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Paddy Schmidt heißt im bürgerlichen Leben Harald Kligge. Er erinnert sich an seinen ersten Auftritt als Berufsmusiker 1988 in der Schillerlinde. Am Samstag ist er im Alten Hallenbad aufgetreten.

Ein Abend der leisen Lieder

  • VonHarald Schuchardt
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Friedberg (har). Eine enge Verbindung zu Friedberg hat Paddy Schmidt, Kopf der Irish-Folk-Band »Paddy goes to Holyhead«. »Meinen ersten Auftritt als Berufsmusiker hatte ich 1988 in der Schillerlinde«, erklärte der sympathische Gitarrist, Sänger und Bluesharp-Spieler, der am Samstagabend wieder einmal zu Gast im ausverkauften Theater Altes Hallenbad war.

Damals veranstaltete die »Friedberger Gesellschaft zur Förderung deutsch-irischer Verständigung« ihre Vereinsabende in der seit fast 20 Jahren geschlossenen Apfelweinkultkneipe. Es folgten unzählige Auftritte bei den Deutsch-Iren, im Café Kaktus und im Alten Hallenbad.

Prise Humor und eine Geige

Mit »Paddy goes to Hallebad« hatte Andreas Lürding von der AHA-Kultur-AG für die Veranstaltung geworben. »Mit diesem Motto haben wir Paddy schon 2013 überrascht« erklärte der Fan von Paddy, der im bürgerlichen Leben Harald Kligge heißt.

Mitgebracht hatte der Neu-Isenburger dieses Mal Geiger Ingo Gerlach, mit dem ihn eine jahrzehntelange Freundschaft verbindet. Als »Acoustic Duo« überzeugten die beiden Vollblutmusiker von Beginn an. Eines gehört bei Paddy immer dazu: Eine gehörige Portion Humor und viel Spaß an der Musik.

»Wir haben vergessen zu stimmen, also fangen wir ungestimmt an«, verkündete Schmidt um mit »Leaving of Liverpool« gleich einen Klassiker der Dubliners zum Besten zu geben. Schon sangen die Besucher mit, was das Duo veranlasste, die momentan gültigen Corona-Regeln aus ihrer Sicht zu modifizieren. »Durchgeimpfte dürfen laut singen, einmal Geimpfte etwas leiser und alle anderen klatschen.«

Noch etwas war anders: Guinness gab es nur in Flaschen, und ihr Lieblingsgetränk hatten die beiden Whiskey-Liebhaber mitgebracht. »Hier gibt’s ja keinen Whiskey« verkündete Paddy, doch da lag er falsch: Lürding überraschte mit einer Flasche irischen Whiskeys samt zweier Gläser.

»Das ist unser Whiskey Man«, verkündete Paddy und spielte den gleichnamigen Song mit modifiziertem Text. Bekannter ist allerdings Billy Joels Original »Piano man«. Neben Ralph McTells »Streets of London« war dies die einzige Adaption eines erfolgreichen Songs an diesem Abend.

Schwerpunkt waren ruhigere, oft gar nicht so bekannte Lieder, wie das 1924 geschriebene irische Widerstandslied »Only our rivers run free«.

Zu jedem Song erzählt Paddy den Hintergrund, nutzt aber auch - wie von ihm gewohnt - die Lieder für politische Statements, wie die Kritik am Brexit oder der Corona-Politik von Boris Johnson. Schmidt: »Da fragt man sich schon, ob man sich ausgerechnet mit einem Johnson-Impfstoff impfen lassen sollte.«

»Es ist heute eher ein Abend der leisen Lieder«, meint Paddy im Verlauf des Konzerts, in dem er mit »Black Velvet Band« und »Dirty Old Town« nur zwei irische »Klassiker« spielt. Stattdessen erinnert das Duo an »die gute alte Vinylzeit«, spielt die 1950 geschriebene Ballade »From Claire to here«, die Geschichte eines jungen Iren, der ausgerechnet nach London ausgewandert war.

Eigene Stücke überzeugen

Zum Repertoire des Duos, dessen tolles Zusammenspiel zwischen Geige und Bluesharp immer wieder für Beifallsstürme sorgte, gehörten neben Auswanderer- und Anti-KriegsLiedern auch zahlreiche Eigenkomposition Schmidts, wie »The Titanic« über den Untergang des damals größten Passagierschiffs der Welt im Jahre 1912.

Auch das eingängige, rhythmische »Far away« stammt aus Paddys Feder. Das kennen die Fans natürlich und singen lautstark mit. Schließlich erinnert das Duo noch an den Schriftsteller James Joyce, dessen Roman »Ulysses« im nächsten Jahr 100 Jahre alt wird.

Zum Finale überraschen die beiden dann ein letztes Mal. Ganz ohne Technik spielt das Duo »The last Song« und nutzt dabei die hervorragende Akustik des Alten Hallenbads. »Ich liebe das Bad und ich komme wieder«, verkündete Schmidt abschließend.

Ingo Gerlach spielt mit der Geige neue Klänge.

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