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Eigentlich sollte die »Tuesday Night Band« vor der Stadtkirche auftreten. Wegen der unsicheren Wetterlage ist das Konzert in die Musikschule verlegt worden.

Ein großes Klangerlebnis

  • VonGerhard Kollmer
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Friedberg (gk). Eigentlich sollte alles ganz anders kommen: Regina Klein - Sängerin, Komponistin, Chorleiterin und Gesangslehrerin an der Musikschule- freute sich gemeinsam mit der »Tuesday Night Band« (Andreas Müller am Piano, percussion Martin Kowollik, Vincent Rocher an der Gitarre und Bassist Jonas Lohse) auf eine sommerliche Jam Session vor der Stadtkirche.

Doch dieser Auftritt wurde wegen unsicherer Wetterprognosen kurzfristig in den Saal der Musikschule an der Kaiserstraße verlegt.

Sei’s drum: Auch im kleinen Rahmen mit wenig Gästen (oder vielleicht gerade deshalb) geriet die einstündige Cross-over-Performance mit Titeln aus Jazz, Swing, Blues und Folk zum großen Klangerlebnis. Mit ihrer ungemein kraftvollen, facetten- und obertonreichen Stimme ließ Klein die gespielten Titel zum Erlebnis werden. Dies verdankte sie der perfekten Harmonie mit den vier Instrumentalisten.

Vor allem Andreas Müller am Piano erwies sich dabei als dominierende Gestalt in zahlreichen Soli - wie zum Beispiel in »Waltz for Debby«, dem Titelsong eines 1962 eingespielten Livealbums des Jazzpianisten und Komponisten Bill Evans. »Waltz for Debby«, ein Porträt seiner Nichte, zählt zu seinen bekanntesten Titeln. Quer durch die Rhythmuspalette beeindruckten die Instrumentalisten durch Spielfreude und Virtuosität.

Solo am Piano

Zum ersten Highlight wurde Keith Jarretts »Memories of tomorrow«, den er erstmals auf dem legendären Kölner Solo-Improvisationskonzert 1975 vorstellte. Auch dieser Titel wurde zu einem seiner bekanntesten Evergreens. Müller beeindruckte hier mit einem langen Pianosolo.

Szenenwechsel: Der nordirische Folkmusiker, Sänger und Songwriter Van Morrison veröffentlicht im Februar 1970 sein Album »Moondance« - ein imposanter Streifzug durch Folk, Pop, Soul und auch Jazz. Auf dieser LP wird in melancholisch-balladesken Songs das einfache Landleben in seiner vom Bürgerkrieg zerrissenen Heimat beschworen. Klein verlieh dem Titelsong mit ihrer tollen, mitreißenden Stimme ein unverwechselbares Gepräge.

Auch John Sheahan ist irischer Folkmusiker und war jahrzehntelanges Mitglied der »Dubliners«. Er ist in diversen Stilrichtungen beheimatet. Klein und Band brachten seinen Song »Lullaby of birdland«, bei dem Schlagzeuger Martin Kowollik mit einem Solo brillierte. Als Zugabe folgte dann Bobby Troups 1946 geschriebener Blues-Evergreen »route 66« aus dem Jahr 1946. Auf der musikalischen Reise von St. Louis nach San Bernardino in Kalifornien wird der Mythos von Freiheit und Abenteuer beschworen. Regina Klein und ihre Musiker konnten hier ein - vorläufig - letztesmal mit Leidenschaft und technischer Brillanz das kleine Auditorium mitreißen.

»Get your kicks on route 66«: Nicht nur auf der legendären Straße quer durch die USA gibt es viele Anregungen (»kicks«), sondern auch die intime Jam Session in der Musikschule bot etliche kicks - was der dankbare Applaus bewies. Wir freuen uns auf eine möglichst bald stattfindende Wiederholung vor großer Kulisse.

Wer sich für Instrumental- oder Vokalunterricht interessiert, hat am Samstag, 10. Juli, von 10 bis 14 Uhr die Möglichkeit zu kostenlosen Schnupperstunden. Hierzu sind nicht nur Kinder eingeladen, sondern auch Erwachsene.

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