Altbürgermeister verstorben

Ein Großer ist gegangen: Friedberg nimmt Abschied von Dr. Ludwig Fuhr

  • Jürgen Wagner
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Alt-Bürgermeister Dr. Ludwig Fuhr (SPD) ist im Alter von 88 Jahren verstorben. Weggefährten erinnern sich an den ersten Ehrenbürger der Kreisstadt nach dem Krieg als ein großes Vorbild.

Altbürgermeister Dr. Ludwig Fuhr “wird für uns, aber auch für mich ein großes Vorbild bleiben„, schreibt Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU) in einem Nachruf. Das verdeutlicht die Wertschätzung für Fuhr, der am 16. April im Alter von 88 Jahren verstorben ist. Die Stadt Friedberg verabschiede sich “von einem ihrer prägendsten Repräsentanten„. Dies zeige allein schon die Entwicklung Friedbergs während Fuhrs 18-jähriger Amtszeit von 1976 bis zum Januar 1994 (siehe Kasten).

Von der politischen Bühne hatte sich Fuhr schon lange verabschiedet. Er übte sich in vornehmer Bescheidenheit, hatte aber stets ein Ohr für die kleinen und großen Sorgen seiner Mitmenschen. Regelmäßig traf man ihn in der Stadt beim Einkauf auf dem Wochenmarkt. Mit seiner ruhigen, sonoren Stimme war er ein geschätzter Gesprächspartner. Er war stets den Menschen zugwandt, immer höflich, hatte ein stilvolles Auftreten. Fuhr war ein Gentleman, ein Elder Statesman der Kommunalpolitik. Für die SPD war er bis zuletzt Ratgeber, Vorbild und Leuchtturm. Fuhr stand für eine Ära, als die Sozialdemokraten stärkste Partei in der Wetterauer Kreisstadt waren. “Er war ein beeindruckender Mensch, der auch mit aller Entschlossenheit gegen erlittene gesundheitliche Beeinträchtigungen ankämpfte„, sagte SPD-Fraktionsvorsitzender Dr. Klaus-Dieter Rack. “Er war ein ausdrucksstarker Gestalter der Friedberger Stadtpolitik in den 18 Jahren als Bürgermeister, über Parteigrenzen hinweg außerordentlich beliebt und anerkannt.„

Auch in seiner Zeit als Altbürgermeister habe er der SPD “als bodenständiger, sympathischer Begleiter und Unterstützer wertschätzend zur Seite„ gestanden. Rack: “Eine überaus bedeutende Friedberger Persönlichkeit hat uns verlassen müssen - die SPD wird Dr. Ludwig Fuhr, unserem Ludwig, stets ein ehrendes Gedenken bewahren.„

Fuhr wurde am 15. Juli 1932 in Ernsthofen im Odenwald geboren. Nach dem Jurastudium in Frankfurt war er Verwaltungsjurist im Hessischen Sozialministerium, danach Justiziar und Hauptabteilungsleiter in der Kreisverwaltung des Main-Taunus-Kreises. Seit 1962 in der SPD, war er Stadtverordneter und Fraktionsvorsitzender im Hofheimer Stadtparlament, Beigeordneter in Bruchenbrücken und seit 1972 Stadtverordneter in Friedberg. Am 25. September 1975 wurde Fuhr zum Bürgermeister gewählt und trat die Nachfolge von Karl Raute an. Gesundheitliche Gründe hielten ihn davon ab, bei der ersten Bürgermeisterdirektwahl 1993 zum vierten Mal zu kandidieren. 1995 erhielt er das Bundesverdienstkreuz am Bande.

Ein bescheidener Ratgeber

Nach seiner Zeit im Rathaus arbeitete Fuhr in einer Friedberger Anwaltskanzlei. Sein langjähriger Kollege, der Bundestagsabgeordnete Peter Heidt (FDP), erinnert sich an Fuhr als einen “äußerst angenehmen Menschen mit profundem Wissen. Ich habe ihn sehr geschätzt und oft seinen Rat gesucht.„ Gesundheitlich beeinträchtig, ging Fuhr nicht gerne vor Gericht; das übernahmen Kollegen für ihn. Heidt: “Die Akten waren stets Eins-A, die Schriftsätze waren wie gefeilt. Nicht nur von daher war er bei den Mitarbeitern der Kanzlei sehr beliebt.„

Als die Stadt im Juli 2002 zu Fuhrs 70. Geburtstag lud und zahlreiche Redner ihren Dank für dessen unermüdlichen Einsatz für die Stadt ausgesprochen hatten, antwortete Fuhr: “Vergelt’s Gott; des wär’ awwer wirklich net notwendig gewesen’.„ Dr. Ludwig Fuhr hinterlässt seine Ehefrau Gertrud und Tochter Martina mit Mann und zwei Enkeln.

Wirtschaftliche Entwicklung der Stadt vorangebracht

Der Magistrat der Kreisstadt Friedberg hatte am Montag in seiner Sitzung vom plötzlichen und unerwarteten Tod von Altbürgermeister Dr. Fuhr erfahren. Mit einer Gedenkminute wurde an sein Wirken in und für Friedberg gedacht. In einem Nachruf erinnert die Stadt an Fuhrs Wirken. “In den 18 Jahren, in denen Ludwig Fuhr die Geschicke der Stadt lenkte, entwickelte sich Friedberg zum Wirtschafts-, Dienstleistungs- und Kulturzentrum der Wetterau. Die neuen Gewerbe- und Industriegebiete ›West‹ und ›Süd‹ wurden erschlossen bzw. erweitert, mit Subaru, Miele und Fresenius wurde bedeutende Firmen nach Friedberg geholt. Die Förderung des sozialen Wohnungsbaus ging auf seine Initiative zurück. Mehrzweckhallen in Bauernheim, Bruchenbrücken und Ossenheim entstanden, Sportanlagen, Kindergärten und das Feuerwehrgerätehauses wurden gebaut. Mit der Altstadtsanierung wurde begonnen, die neuen Stadtteile an die Kläranlagen angeschlossen und das ehemalige Zuckerfabrikgelände bebaut.„ In Zusammenarbeit mit seinem Kulturamtsleiter Michael Keller wurde das Wetterau-Museum zu einer Stätte der Begegnung mit der Geschichte einer ganzen Region. Der Klosterbau wurde zum Bibliothekszentrum mit Archiv. Die Kultur-Reihe “Sommersprossen„ machte Friedberg bekannt, das 1979 zum zweiten Hessentag in Friedberg aus der Taufe gehobene Altstadtfest wurde 30 Jahre lang eines der populärsten und am besten besuchten Feste der Kreisstadt. Fuhr war Gründungsmitglied der “Aktion Punkt„, der Friedberger Nachbarschaftshilfe. Überliefert sind seine historischen Interessen und die Vorliebe für gotische Kathedralen, das Reisen, Wandern und Schwimmen. Passend dazu fiel die Eröffnung des Usa-Wellenbades in seine Amtszeit.

Dr. Ludwig Fuhr

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