«

Nachfolger ist gefunden

Dabei hatten sich die Stammkunden am Samstag gefreut, dass das Ehepaar nach sechswöchiger Corona-Pause wieder auf den Markt gekommen war - allerdings nicht am gewohnten Stammplatz direkt vor dem Café Rund, sondern einige Meter weiter auf der Kleinen Freiheit.

»Uns wurde der Platz zugewiesen, das ist schade, denn einige Stammkunden haben uns fast verpasst, wie sie uns erzählt haben«, sagt Inge Glaum, die schon mit ihrer Mutter vor mehr als 30 Jahren jeden Samstag auf den Markt gekommen war. Noch heute trauert das Paar seinem alten Stammplatz vor der Buchhandlung Bindernagel nach - zu den Zeiten, zu denen der Wochenmarkt noch entlang der östlichen Kaiserstraßenseite abgehalten wurde. »Da hatte jeder seinen festen Platz. So muss es auf einem Wochenmarkt sein«, sagt Bernd Glaum, der kein Freund des Wochenmarktumzugs auf den Elvis-Presley-Platz war und es auch bis heute nicht ist.

Nun also ist endgültig Schluss, jedoch müssen die Friedberger nicht auf Handkäs, Eier und Brot verzichten. »Wir haben einen Nachfolger aus unserem Ort gefunden«, freut sich Inge Glaum. Es ist Max Weber, der Enkel des Bäckers, dessen Brot die Glaums verkaufen. Ob der junge Mann schon am kommenden Samstag auf dem Wochenmarkt die bewährte Ware anbieten wird, steht noch nicht fest. »Den Antrag beim Ordnungsamt hat er gestellt, es fehlt aber noch die Genehmigung«, erläutert das Ehepaar, das zum Abschluss noch eine Bitte hat: »Schreiben Sie bitte, dass wir uns bei unseren Kunden für die lange Treue bedanken. Es hat uns immer viel Freude bereitet, nach Friedberg zu kommen.« Die Wochenmarkt-Besucher ihrerseits bedankten sich am Samstag immer wieder herzlich und auch mit Wehmut bei dem Ehepaar, ganz ohne Händeschütteln und mit dem gebührenden Abstand sowie mit Maske, die das Ehepaar für das letzte Foto kurz abnahm.

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