Monika und Martin Lang, die Inhaber des Familiengeschäfts Papier-Holler, hoffen auf bessere Zeiten.
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Monika und Martin Lang, die Inhaber des Familiengeschäfts Papier-Holler, hoffen auf bessere Zeiten.

Am 12. März 2020 kam Corona in die Wetterau

Ein Jahr nach dem ersten Corona-Fall in der Wetterau: Erfahrungen in der Pandemie

  • vonCorinna Weigelt
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Auf den Tag genau vor einem Jahr wurde im Wetteraukreis der erste Corona-Fall bekannt. Seitdem hat sich für alle Menschen das Leben verändert - für manche weniger, für andere dagegen deutlich.

Angst um die Gesundheit, Sorgen um den Job, das Geschäft, das Geld, zurechtkommen mit weniger Einnahmen und mit Kurzarbeit - die Corona-Pandemie macht den Menschen auf mehreren Ebenen das Leben schwer. Ein Jahr nach Bekanntwerden der ersten Corona-Infektion in der Wetterau reden Bad Nauheimer und Friedberger darüber, wie sie die Krise erleben.

Ein Jahr Corona in der Wetterau: Nachfrage nach Büromaterial sinkt

Schreibwarenhändler - Seit 136 Jahren besteht Papier-Holler in der Friedberger Bismarckstraße. Zwei Weltkriege hat das Familiengeschäft überlebt. »Die Corona-Pandemie schaffen wir auch, aber es ist schwieriger geworden«, sagt Martin Lang, Urenkel des Firmengründers. Lang führt das Fachgeschäft für Schreibwaren und Bürobedarf zusammen mit Ehefrau Monika. Das Paar hatte während des Lockdowns noch einen Vorteil gegenüber vielen anderen Einzelhändlern: Da Papier-Holler seit 15 Jahren auch als Paket-Shop fungiert, konnte das Geschäft für Paketkunden geöffnet bleiben.

»Viele Stammkunden haben über unser Online-Shop oder telefonisch bestellt und kamen zur Abholung ins Geschäft«, berichtet Monika Lang. Die Öffnungszeiten wurden verkürzt und Personal reduziert, denn »nur von den Paar Paketen und den Bestellungen alleine können wir nicht leben«, erläutert Ehemann Martin.

»Durch Kurzarbeit und Homeoffice sinkt die Nachfrage nach Büromaterial. Das frisst die ganze Branche auf«, ergänzt Monika Lang. Geholfen hat dem Paar die schnell ausgezahlte Soforthilfe im ersten Lockdown, weitere Hilfen wurden bisher nicht beantragt. »Das ist kompliziert, da wir ja noch Einnahmen haben«, erläutert das Ehepaar, das die Hoffnung auf »bessere Zeiten« nicht aufgibt.

Erfahrungen mit der Pandemie in der Wetterau: Kurzarbeit in der Zahnarzt-Praxis

Zahnarzt - Vor zwölf Jahren hat Dr. Ulf Christian Müller die Zahnarztpraxis in der Friedberger Kaiserstraße übernommen, in der er von Beginn an großen Wert auf Hygienemaßnahmen legt. »Unsere hohen Maßstäbe haben wir natürlich noch verstärkt«, sagt der Zahnarzt, der mit Frau und zwei Söhnen in Bad Nauheim lebt.

Im Wartezimmer stehen nur noch drei Stühle, und vor der Behandlung muss jeder Patient Mund und Rachen mit einer Mundspüllösung säubern. Statt OP-Masken tragen Müller und seine drei Mitarbeiterinnen nun FFP2-Masken.

»Bei uns gab es überhaupt keine Corona-Fälle, weder bei den Patienten noch bei meinen Mitarbeiterinnen«, freut sich der Zahnarzt, der ab März 2020 zweieinhalb Monate nur einen »reduzierten Betrieb zur Schmerzbehandlung« in seiner Praxis aufrechterhalten hat.

»Ich musste zeitweise für meine Angestellten Kurzarbeit anmelden«, sagt Müller. Seit Juni laufe es wieder »relativ normal«, auch bei der Prophylaxe und beim Zahnersatz. Doch viele, vor allem ältere Patienten, seien noch immer sehr zurückhaltend, sagt Müller, der im privaten Bereich vor allem die Möglichkeit zu verreisen sehr vermisst.

Corona-Erfahrungen in der Wetterau: Keine Lockerungen für Hotels

Hotelier - Einen Umsatz-rückgang von gut 90 Prozent hat Thomas Dröscher im Bad Nauheimer Hotel »Villa Grunewald« allein im Januar verkraften müssen. Anders als bei vielen Einzelhändlern, sind November-/Dezember-Hilfen des Bundes bei ihm aber angekommen, somit kann er überbrücken. Schon früh habe das Hotel ein erweitertes Hygienekonzept eingeführt, sagt Dröscher. »Zwischen den beiden Lockdowns lief es im Sommer auch sehr gut.« Doch das Hauptgeschäft sei nun mal das Hotel. »Das muss laufen.« Während das Café komplett geschlossen ist, ist der Hotelbetrieb eingeschränkt für Gäste möglich, die in Sonderfällen (beruflich, privat oder aus medizinischen Gründen) einchecken dürfen. Bislang gibt es seitens der Regierung zu den Hotelöffnungen noch keine Lockerungen. Dröscher hofft, dass es irgendwann wieder einigermaßen normal weitergeht. »Ich wurde schon mehrfach gefragt, ob ich das Geschäft aufgebe und das Hotel geschlossen wird.« Dröscher kann hier beruhigen. »So bald wie möglich öffnen wir wieder.«

Wetterau: Tattoo-Studie hatte durch die Pandemie acht Monate lang geschlossen

Tätowiererin - Die Bad Nauheimerin Jennifer Reid ist erleichtert, dass ihr Tattoo-Studio Inkfux endlich wieder öffnet. Seit die Kanzlerin Lockerungen verkündet hatte, stand bei Reid das Telefon nicht mehr still. Vermutlich sehne sich jeder nach ein bisschen Normalität, Abwechslung und etwas Neuem, sagt Reid. »Wir hatten durch die Pandemie acht Monate geschlossen«, erklärt die Solo-Selbstständige und Mutter von drei Kindern. »Für uns war es fast nicht tragbar, eine fünfköpfige Familie ›durchzubringen‹, da wir keine Einnahmen hatten.« Wie Reid erklärt, gab es auch während des Lockdowns Anfragen. Viele wollten einen Termin, da sie durch die neue Situation - Stichworte Homeoffice und Kurzarbeit - mehr Zeit hatten. »Als wir zwischenzeitlich öffnen durften, kam direkt der Ansturm«, sagt Reid. Anschließend folgte der zweite Lockdown. Die erneute Öffnung freue sie nun sehr. Ein Hygienekonzept gab es bei Inkfux schon immer. »Wir haben ohnehin große Auflagen und Hygienekurse belegt«, sagt Jennifer Reid. Es werde auch auf eine gute Lüftung und das Tragen des Mund-Nase-Schutzes geachtet.

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