Mónica Rincón stammt aus Kolumbien und lebt seit Jahren in Friedberg. Sie beherrscht die 45-saitige Doppelpedalharfe. FOTO: GK
+
Mónica Rincón stammt aus Kolumbien und lebt seit Jahren in Friedberg. Sie beherrscht die 45-saitige Doppelpedalharfe. FOTO: GK

Edle Harfenklänge in der Burgkirche

  • vonGerhard Kollmer
    schließen

Friedberg(gk). In vielen Ländern Lateinamerikas - besonders in Kolumbien, Venezuela, Paraguay - zählt die Harfe zu den beliebtesten Solo- und Begleit-Instrumenten im Bereich der folkloristischen Musik.

Mónica Rincón, in Friedberg lebende kolumbianische Harfenistin mit langjähriger Konzerterfahrung in vielen Ländern, beschenkte die am Freitagabend in die Burgkirche gekommenen Gäste mit einem Solokonzert der Extraklasse, in dem Werke aus den oben genannten drei Ländern den Schwerpunkt bildeten.

Ihre 45-saitige Doppelpedalharfe souverän beherrschend, stellte die Interpretin drei Werke französischer Komponisten an den Beginn des 80-minütigen Auftritts. Bernard Andrès, der 1941 in Belfort geborene Harfenist, zählt bis heute zu den führenden zeitgenössischen Komponisten von Musik für die Harfe. Sein Stück "La Gimblette" ist ein wunderbares filigranes Kleinod. Bereits hier beeindruckt Rincón mit ihrem Gespür für feinste Nuancen, ihrem gleichermaßen gefühlvollen wie "zupackenden" Spiel. Auch die Harfenbearbeitung des 3. Satzes aus Claude Debussys 1890 für Klavier geschriebener "Suite Bergamasque" mit dem Titel "Clair de Lune" war eine "Steilvorlage" für Rincón, die sie souverän parierte. Welches Instrument könnte besser die impressionistische Stimmung dieses weit über die Konzertsäle hinaus berühmt gewordenen Werkes einfangen?

Auf Deborah Henson-Conants leidenschaftliches Stück "Baroque Flamenco", in dem die Flamenco-Gitarre täuschend echt nachgeahmt wird und die stampfenden Tritte der Tänzerinnen erklingen, folgte der Barock-Harfenist Lucas Ruiz de Ribayaz mit seinem Werk "Espanoletas". Als Hofkomponist begleitete der 1626 Geborene den damaligen spanischen Vizekönig auf einer Reise nach Peru.

Die Kultur ihrer Heimat

Dann begann der lateinamerikanische Teil des Konzerts, der zum Höhepunkt des Abends wurde. Monica Rincón ließ es sich nicht nehmen, von der Harfen-Kultur ihrer Heimat zu erzählen. Dies trug wesentlich zum Verständnis der gehörten Werke bei. So erfuhren die Hörer von der "Arpa llanera", die im tropischen Tiefland Venezuelas und Kolumbiens beheimatet ist. Das zu Gehör gebrachte Stück "Concierto en la llanera" (Konzert in der Ebene) des 1917 geborenen venezolanischen Harfenisten und Komponisten volkstümlicher Musik, Juan Vicente Torrealba, lässt die bäuerliche Welt der "Llaneros" lebendig werden. Dass diese Weisen nicht auf der "arpa llanera", sondern der europäischen Konzertharfe erklangen, tat ihrer Faszination keinen Abbruch.

Der paraguayische Harfenist und Komponist Félix Pérez Cardozo - 1908 in der Provinz Guairá zur Welt gekommen - hat mit seinem "Pájaro campana" (Der Glockenvogel) und dem "Tren lechero" (Der Milchzug) zwei lautmalerische Meisterwerke geschaffen. So hört man die Lok des Milchzugs sich langsam-schnaufend in Bewegung setzen, um dann schneller und schneller zu werden.

Wer gemeint hatte, die Harfe könne solche alltäglichen Geräusche nicht zum Klingen bringen, sah sich angesichts von Rincóns empathischem Spiel schnell eines Besseren belehrt. Kraftvoll griff sie in die straff gespannten Saiten ihres imposanten Instruments.

Das offizielle Ende des Abends bildete "La gata golosa" (Die gierige Katze) aus der Feder von Fulgencio García - dem 1880 geborenen Landsmann von Monica Rincón.

Lang anhaltender enthusiastischer Applaus bewegte die Musikerin zu einer gesungenen Zugabe - dem mexikanischen Lied über eine um ihr Kind weinende Mutter.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare