Ein Mountainbiker fliegt mit seinem Rad durch die Luft.
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Rasante Abfahrt: Ivo Seher (l.) und Felix Krüger auf dem »Ebbelwoi«-Trail, einer von zwei legalen Mountainbike-Strecken im Winterstein-Gebiet.

Am Winterstein

„Ebbelwoi“-Biken in der Wetterau: Beliebt und legal

  • Bernd Klühs
    VonBernd Klühs
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In Corona-Zeiten hat das illegale Mountainbiken am Bad Nauheimer Johannisberg zugenommen. Dabei gibt am Winterstein auch legale Trails in der Wetterau.

Wetteraukreis – Als der Mountainbike-Trail »Ebbelwoi« 2018 am Winterstein angelegt worden war, fuhren die Nutzer durch dichten Mischwald. Heute gleicht der untere Streckenteil einer Lichtung, weil viele Fichten Trockenheit und Borkenkäfern zum Opfer gefallen sind. Den Aktivitäten der 20 bis 30 meist jungen Leute, die den harten Kern der Biker bilden, tut diese Veränderung keinen Abbruch. Sie genießen die Abfahrt, die neben naturbelassenen Abschnitten angelegte Steilkurven und Schanzen aufweist.

Ivo Seher aus Bad Nauheim ist eine Art Sprecher der Gruppe. Er kooperiert mit dem Naturpark Hochtaunus, der am Winterstein die Trails »Ebbelwoi« und »Handkäs« anbietet, und dem Forstamt Weilrod. »Das Interesse an diesen legalen Möglichkeiten hat in Corona-Zeiten deutlich zugenommen. Viele junge Biker sind vier- oder fünfmal pro Woche auf den Strecken«, sagt Seher. Er pflegt auch engen Kontakt mit den Jugendzentren in Friedberg und Bad Nauheim.

»Ebbelwoi«-Trail in der Wetterau verlangt akrobatische Fähigkeiten

Die Jugendlichen sind am Winterstein nicht nur Konsumenten. Sie gestalten die Trails in Absprache mit den Verantwortlichen. Laut Seher werden den Fahrern akrobatische Fähigkeiten abverlangt, deshalb seien die offiziellen Trails sehr beliebt. »Das macht viel mehr Spaß als auf illegalen Trails, die stümperhaft gebaut sind«, sagt der Bad Nauheimer, der schon als Kind am Winterstein radelte. Besonderen Wert wird auf Naturschutz gelegt. So wurde etwa eine kleine Brücke über einem Ameisenpfad errichtet.

Seher und seine Mitstreiter sammeln am Winterstein Müll ein, der in Corona-Zeiten oft in die Gegend geworfen wird. Ein junger Mann hat kürzlich in zwei Stunden 60 Kilo Abfall zusammengetragen. Außerdem beteiligt sich die Gruppe an Pflanzaktionen und hängt Schilder an den Strecken auf, auf denen es um Respekt geht. In erster Linie um Respekt gegenüber der Natur. Geworben wird zudem für einen respektvollen Umgang mit anderen und sich selbst. Das heißt: Schutzkleidung tragen, um Verletzungen zu vermeiden. Kleine Unfälle bleiben nicht aus, schwere Blessuren gibt es so gut wie nie.

Gefahr geht auf dem »Ebbelwoi«-Trail in der Wetterau durch Glasscherben

Gefahr geht am ehesten von großen Glasscherben aus, die auf den Strecken liegen. Seher vermutet, dass diese Scherben von militanten Gegnern dieses Sports stammen, denen es egal ist, ob ein Trail legal oder illegal ist. »Kürzlich war auf einer Strecke bei Ober-Mörlen ein Seil gespannt. Auch Scherben sind extrem gefährlich«, betont der Bad Nauheimer.

Carolin Pfaff, stellvertretende Geschäftsstellenleiterin des Naturparks Taunus, stellt den Bikern ein sehr gutes Zeugnis aus. »Ohne ihre Aktivitäten könnten wir die Trails gar nicht betreiben«, sagt sie. Illegale Strecken wie die am Johannisberg wertet sie als »Riesenproblem«. Das Wild werde gestört, die Pflanzenwelt beeinträchtigt, das Weltkulturerbe Limes beschädigt.

»Ebbelwoi«-Trail in der Wetterau: Legale Strecken gegen illegales Fahren

Kritisch sieht die gelernte Försterin zudem die ständige steigende Zahl von E-Mountainbikes. Damit gelangten Fahrer ohne große Anstrengung auf höhere Gipfel, um dann über Stock und Stein bergab zu rasen. Legale Strecken wirkten am besten gegen illegales Fahren. »Früher gab es am Winterstein vier, fünf illegale Trails, die verschwunden sind, nachdem unser Angebot unterbreitet wurde«, betont Pfaff.

Zu den Sportlern am Winterstein gehört Felix Krüger (21). Er hat mit seinem Können eine Vorbildfunktion. Der Mann aus Rödgen war zwischen 2015 und 2018 professionell unterwegs, hat an der Junioren-WM teilgenommen. »Viel Training, wenig Geld. Zum Leben hat es nicht gereicht«, sagt der 21-Jährige, der heute neue Räder testet. Aus seiner Sicht sind die Winterstein-Trails leicht bis mittelschwer, geeignet für die ganze Familie. »Das macht auch meiner Mutter Spaß«, sagt Seher schmunzelnd.

»Ebbelwoi«-Trail in der Wetterau: Beinahe Kollision beim Fototermin

Jugendliche fahren Krüger manchmal hinterher, um sich etwas abzuschauen. Seinen Tipps wird zugehört. Regelmäßiges Training ist vonnöten - selbst für erfahrene Biker. Das zeigt sich beim Fototermin für die WZ. Krüger und Seher fahren zügig ein Stück »Ebbelwoi« runter, haben aber vor dem Sprung auf der Schanze zu wenig Abstand. In der Luft kommt es fast zur Kollision. Beide sind zunächst sprachlos, lachen gleich darauf aber über das kleine Missgeschick.

Seit 2018 bietet der Naturpark Taunus Mountainbikern am Winterstein zwei legale Trails an, die gut ausgeschildert sind. Beide Strecken beginnen am Fernmeldeturm auf dem gut 520 Meter hohen Steinkopf. Der »Ebbelwoi«-Trail führt nach Naturpark-Angaben über rund 1,6 Kilometer bergab in Richtung Norden bis zum Forsthaus Winterstein. Deutlich länger ist der »Handkäs«-Kurs, der gen Südwesten führt und nach etwa 2,7 Kilometern an der Kapersburg in der Gemarkung Wehrheim endet. »Sportliche Fahrer sind zwischen vier und sechs Minuten unterwegs, was für Mountainbike-Trails ziemlich lange ist. Es werden Spitzengeschwindigkeiten von 30 bis 40 km/h erreicht«, erläutert der frühere Junioren-WM-Teilnehmer Felix Krüger.

Für den »Ebbelwoi«-Trail in der Wetterau braucht es fortgeschrittene Fahrtechnik

Die längere Strecke ist aber auch für Familien mit Kindern und Anfänger geeignet. Schwierige Passagen können auf sogenannten Chickenways umfahren werden. Der »Ebbelwoi«-Trail ist steiler und schwieriger zu fahren. Nutzer sollten auf dieser Strecke über eine fortgeschrittene Fahrtechnik verfügen.

Ausführliche Informationen zu den beiden Trails finden Interessenten im Internet unter www.taunus.info.

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