"Och Joh" hieß eine Fernseh-Sketchshow des hessischen Komikerduos "Badesalz". Das Schmunzeln, das in dieser Redewendung steckt, ist den Friedbergern vergangen, wenn sie an das leer stehende Kaufhaus denken. Laut Dr. Klaus-Dieter Rack (SPD) steht das Gebäude nun kurz vor dem Verkauf.		FOTO: NICI MERZ
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»Och Joh« hieß eine Fernseh-Sketchshow des hessischen Komikerduos »Badesalz«. Das Schmunzeln, das in dieser Redewendung steckt, ist den Friedbergern vergangen, wenn sie an das leer stehende Kaufhaus denken. Laut Dr. Klaus-Dieter Rack (SPD) steht das Gebäude nun kurz vor dem Verkauf. FOTO: NICI MERZ

Jahrelanger Leerstand in Friedbergs Zentrum

Ehemaliges Kaufhaus Joh in Friedberg: Steigt neuer Investor ein?

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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Die Linke hat vorgeschlagen, die Stadt Friedberg solle das seit Jahren leer stehende ehemalige Kaufhaus Joh kaufen. Laut SPD ist das nicht nötig, es gebe eine neuen Investor.

Die Linke war auch schon mal mutiger. Im August forderte ihr Fraktionsvorsitzender Sven Weiberg noch die Enteignung. Der aktuelle Antrag war überschrieben mit den Zeilen »Kaufhaus Joh entwickeln«. Die Stadt soll aktiv werden und selbst das Heft in die Hand nehmen. Weiberg forderte, die Stadt müsse das Gebäude erwerben und ein Nutzungskonzept für das leerstehende Gebäude erstellen. Als Nutzung kann sich die Linke vieles vorstellen, von einer Kleinmarkthalle mit Gastronomie über Gewerbe und Wohnen bis zum Hotel. Dazu solle die Stadt mit Einzelhändlern und Immobilieneigentümern eine Stadtentwicklungsgesellschaft gründen.

In der letzten Stadtverordnetenversammlung habe man eine »sehr gute Entscheidung« getroffen und sowohl B-Plan als auch den städtebaulichen Vertrag mit dem Eigentümer abgelehnt, sagte Weiberg. »Die Investorenlösung funktioniert nicht, die Stadt muss tätig werden«, unterstrich er. Man könne sich den Leerstand einfach nicht länger leisten.

Das ehemalige Kaufhaus-Gebäude in zentraler Lage am Elvis-Presley-Platz war zu seinen besten Zeiten ein Kundenmagnet. Nichts, was es dort nicht gab. Damit war es vorbei, als das Mutterhaus in Gelnhausen Insolvenz anmeldete und auch die gut gehende Filiale in Friedberg mit sich riss.

Investor verspielt das Vertrauen

Was folgte, waren Ankündigungen und mehrere Änderungsanträge des Eigentümers, der 3 V Invest aus Grünwald bei München, zum Bebauungsplan. Die Politik war bald verärgert, schenkte dem Investor kein Vertrauen mehr. Ausdruck dessen war ein städtebaulicher Vertrag, den die SPD initiiert hatte und dem sich bis auf die CDU alle anderen Fraktionen anschlossen. Das Verhandlungsergebnis des Magistrats mit dem Eigentümern indes war der Mehrheit im Stadtparlament nicht ausreichend, Vertrag und B-Plan wurden abgelehnt.

Mehrfach hat Rack in jüngster Zeit geäußert, das Kaufhaus-Gebäude sei für die Münchner Investoren lediglich ein Spekulationsobjekt. Zwischen der Kaufsumme und dem Preis, für den die Immobilie auf dem Markt angeboten wurde, besteht ein Unterschied von ein paar Millionen Euro. Mit B-Plan sei die Immobilie werthaltiger, nur deshalb habe der Eigentümer darauf gedrungen. Dieser freilich hatte darauf verwiesen, dass es in Zeiten von Corona schwierig sei, Ladenflächen zu vermieten; potenzielle Mieter seien reihenweise abgesprungen.

So weit und so kurz zusammengefasst die unendliche Geschichte des Kaufhauses Joh, die eine neue Wendung erfahren könnte - wenn das, was Rack im Stadtparlament sagte, Realität wird. Die Sorgen der Linken seien unbegründet, sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende. »Wir stehen kurz vor der Übernahme durch einen anderen Investor.« Das Geschäft werde sich »in den nächsten Tagen und Wochen realisieren«, mit der Stadtverwaltung seien Gespräche vereinbart. Bürgermeister Dirk Antkowiak bestätigt dies gegenüber der WZ, wollte aber keine Einzelheiten nennen. Laut Rack muss die Stadt nicht als Käufer auftreten, der neue Investor werde zu gegebener Zeit sein Nutzungskonzept vorstellen: »Ich habe mich vehement dafür eingesetzt, dass wir den B-Plan und den städtebaulichen Vertrag ablehnen. Wir hatten kein Vertrauen in den Investor. Der hatte nie etwas anderes im Sinn, als die Liegenschaft gewinnbringend zu veräußern.« Von daher sei der Antrag der Linken obsolet.

Für die übrigen Fraktionen waren dies überraschende Neuigkeiten. Die Grünen wollten dennoch im Ausschuss über eine Stadtentwicklungsgesellschaft und deren Möglichkeiten diskutieren. Das wurde ebenso mehrheitlich abgelehnt wie der Antrag der Linken.

Als Zweifel laut wurden, ob Racks Informationen denn verlässlich seien, sagte dieser kurz und bündig: »Sie sind verlässlich.«

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