Ein musikalischer Leckerbissen

  • vonGerhard Kollmer
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Friedberg (gk). Er ist eine großartige Bereicherung für die Musikschule: Vladimir Bodunov. Der 39-Jährige ist seit Sommer in Friedberg Dozent. Was er alles kann, hat er am Samstagnachmittag mit der Aufführung von acht, in den letzten 20 Jahren entstandenen, eigenen Werken überzeugend unter Beweis gestellt.

Der belarussische Tonsetzer und seine drei hochkarätigen Kolleginnen und Kollegen Georg Klemp am Piano, Norman Reaves an der zweiten Violine sowie die Sopranistin Cornelia Haslbauer zündeten ein Klangfeuerwerk, das demHörer immer wieder den Atem verschlug. Was in diesen neunzig Minuten geboten wurde, entspricht höchsten kompositorischen wie interpretatorischen Maßstäben.

Tastengewitter am Piano

Bodunov ist nicht nur ein begnadeter Interpret seiner Werke, der die binnen Kurzem zur Höchstform auflaufenden Mitspieler förmlich hineinreißt in den vielgestaltigen, komplexen Kosmos seiner Tonmalereien, sondern darüber hinaus ein wortgewandter Erzähler, der metaphernreich den spirituellen Hintergrund jedes gespielten Stücks ausleuchtet.

Aus seinem Zyklus »Vier Jahreszeiten« erklingt der »Frühling« für Violine solo - dargeboten vom Meister. Die wärmende Märzsonne erweckt Tier- und Pflanzenwelt aus monatelanger Winterstarre zu neuem Leben.

Auf schlichte Melodien folgen virtuose, halsbrecherische Passagen in z. T. rasendem Tempo. Hier wird die jährliche Wiederauferstehung der Natur emphatisch gefeiert.

Es folgt der »Sommer«: Ein junger Mann, so verrät uns der Komponist vorab, betrachtet sein Spiegelbild im glasklaren Wasser eines Waldsees. Überall summt und brummt es, Grillen zirpen, Grashüpfer führen skurrile Tänze auf, Schmetterlinge betören mit bunter Farbenpracht - die perfekte Idylle. Hier ist die Welt noch in Ordnung. Auch in dieser Miniatur gelingt es dem Komponisten, optische Reize lautmalerisch Klang werden zu lassen.

Was dann folgt, stellt das zuvor und danach Vorgetragene in den Schatten - es ist das Highlight dieses denkwürdigen Konzerts: Nach verhaltenem Beginn entfesselt Georg Klemp ein über 20-minütiges Tastengewitter am Piano, das zuweilen sintflutartige Dimensionen annimmt. Es ist sicher kein Zufall, dass sich der eloquente Schöpfer dieses Juwels bei dessen Einführung sehr kurz fasst. Denn es geht über bloße Programmmusik weit hinaus.

Nach dem leider unhörbar bleibenden Beifallssturm (hier muss die Fantasie einspringen) dürfen wir durchatmen und dem »Gespräch« zweier Kühe lauschen. Norman Reaves an der zweiten Violine ist ebenbürtiger Partner dieses witzigen Dialogs. Ihm und dem Meister steht die Freude am Spiel ins Gesicht geschrieben.

Nach langem Warten auf ihren Auftritt wird Cornelia Haslbauer dafür mit einer Vorlage »belohnt«, die ihr die Möglichkeit zur vollen Entfaltung ihres breiten stimmlichen Spektrums bietet - assistiert von Georg Klemp am Flügel. »Maria« - so der lakonische Titel dieser Komposition - ist eine mitreißende Beschwörung des »Ewig-Weiblichen«. Man folgt einer zuweilen die akustische Schmerzgrenze streifenden tour de force. Daß sie nicht überschritten wird, ist der Raffinesse der Mezzosopranistin, ihrer so zupackenden wie einfühlsamen Stimme geschuldet.

Mit diesem starken »Abgesang« endet ein 90-minütiges Feuerwerk, das sobald irgend möglich einer sicher begeisterten Öffentlichkeit präsentiert werden muss.

Im Mittelpunkt des Konzerts steht Musikschuldozent Vladimir Bodunov, der seine eigenen Werke spielt.

Rubriklistenbild: © Gerhard Kollmer

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