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»Ein Spiegel seines Lebens«

  • vonHarald Schuchardt
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Friedberg (har). Schon im letzten Jahr sollte im Wetterau-Museum eine Ausstellung mit ausgewählten Werken aus der Sammlung von Fritz Usinger gezeigt werden. Anlass war der 125. Geburtstag des 1982 verstorbenen Friedberger Dichters und Essayisten.

Aufgrund der Pandemie musste die Eröffnung zweimal verschoben werden. Mit einjähriger Verspätung war es am Wochenende nun endlich so weit. Nach Voranmeldung führte Museumsleiter Johannes Kögler die Besucher durch die Präsentation moderner Kunst.

Auf eine offizielle Eröffnung wurde pandemiebedingt verzichtet. Kögler hatte stattdessen Pressevertreter zusammen mit Bürgermeister Dirk Antkowiak zu einem Rundgang durch die Ausstellung eingeladen. Gekommen war auch Amtsleiterin Christine Böhmerl zusammen mit Charlotte Fumée. Die Studentin aus Friedbergs französischer Partnerstadt Villiers sur Marne absolviert derzeit ein Praktikum in der Stadtverwaltung.

Bereits 1991 hat Kögler im Wetterau-Museum eine Ausstellung mit Werken aus der Sammlung des 1982 verstorbenen Künstlers präsentiert. Knapp 40 der insgesamt gut 200 Exponate sind es aktuell. Usinger hat seine umfangreiche Sammlung moderner Kunst seiner Heimatstadt vermacht. Kögler: »Die Sammlung ist sehr stark mit der Person Usingers und dessen künstlerischen Werk verbunden.« Mit vielen Künstlern beschäftigte sich Usinger intensiv und pflegte oft einen freundschaftlichen Bezug. So hielt der Friedberger Dichter auch noch im hohen Alter unter anderem Eröffnungsreden bei Ausstellungen der Werke von Ernst Wilhelm Nay oder Hans Arp. Ferner schrieb er zahlreiche Essays, wie in den 60er Jahren über Arp, das 2006 vom Hans-Arp-Museum in Rolandseck im Rahmen einer umfangreichen Publikation wieder veröffentlicht wurde.

Original und Wiederveröffentlichung sind in einer der zahlreichen Vitrinen zu sehen, in denen mit Büchern, Briefen und Fotografien das Leben und Wirken Usingers gewürdigt wird. »Die Ausstellung ist ein Spiegel seines Lebens«, sagt Kögler.

Betritt der Besucher den Ausstellungsraum, steuert er unweigerlich auf Usinger und dessen Leben, das in einer der zahlreichen Schautafeln dokumentiert wird, zu. Das große Portrait Usingers des Darmstädter Künstlers Carl Gunsch-mann wird umrahmt von einem kleineren gezeichneten Portrait und einem Foto, in dem der ansonsten ernst wirkende Usinger geradezu amüsiert in einen Spiegel blickt.

Gunschmann und Usinger hatten sich während ihrer Studienzeit in München kennengelernt. Auch Herm Diez, auf den Usinger erstmals Ende der 1920er Jahre in Gießen traf, und Ernst Moritz Engert, der durch seine Scherenschnitte und abstrakte Holzschnitte bekannt wurde, gehören zu den Künstlern, deren Werke Usinger schon im jungen Alter erwarb. Der intensive Kontakt Usingers zu vielen Künstlern entstand jedoch erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Sammlung Usingers wuchs und geht für Kögler »in die Spitzenkunst der Moderne.« In den 1960er und 1970er Jahren war Usinger mit der zeitgenössischen Kunstszene bestens vernetzt:

Mit Kunstszene bestens vernetzt

Zu den bekanntesten Künstlern zählt der argentinisch-italienische Avantgardekünstler Lucio Fontana, der schon 1959 an der Documenta II in Kassel teilnahm. Dessen »Concetto spaziale« ist denn auch das wertvollste Werk, das in der Ausstellung gezeigt wird. Doch auch lokale Künstler gehörten zum Freundeskreis Usingers. So erwarb dieser zahlreiche Arbeiten der beiden Bad Nauheimer Künstler Hermann Goepfert und Jox Reuss, dem einzigen noch lebenden Künstler.

»Wir haben Reuss natürlich eingeladen, und er hat sein Kommen angekündigt«, sagte Kögler, der neben den genannten Künstlern für die Ausstellung Werke von Carl Buchheister, Söre Popitz, Benno Walldorf und des Schweizers Peter Aegerter ausgewählt hat. Letzterer hat den Wetterau-Museum nach seinem Tod 2018 zwei Werke aus seinem künstlerischen Schaffen vermacht, die Kögler Ende 2018 in Basel ausgewählt hat.

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