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Im zentral gelegenen Joh-Gebäude am Elvis-Presley-Platz sollen Wohnungen und Gewerbeeinheiten entstehen.

Werkmann-Gruppe

Ehemaliges Kaufhaus Joh in Friedberg: Neuer Investor hat große Pläne

  • Jürgen Wagner
    VonJürgen Wagner
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Das Kaufhaus Joh in Friedberg steht seit acht Jahren leer. Jetzt könnte sich das Blatt wenden: Die Werkmann-Gruppe hat das Gebäude gekauft, will Wohnungen und Gewerberäume bauen.

»Die Planung hat begonnen«, bestätigt Uwe Werkmann, Geschäftsführer der Werkmann GmbH & Co. KG aus Dietzenbach, den Kauf der Immobilie. Über die Kaufsumme hüllt er sich in Schweigen. 23 Millionen Euro werde man in das ehemalige Kaufhaus Joh stecken. Das Architekturbüro BFLP aus Friedberg entwickele gerade den Bebauungsplan, der in acht Wochen vorliegen soll: »Wir hoffen auf ein kurzes Verfahren.«

In Friedberg ist Werkmann kein Unbekannter. Sein Unternehmen errichtet in der Haagstraße auf dem ehemaligen Reuß-Gelände 55 Wohnungen. Werkmann sagte, seitens 3 V Invest habe »großes Verkaufsinteresse« bestanden. Nicht zuletzt habe das Konzept überzeugt (siehe Kasten).

Kaufhaus Joh: 60 Mitarbeiter in Friedberg entlassen

Im Mai 2013 stellte das Kaufhaus Joh mit Sitz in Gelnhausen und Filialen in Friedberg, Zwickau, Saalfeld und Gotha Insolvenzantrag. 300 Mitarbeiter waren betroffen, davon 60 in Friedberg. Die Zeit der großen Kaufhäuser war längst vorbei, nur kleinere Häuser wie das Kaufhaus Weyrauch im benachbarten Bad Nauheim behaupten sich noch am Markt. Auch in Friedberg sollen schwarze Zahlen geschrieben worden sein; die anderen Häuser, seien defizitär gewesen. Als Gründe für die Insolvenz wurden sinkende Umsätze, aggressiver Wettbewerb und die Konkurrenz durch das Internet angeführt. Ende September 2013 schloss das Kaufhaus. »Für uns eine Katastrophe«, sagte eine Mitarbeiterin.

Das Friedberger Kaufhaus gehörte da längst der Investmentgesellschaft Edinburgh House. Doch weder diese noch die Insolvenzverwaltung konnte einen Nachmieter finden. Nach dem Räumungsverkauf zog für ein paar Monate ein Restpostenhandel ins Erdgeschoss ein und die Frage stand im Raum: Was wird aus dem zentral gelegenen Gebäude am Elvis-Presley-Platz? Auf Facebook wurde ein Kino vorgeschlagen: Mitten in der Innenstadt ohne Parkplätze? Ein Spaßvogel schlug ein Bordell mit dem Namen »Laufhaus Joh« vor. Ein Leserbriefschreiber wünschte sich ein Bürgerzentrum, während die Linke die Enteignung forderte: Die Stadt solle das Gebäude kaufen und selbst entwickeln.

Friedberg: Ehemaliges Kaufhaus-Joh-Gebäude vor Umbruch

Im Dezember 2016 schien Schwung in die Sache zu kommen. Die 3 V Invest aus Grünwald bei München wurde neuer Eigentümer. Zwei Ideen standen im Raum: ein Vollsortimenter und ein Shop-in-Shop-System sowie Lebensmittelgeschäft im Erdgeschoss. Im September 2017 wurden die Pläne konkreter: Ein Mix aus Gewerbe, Wohnen und Gastronomie sollte es werden, mit einem Neubau in der Schnurgasse und einer Dachrestaurant. Einzelhandel bis ins zweite Obergeschoss war geplant, Arztpraxen oder Sportflächen denkbar. In den oberen Etagen sollten Wohnungen entstehen.

Im Juli 2018 lagen die Pläne vor. Doch während in München überlegt wurde, im Tiefgeschoss ein Parkhaus einzurichten, mehrte sich die Kritik am Stillstand. Irgendwann war das Dachrestaurant kein Thema mehr und die Tiefgarage wurde verworfen.

Um die Kritiker zu besänftigen, stellte der von 3 V Invest beauftragte Architekt Matthias Kölsch der Politik neue Pläne vor, mit Lichthöfen zwischen den Baukörpern und Penthouse-Wohnungen. »Gehobener Wohnraum« sollte entstehen. Gleichzeitig wurde bekannt, dass die Immobilie wieder auf dem Markt war. 9,9 Millionen Euro wurden dafür zeitweise aufgerufen. 3 V Invest soll 3,5 Millionen Euro bezahlt haben, hieß es. Die Politik stellte sich die Frage, ob der Münchner Investor statt bauen nur die Rendite einstreichen will.

Städtebau-Vertrag: Friedberger SPD macht Druck

Auch die »Spurenleger«, eine Gruppe von Architekten und an Stadtplanung interessierten Bürgern, meldete Zweifel an. Aus München hieß es, das Gebäude stehe nicht zum Verkauf. Das sollte sich rasch ändern. Das Stadtparlament lehnte eine zweite B-Planänderung ab. Auf Druck der SPD sollte die Stadt Friedberg einen städtebaulichen Vertrag mit dem Investor abschließen. Der Entwurf war enttäuschend: Dem Investor sollten weitere sieben Jahre zeit eingeräumt werden.

Es war die SPD und vor allem der Fraktionvorsitzende Dr. Klaus-Dieter Rack, der eine Mehrheit mit Grünen, Linke und FDP organisierte, die dem Investor die »Rote Karte« zeigte und den städtebaulichen Vertrag ablehnte. Rack äußerte damals, den Investoren aus München gehe es nur darum, »einen gültigen B-Plan zu bekommen, um das Kaufhaus höherpreisig zu verkaufen«.

Wandlung des Kaufhauses Joh in Friedberg zum Wohn- und Geschäftshaus

Anfang Februar stellten Uwe Werkmann von der Werkmann GmbH & Co. KG aus Dietzenbach und Andreas Schmidt vom Friedberger Architekturbüro BLFP im Ausschuss für Stadtenwicklung ihre Pläne für eine Neunutzung des Kaufhauses Joh vor. Die Sitzungsteilnehmer zeigten sich einerseits angetan von den vorgestellten Ideen, andererseits war die Erleichterung zu spüren, dies könne endlich der Durchbruch für das seit Jahren leer stehende Gebäude sein. Das zentrale Element der Planungen ist der Aufbruch des massigen Gebäudes. Zwei Innenhöfe sollen entstehen, mit Bänken und Begrünung. Im Untergeschoss werden die zuletzt verworfenen Tiefgaragen-Pläne mit 42 Stellplätzen wiederaufgenommen, dazu kommen acht oberirdische Parkplätze.

Das Erdgeschoss soll öffentlich zugänglich bleiben. 1200 Quadratmeter stehen hier für einen Lebensmittelmarkt bereit. In den oberen Stockwerken sollen Zwei- bis Fünf-Zimmer-Wohnungen entstehen, und auf dem Dach soll der Wunsch von Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU) wahr werden: ein Dachcafé mit Blick auf die Stadtkirche und den Vogelsberg. Das neue Gebäude soll nicht höher als das alte werden, zur Schnurgasse hin verringern sich die Stockwerke; hier soll der Trafo versetzt werden. Zur Färbergasse hin soll sich die Gebäudefront öffnen. Die Wohnfläche beträgt 5000 Quadratmeter. Erste Stimmen lobten den Entwurf als einen, der »die Stadtentwicklung voranbringen kann«, so der SPD-Fraktionsvorsitzende Dr. Klaus-Dieter Rack in der Sitzung. »Damit lösen wir das Stellplatzproblem und beleben die Innenstadt.«

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