hed_WindradVierFichten2__4c
+
Ein Windrad im Wald bei Wächtersbach. Eine Exkursion dorthin unternimmt das Bündnis für einen Windpark am Winterstein am heutigen Samstag (siehe Infos).

»Dreist, unwissend«

  • David Heßler
    VonDavid Heßler
    schließen

Wetteraukreis (hed/pm). Die FDP-Fraktionen in Friedberg und Rosbach lehnen die Absichtserklärung zum Bau eines kommunalen Windparks am Winterstein ab. Die Argumente dagegen sind laut dem Bündnis »Windpark Winterstein« zum Teil »dreist und unwissend«, wie deren Sprecher Diethardt Stamm sagt.

Wie berichtet entscheiden derzeit die Gremien in Friedberg, Rosbach, Ober-Mörlen und Wehrheim darüber, ob die vier Anrainerkommunen gemeinsam mit Land und Bund Windräder auf der Vorrangfläche am Winterstein bauen sollen. Nach der Absichtserklärung soll ein gemeinsames Windpark-Konzept mit konkreten Planungen, etwa wie viele Anlagen entstehen, erstellt werden.

Die FDP mache sich im Bundestagswahlkampf die »sogenannten Argumente« der Windkraftgegner zu eigen, bemängelt Stamm. So agierten die Fraktionen gegen Windräder auf dem ausgewiesenen Vorranggebiet, obwohl die Landes-FDP ausdrücklich der Ausweisung von zwei Prozent der Landesfläche Hessens als Vorranggebiete bereits vor zehn Jahren zugestimmt hatte. Man behaupte stur, dass Windkraft den Wald für immer schädige. »Strom kommt somit für diese Leute einfach aus der Steckdose, also z. B. aus Braunkohlekraftwerken.

Dass dieser Strom mit seinen negativen Klimaveränderungen schon über 50 Prozent des Waldes auf dem Winterstein zerstört hat, ignorieren Leute wie der Rosbacher FDP-Vorsitzende Prof. Jörg Werner«, poltert der frühere Grünen-Politiker Stamm. Und weiter: »Wie dreist und unwissend muss man sein, wenn man Tiere in einem Wald schützen will, den man durch sein jahrelanges klimaschädliches Verhalten zerstört hat?«, lautet seine rhetorische Frage zur FDP-Aussage, Windräder würden Schäden bei Tieren hervorrufen.

Einnahmen durch Gewerbesteuer

Verwundert sei er, dass die FDP-Fraktion in Rosbach in den Ausschusssitzungen nicht mit Nein gestimmt habe. Es habe lediglich ein paar »merkwürdige Äußerungen« gegeben; etwa die Behauptung, dass die Kommunen keinen wirtschaftlichen Nutzen von einem Windpark hätten. Dabei würden die Kommunen sogar mehrfach profitieren, betont Stamm. Ihnen stünden Pachteinnahmen zu, »riesige Mengen an Gewerbesteuer« und ein Anteil aus dem Ertrag für die Einspeisung von benachbarten Anlagen im Umkreis von 2,5 Kilometern. Rosbach etwa könne sich direkt beteiligen, vom Gesamtgewinn profitieren und »günstigen vor Ort erzeugten Strom« erhalten. Der maximale Gebotpreis bei den Ausschreibungen in diesem Jahr liege bei 6 Cent pro Kilowattstunde. Stamm: »Offenkundig muss sich die FDP besser informieren, bevor sie sich zu diesem Thema äußert. Aber anscheinend will die FDP so weiter machen wie bisher.«

Unredlich ist es für das Bündnis »Windpark Winterstein«, wenn der Friedberger FDP-Fraktionsvorsitzende Achim Güssgen-Ackva von »Versiegelungen« spricht. Bei einer Gesamtfläche von rund 420 Hektar seien bei der aktuell geschätzten Anzahl von 22 Windkraftanlagen maximal elf Hektar betroffen. Wenn er zudem behaupte, es fehle an Speichertechnologie, um Windkraft effektiv zu nutzen, dann habe er im Physikunterricht wohl nicht richtig aufgepasst.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare