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Cellist Michael Ernst und Georg Klemp am Piano warten in der Musikschule mit drei Cellosonaten auf, die zu den besten ihres Genres zählen.

Ein Cellokonzert wie ein Göttergeschenk

  • VonGerhard Kollmer
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Friedberg (gk). Es waren hinreißende Klänge, mit denen zwei Dozenten der Musikschule den großen Saal erfüllten. Cellist Michael Ernst und Georg Klemp als sein Partner am Piano warteten mit drei Cellosonaten auf, die zu den besten ihres Genres zählen: Beethovens früher Sonate F-Dur op. 5,1 aus dem Jahr 1796; Felix Mendelssohns 1838 entstandener Sonate B-Dur, op.

45 und, als krönendem Abschluss, Richard Strauss‹ Sonate F-Dur, op. 6 - einem genialischen Frühwerk aus dem Jahr 1883.

Beethoven widmete seine Sonate dem musikliebenden Preußenkönig Friedrich Wilhelm II. (selbst ein passionierter Cellospieler), vor dem der junge Tonsetzer sie im Sommer 1796 während seiner Konzertreise nach Dresden und Berlin aufführen ließ. Den König muss dieses Klangerlebnis so beeindruckt haben, dass er Beethoven eine goldene, mit Louisdors gefüllte Dose überreichen ließ. Ungewöhnlich an der F-Dur Sonate ist das Fehlen eines langsamen Satzes. Dafür weist das einleitende Adagio sostenuto, in dem das Cello mit weit ausholenden Kantilenen glänzt, eine ungewöhnliche Länge auf.

Rasend schnelle Läufe am Klavier

Ernst und Klemp treten in einen fruchtbaren Dialog; beide Interpreten musizieren auf Augenhöhe. Technische Brillanz geht einher mit der Fähigkeit, die emotionalen Dimensionen dieses frühen Meisterwerks auszuloten.

Im zweiten hochvirtuosen, spannungsgeladenen Satz (Allegro vivace) wird es atemberaubend: Man erlebt häufige Rhythmus- und Stimmungswechsel sowie rasend schnelle Läufe am Klavier - sich wie Sturzbäche über den staunenden Hörer ergießend. Nie entsteht hier der Eindruck, dass ein Instrument hinter dem anderen zurücksteht bzw. nur eine Begleitrolle spielt. Im Jahr 1838 heißt es in einer Rezension der »Neuen Zeitschrift für Musik« unter anderem: »Die Sonate ist reinste, durch sich selbst gültigste Musik, eine Sonate, wie sie irgend je aus großen Künstlerhänden hervorgegangen ist.«

Der begeisterte Verfasser dieser Rezension ist der junge Robert Schumann. Und bei dem besprochenen Werk handelt es sich um Felix Mendelssohns dreisätzige Cellosonate B-Dur, op 45. Sie stand als zweiter Titel auf dem Programm. Das Allegro vivace beginnt verhalten mit einem sanft aufsteigenden Thema. Schon bald wird ein erster Gipfel erklommen. Der zwischen Wehmut und überschwänglicher Freude oszillierende erste Satz endet brillant.

Es folgt die Ruhe nach dem Sturm: Auch das Andante beginnt leise. Manche Passagen im Volkston erinnern an Schubert’sche Klänge. Sehr reizvoll sind die zahlreichen Pizzicati des Cellos.

Im abschließenden Allegro assai verlangt Mendelssohn den Interpreten alles ab. Sowohl Klemp am Flügel als auch Ernst (er spielt ein Cello mit wunderbar sonorem Klang aus dem Jahr 1770 - erschaffen von dem seinerzeit berühmten Geigenbauer Klotz aus Mittenwald) zeigen sich dieser extremen Herausforderung voll gewachsen. Kein Misston, kein falscher Einsatz trübt den Hörgenuss.

Der Schlusssatz von Mendelssohns Meisterwerk endet - fast ein wenig überraschend - nicht triumphal, sondern verklingt nach so viel vorhergehender Brillanz fast unauffällig.

Wer nun aber geglaubt hatte, nach diesem Kleinod sei keine Steigerung mehr möglich, der irrte: Die Erstfassung der Sonate F-Dur, op. 6 des 16 Jahre alten Gymnasiasten Richard Strauss aus dem Jahr 1883 hat, so Michael Ernst in seiner kurzen Ankündigung, geradezu symphonischen, orchestralen Charakter.

Voll gelungen war die kongeniale Interpretation dieses Werks aus dem Geist reinster Spätromantik durch Michael Ernst und Georg Klemp, die mit ihrer grandiosen Darbietung das banale Alltagsdasein für kostbare 80 Minuten vergessen ließen.

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