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Ein Abend der Kontraste

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Von: Gerhard Kollmer

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Durch zahlreiche Auftritte in Friedberg bekannt: Das Frankfurter Römerberg-Quartett mit (v. l.) Michael Hahn, Andrea Seeger, Hildegard Singer und Ruth Sarrazin. © Gerhard Kollmer

Friedberg (gk). Welch wunderbarer Abend! Das letzte diesjährige Sommerkonzert in der Stadtkirche - erstmals nach zwei Jahren wieder im Chor mit seiner exzellenten Akustik - wurde eingerahmt von zwei Werken des 1743 im toskanischen Lucca geborenen Luigi Boccherini. Sein Oeuvre umfasst neben zahlreichen anderen Werken die kaum glaubliche Zahl von 42 Streichtrios, 91 Streichquartetten und 110 Streichquintetten mit zwei Celli.

Das Frankfurter Römerberg-Quartett - in Friedberg durch zahlreiche Auftritte wohlbekannt - mit Michael Hahn und Andrea Seeger (Violinen), Hildegard Singer an der Viola und Ruth Sarrazin als Cellistin eröffnete den Abend mit Boccherinis frühem Streichquartett op. 2, Nr. 1.

Dessen Eingangssatz Allegro commodo beginnt mit einer wunderbaren, folkloristisch getönten Melodie. Im folgenden Largo bestimmt das Cello - Boccherinis Lieblingsinstrument - die Szene. Auch im abschließenden, leidenschaftlich bewegten Allegro übernimmt es einen wichtigen Part. Ruth Sarrazin ist den damit verbundenen spieltechnischen Anforderungen voll gerecht geworden.

Was dem Sonntagabend in der Stadtkirche seinen ganz eigenen Reiz verlieh, war der dreimalige Auftritt des katalanischen Gitarristen Ismael de Barcelona, der mit einem Flamenco von Paco de Lucia begann. Gilt seine Leidenschaft auch diesem Genre, so glänzte der Gitarrist ebenfalls im Bereich der Klassik, was sein zweites Solo bewies.

Der spanische Mozart

Mit dem Streichquartett Nr. 1 d-Moll des baskisch-spanischen Tonsetzers Juan Crisostomo de Arriaga warteten die Akteurinnen und Akteure mit einem besonderen Leckerbissen auf. Das Leben des 1806 in der Nähe von Bilbao geborenen »Spanischen Mozart« endete bereits zehn Tage vor seinem 20. Geburtstag in Paris.

Als gerade 16-Jähriger schuf er mit seinem D-Moll-Quartett ein kontrastreiches, dynamisches Meisterwerk, das vielleicht am ehesten den frühen Quartetten Beethovens ähnelt. Hinterlässt das düster-ruhelose Allegro schon einen starken Eindruck, so fasziniert das folgende Adagio con espressione durch sein kaum verhaltenes Pathos noch mehr.

Danach riss de Barcelona das Auditorium mit einem Walzer von Sergio Vicente - einer »Mixtur« aus Klassik und Flamenco - zu starkem Applaus hin.

Menuetto und Adagio-Allegretto von Arriagas Quartett, die danach erklangen, lassen keinen Zweifel daran, dass es sich bei dem D-Moll-Quartett um das Werk eines Frühvollendeten handelt, den der Tod allzu früh ereilte.

Der erste Konzertteil endete mit der »Flamenco Fantasy« des 1973 geborenen Alexej Igudesmann - einem deutsch-russischen Geiger, Komponisten, Dirigenten und Schauspieler. Dieses virtuose, extrem schwierige Violinsolo verlangt mit seinen Kadenzen, Doppelgriffen und kniffligem Rhythmus dem Interpreten alles an spieltechnischem Können ab. Michael Hahn hat diese Herkulesarbeit bravourös bestanden und dem Abend mit seiner Darbietung die Krone aufgesetzt. Tosender Applaus.

Nach der Pause erklingt das viersätzige Streichquartett op. 83 des hierzulande kaum bekannten baskischen Komponisten Andrés Ysasi (1890-1940) - unterbrochen von Ismael de Barcelona mit einer Rumba Cubana von Paco Penja.

Mit dem ekstatisch ausklingenden, einem populären spanischen Volkstanz nachempfundenen Schlusssatz von Boccherinis legendärem »Fandango-Quintett« laufen alle fünf Musiker zur Höchstform auf und ernten langanhaltenden Applaus.

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Klassik trifft Flamenco: Der katalanische Gitarrist Ismael de Barcelona. © Gerhard Kollmer

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